Notierter Anfang aus meiner ganz privaten Schreibwerkstatt.
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Nun werden wir also – nein, das “wir” ist falsch, das irritiert vielleicht nur, denn ich allein bin es, der die Geschichte schreibt – also nochmal: Nun werde ich also eine Geschichte schreiben. Sie wird so lang werden, so viele Worte umfassen, wie Worte hier in dieses Schulheft passen. Mindestens so lang. Nun, auf dieser ersten Seite weiß ich noch nicht, wer was wann und wo erleben wird, wem was wieso passieren wird. Aber wie so oft schon bei meinen kleinen Texten bin ich mir auch hier sicher, daß sich alles fügen wird. Es wird also wie im richtigen Leben. Wie das wohl auch für andere ist, die schreiben, zu schreiben versuchen? Das weiß ich nicht, kann ich ja nicht wissen, denn noch nie habe ich mit einem anderen schreibenden Menschen darüber gesprochen, mich mit einem anderen schreibenden Menschen darüber ausgetauscht: über den ursprünglichen, den initialen Ideenfindungs- und Schreibprozeß. Ich weiß auch nicht, ob es jemals dazu kommen wird, daß ich mich darüber austauschen kann. Und: Ist es für mich wirklich wichtig, etwas zu wissen über den Einfluß, den die darin agierenden Figuren auf den Fortgang einer Geschichte im Laufe ihrer Entstehung schon haben oder zu haben scheinen, in fremden Geschichten? Oh weh, welch komplizierte Fragestellung …
Genug des “philosophischen” Vorgeplänkels. Soll die Geschichte nun endlich beginnen:
Diese Tür ist nicht mehr zu öffnen. Nicht von innen jedenfalls, denn der Türgriff ist verschwunden. Da, wo der hingehört, ist nur ein rundes Loch, in dem ein viereckiges Loch ist. Das ist nicht ungewöhnlich, nein, das nicht. Aber die Tatsache, daß der Türgriff fehlt, die ist sehr ungewöhnlich. Als wir gestern Abend zubett gingen, war er nämlich noch da, ich habe die Tür selbst geschlossen, mit genau diesem jetzt fehlenden Griff. Und es gab auch keinen Grund, die Ferienwohnung zu verlassen, weder für Dich, noch für mich, und dabei den Türgriff zu entfernen und verschwinden zu lassen, draußen. Nun, ich kann mir Deine Reaktion jetzt schon vorstellen. Wenn Du nachher auch wach bist und den ersten Kaffee getrunken hast, wirst Du mir vorwerfen, daß ich nicht gut genug auf den Türgriff aufgepaßt habe. Als ob es in unserer Zeit und hierzulande immer und überall notwendig wäre, etwas wie einen Türgriff ständig im Auge zu behalten! Das wäre ja wie ständig auf die im Badezimmer in einem Becher stehenden Zahnbürsten zu achten, damit diese nicht aus dem verschlossenen Bad verschwinden können.
Jaja, so beginnt etwas, das fast an einem Stück heruntergeschrieben wurde wie beinahe jeder meiner Texte. Fast ein ganzes Schulheft lang (DIN A5, 16 Blatt). Was hier zu lesen ist, waren die heute Morgen geschriebenen ersten drei Seiten. Jetzt habe ich noch zwei Seiten Platz für eine Auflösung, ein Happyend, einen genialen Cliffhanger (der wäre mir am liebsten). Ob ich den heute Abend noch schaffe? Das weiß ich auch nicht. Und in den nächsten fünf oder sechs Tagen werde ich keine weitere solche Geschichte schaffen, da bin ich anderweitig beschäftigt mit realem Leben da draußen. In diesen Tagen wird sich auch keine Gelegenheit ergeben, in meiner Wohnung weiter aufzuräumen, andere Dinge stehen an, über die ich im Moment niemandem etwas erzählen möchte. (Das kann auch heißen, daß es hier in den nächsten Tagen eventuell etwas kryptisch weitergeht. Wir weden sehen.)
Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.
P.S.: Am 14.11.2019 waren positiv das Geschriebene, Selbstgekochtes, die genossene Zeit in der Badewanne.
Die Tageskarte für morgen ist die Sieben der Schwerter.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

