Nº 235 (2019): Schulheftschreiberei

Danke für die besondere Uferatmosphäre.

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Zwischen den Terminen nehme ich mir einfach eines der Schulhefte zur Hand und einen Stift. Ich sitze im Schatten am Ufer und warte auf … die Eingebung, den einen Satz, die Geschichte. Ich sehe den Wellen beim Vorbeirollen zu, wenn dann einmal Wellen von einem vorbeifahrenden Boot erzeugt wurden. Denn ohne Boot ist der Fluß ruhig, seine Wasser fließen glatt und träge dahin unter der viel zu heiß brennenden Sonne. So, genau so warte ich auf diesen einen Satz, der bei mir immer am Anfang eines Textes steht. Mit dem eine Geschichte zu fließen beginnt und sich wie ein überbreiter Bach über die Seiten wälzt, Zeile um Zeile.

Schulhefte. Meine Güte, wieviele unterschiedliche Lineaturen es früher gab! Alleine für Mathe gab es drei verscheidene Kästchengrößen, und für Deutsch, also Schreiben, waren es sechs oder sieben verschiedene Lineaturen, wenn ich mich recht erinnere. Nur, mir sind die mittlerweile egal, ich schreibe, wie es mir paßt, auf, unter, in und zwischen den Zeilen. Aber nicht alles, was ich zwischen die Zeilen schreibe, ist dann auch zwischen den Zeilen zu lesen …

Irgendwann gelingt es mir, dieses Drauflosschreiben. Dieses Füllen von Seite um Seite mit einem Text, der rund und stimmig ist. An dem ich nicht feilen und nacharbeiten muß, um überhaupt etwas zu transportieren von Gefühl, Stimmung oder Handlung oder oder oder. Es gelingt oft erst, wenn mich ein Geräuscheteppich umgibt, ein menschgemachter Geräuscheteppich. Wenn es um mich herum murmelt und summt und wisperrt und brummelt und ich nicht wirklich einzelne Worte verstehen kann oder muß. Hier am Ufer finden sich früher oder später immer ein paar Spaziergänger ein, die mich damit unterstützen und ihre Hunde oder Kinder frei laufen lassen. Manchmal tauchen sie in meinen Geschichten mit auf, meist aber bleiben sie unerwähnt. Nur heute, nur heute bedanke ich mich einmal ausdrücklich bei all denen, die mir, ohne davon zu wissen, mit ihren Lebenszeichen beim Schreiben helfen.

 

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 23.08.2019 waren positiv der “Umzug”, Wiedersehen mit vielen freundlichen Menschen, Eintauchen in eine andere Zeit.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Vier der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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