Nº 268 (2019): Das Eine und das Andere

Und wie kann es voneinander unterschieden werden?

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(Ich weiß nicht, ob ich schon jemals etwas dazu schrieb – aber ich bin zu faul nachzusehen und lasse mal wieder meinen Gedanken freien Lauf. Also viel Spaß dabei, wenn ihr mir beim Denken zuseht!)

 

Hoffnungen und Illusionen. Zwei Sachen, die wohl jeder Mensch irgendwann hat. Selbst in den tiefsten Tiefen der abgründigsten depressiven Phase war irgendwo immer ein allerdings extrem winziges Fünkchen Hoffnung übrig. Sonst hätte doch wenigstens einer der Versuche, mich aus dem Leben zu schaffen, gelingen sollen, oder denke ich da … denke ich da falsch? Egal, ich denke so, und für mich ist dieser Gedanke nur folgerichtig, richtig, wichtig und sogar den Lebenswillen bestärkend.

Aber nochmal: Hoffnungen und Illusionen. Was unterscheidet die einen von den anderen? Wann wird aus dem einen das andere und wann sollte man sie fahren- oder fallenlassen?

Ganz kurz und knapp sagt Wikipedia über die Illusion: “Illusion: eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit”. Aha. Das wird allerdings im Abschnitt zum Allgemeinen Sprachgebrauch dann erweitert, denn Allgemeiner Sprachgebrauch hat selten etwas mit wissenschaftlicher, semantischer oder logischer Korrektheit zu tun; dort ist die Illusion eine falsche Vorstellung von der Wirklichkeit. (Am liebsten zitierte ich diesen Abschnitt hier vollständig.) Hm. Ich bin beim Wort Illusion also eher genau da bei der falschen Vorstellung und nicht bei der falschen Wahrnehmung der Wirklichkeit oder gar beim falschen Urteil (Wahn). Das heißt, ich mache mir Teile der Welt ein wenig anders als sie zu sein pflegen, nämlich für mich (er-)lebenswerter, indem ich mir Dinge vorstelle, einbilde, schönfärbe. Das kommmt ja auch der Etymologie des Wortes Illusion und seines Verbes “illudieren” (veraltet, heuzutage gänzlich ungebräuchlich) näher: Ich spiele mit Gedanken, betreibe Selbsttäuschung bis hin zu Selbstbetrug. Oder auch, wie Sigmund Freud notierte (und auch Wikipedia zitiert): “Illusionen empfehlen sich dadurch, daß sie Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen genießen lassen.” Ja, mit meinen Illusionen mache ich mir also in der Regel mein Leben lebenswerter, leichter. Beziehungsweise meine Vorstellung von meinem Leben. Genau.

Hat ein bißchen was von Pippilotta Viktualia Rullgardina Krusmynta Efraimsdotter? Ja? Und? Ist das schlimm für Dich, oder für Dich oder Dich? Wichtig ist, was es für mich ist: in manchen Situationen sogar notwendig dafür, mein Leben lebenswert für mich zu erhalten.

Und was ist jetzt mit der Hoffnung? Oder mit den Hoffnungen? Ich habe nämlich nicht nur eine. Und von der einen oder anderen weiß ich sogar, daß sie nicht ganz realistisch ist. Trotzdem wünsche ich etwas herbei, sehne mich nach einer oder erwarte geradezu eine Erfüllung. (Wikipedia ist auch zum Wort Hoffnung durchaus empfehlenswert.) Insbesondere stellte ich ja die Frage, ob aus dem einen, also aus einer Illusion, eine Hoffnung werden kann? Umgekehrt halte ich das für weniger wahrscheinlich, denn dann muß die sogenannte Hoffnung ja von vorneherein eine Illusion gewesen sein (das halte ich für vollkommen logisch und daher keiner Begründung bedürfend). Und ich bleibe heute auch die Antwort auf die Fragen schuldig, wann ich eine Illusion fallenlassen muß oder sollte, und wann, also unter welchen Umständen, Voraussetzungen oder Zwängen ich eine Hoffnung fahrenlassen mu&szlig oder sollte oder will?

Gerade nämlich habe ich mich überdacht (nein, weder mit einem Dach versehen noch erneut gedacht, sondern überdacht wie “überanstrengt”). In meinem Kopf bleibt jetzt eine Gewi&szligheit zu den Illusionen zurück; zur Hoffnung aber ist das Denkicht gerade undruchdringbar geworden. Vielleicht schaffe ich es, irgendwann einmal an diesen Text hier anknüpfend etwas zu meinem Hoffnungsbegriff zu schreiben und zu den Hoffnungen, die ich hege. (Oh ja. Hoffnungen wollen gehegt werden, wirklich.)

 

Ja, so geht es in meinem Kopf manchmal zu. Selbst für mein Empfinden ist dieses “manchmal” aber einfach zu oft.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 25.09.2019 waren positiv ein Morgenritual, viel Gebügeltes, Bockwurst mit Senf und Brot.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.

© 2019 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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10 Kommentare zu Nº 268 (2019): Das Eine und das Andere

  1. Nati sagt:

    Ist es nicht eher so dass die Hoffnung irgendwann, wenn man sie aufgibt, zur Illusion wird?
    Weil die Hoffnung für irgend etwas als Hoffnungslos angesehen werden muss, weil unerfüllbar, und man feststellt dass man seiner Illusion erlegen ist?

    • Der Emil sagt:

      Neeeee. Hoffnung und verfälschte Wahrnehmung? Ich weiß nicht … Aber ich denke daran ja noch herum.

    • Der Emil sagt:

      Ich hab nochmal nachgedacht: Wenn ich eine Hoffnung fahrenlasse, dann ist sie keine Hoffnung mehr, dann ist da Enttäuschung, Verletzung oder was weiß ich; ABER für mich (!) wird eine aufgegebene Hoffnung niemals zur Illusion, denn dann denke ich mir mein Sein auch durch die Hoffnung nichtmehr schöner, täusche mich nicht mehr selbst mit einer Hoffnung. (Ach Du Sch…, ist das überhaupt verstehbar?)

      • Nati sagt:

        Vielleicht wahr die Hoffnung auf etwas von vornherein eine Illusion, die man sich gemacht hat. Und wenn einem dann klar wird, dass diese Hoffnung nicht eintrifft, ist man erst einmal enttäuscht. Ja das stimmt. Aber sind viele Hoffnungen nicht auch Illusionen von uns? Redet man sich nicht oft etwas schöner als es wirklich wahr werden würde?

        • Der Emil sagt:

          Das Schöngeredete ist die Illusion (des Alltäglichen Sprachgebrauchs). Die Hoffnung ist der Wunsch, die Sehnsucht nach Erfüllung (oder: einfach etwas Erwartetes, eben NICHT Schöngeredetes).

          • Nati sagt:

            Darüber werde ich jetzt mal nachdenken, Emil.
            Ich dachte wenn sich meine Hoffnung nicht erfüllt, bin ich einer/meiner Illusion erlegen. Weil die Hoffnung, mein Wunsch nach etwas, nicht erfüllt werden kann.
            Weil ich vielleicht falsch gedacht habe, mir etwas erhofft habe, was nicht realisiert werden kann.

  2. frauholle52 sagt:

    Ich mache es mir einfach: Jeder und jede hat und denkt und produziert sich seine oder ihre eigene Wahrheit. Und Hoffnungen sind meine Wünsche. Liebe Grüße! Regine

  3. castorpblog sagt:

    Ihr Zwei solltet ein Buch darüber schreiben😉

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