Nº 254 (2019): Chile und Ungarn

Zwei “vergessene” Ereignisse des 11. Septembers.

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Jaja, da war was vor 18 Jahren. Etwas, das massive Einschränkungen der Freiheit auch für mich persönlich zur Folge hat(te).

 

Am 11. September 1989, vor 30 Jahren also, geschah etwas, das mich viel mehr betraf. Am 11. September 1989 nämlich (siehe zum Beispiel diesen Beitrag im BR) öffnete die Volksrepublik Ungarn die Staatsgrenze zur Republik Österreich bzw. stellte die Grenzkontrollen an dieser Staatsgrenze ein. Ausreisewillige Bürger der DDR konnten so einfach “in den Westen machen” und wurden nicht mehr aufgegriffen und in die DDR ausgeliefert (auch im Wikipediaeintrag zu Ungarn wird dieser Termin erwähnt). Ich wollte zwar nie Bundesbürger werden, aber der Prozeß dahin war ab diesem Zeitpunkt kaum noch aufzuhalten.

 

Und noch früher, am 11. September 1973, putschte in Chile das Militär blutig gegen die gewählte (sozialistische) Regierung der Unidad Popular unter Salvador Allende (der sich in der Moneda erschoß). General Augusto Pinochet herrschte von da an als Chef einer Militär-Junta mit Unterstützung der USA. Selbst Franz-Josef Strauß, CSU, nannte 1977 noch den Putsch einen “gewaltigen Schlag gegen den internationalen Kommunismus” und meinte, es sei, “Unsinn davon zu reden, daß in Chile gemordet und gefoltert würde”. Heute wissen wohl die meisten Menschen hierzulande, daß Strauß da Unsinn verbreitete. Damals, 1973, ging ich noch in die POS und war Junger Pionier. Auch ich schrieb Solidaritätskarten nach Chile, spendete das mit Altpapier und Flaschen und Gläsern gesammelte Geld. Oh ja. Selbst wenn vieles davon Indoktrination und Propaganda gewesen sein soll: Chile war weit weg und doch nahe. Wir sahen, was der Imperialismus zu dem Zeitpunkt zu riskieren bereit war und dann auch schaffte. (Nebenbei gefragt: Ist das heute anders?) Nein, eine frei gewählte Regierung so abzuschaffen und unter den Gegnern der neuen Machthaber so gewaltig “aufzuräumen”, sprich viele von ihnen zu töten oder anders verstummen zu lassen, das war nichts, was wir Kinder verstehen konnten (und viele Jugendliche und Erwachsene in der DDR verstanden es auch nicht, weil wir nie kriegsähnliche Zustände oder gar Krieg – selbst wenn es “nur” Bürgerkrieg sei – erlebten oder erleben wollten). Später hatte ich Gelegenheit zu Treffen mit Exil-Chilenen, die sich an die Ereignisse erinnerten/erinnern konnten. Nein, das Geschehen am 11. September 1973 und in seiner Folge blieb für mich ein unvorstellbarer Alptraum.

 

Zwei Ereignisse von vielen. Beide meiner Meinung nach von größerer Bedeutung als das heute besonders hervorgehobene Ereignis, das aber – nur dank des Weltpolizeigebarens der USA – dazu hochstilisiert wurde. In Chile hatte der 11.09.1973 in SUmme mehr Opfer gefordert, in Ungarn war der 11.09.1989 von weitaus größerer weltpolitischer Bedeutung. Meiner Meinung nach.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 11.09.2019 waren positiv Nudeln mit Pilzen, die gekaufte Beurer PM18 (Pulsuhr und Schrittzähler, das Septembervorhaben ist erfüllt), sehr interessante Nachrichten für mich.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Schwerter.

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Über Der Emil

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6 Antworten zu Nº 254 (2019): Chile und Ungarn

  1. Pit sagt:

    Ich stimme Dir zu, was die weltpolitische Bedeutung der beiden Ereignisse angeht, die Du nennst. Zuminmdest in gewissem Masse, denn die USA hat den 11.9. (als Vorwand) zu Reaktionen genutzt, die auch von erheblicher weltpolitischer Bedeutung (geworden) sind.

    • Der Emil sagt:

      Das meinte ich mit hochstilisiert …

      Und gerade hierzulande, also in der BRD, in Europa wäre die Erinnerung an den 11. September 1989 eine positiv besetzte.

  2. castorpblog sagt:

    Da muss ich dir recht geben lieber Emil. 1973 und 1989 war die Mediendurchdringung aber noch nicht so weit wie 2001. Außerdem hatten die Anschläge von 2001 eine wesentlich gewaltigere Symbolkraft. Es war ein auf den 11.09.2001 festgebranntes Ereignis. Chile und Ungarn waren nicht auf einen bestimmten Tag festzumachen, das waren Bewegungen über längere Zeiträume. 2001 hat aber auch, wie du sagst eine teuflische Bewegung in Gang gesetzt.

  3. Gudrun sagt:

    Oh, an Chile kann ich mich noch gut erinnern und an mein Weinen bei der letzten Rede Allendes, als nebenan schon Bomben fielen. Ich fühlte, wie zerbrechlich Demokratie sein kann und ich fühlte mich hilflos. So wie jetzt auch manchmal, wenn ich morgens Nachrichten lese.

    • Der Emil sagt:

      Hilflos. Selbst verletzt in der Seele (obwohl die nicht zum Kanon gehörte). Mitleidend. Am Unvorstellbaren leidend.

      Als zehnjähriges Kind.

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