Seltsam verdrehte Figur.
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Ich hab ihn heute in der Abendsonne photographiert, den Kerl, der hier in Halle (Saale) am Rennbahnkreuz hoch über allen herumturnt. Den, der mich seit Jahren ob seiner Verdrehtheit irritiert. An zwei Stahlstützen (gut zweieinhalb Mal so hoch als die eigentliche Figur) sind die das Seil symbolisierenden Stahlträger geschweißt. (Oder ist das alles ein Guß?) Darauf stehen zwei übergroße Füße an viel zu dünnen und zu langen Beinen, die in Richtung Ha-Neu bzw. Heide zu gehen scheinen. Oberhalb der Hüfte ist für meine Augen der Körper sichtbar gebrochen und verdreht. Der Oberkörper und die eine Balancierstange haltenden Arme sind scheinbar entgegengesetzt orientiert in Richtung Rennbahn/Halles Innenstadt. Auch da stimmt keine der Proportionen – und das Gesicht ist ganz sicher nach Neustadt (vorhin bei seinem Kurznamen Ha-Neu genannt) gerichtet … Und er ist eckig und kantig gestaltet, wie er so zerrissen seinen gewaltigen Schritt auf dem Seil tut. Alle Teile der Skulptur oder Plastik (aber das wird heutzuzutage kaum noch unterscheidend angewendet) sind mit rotumrandeten gelben Flicken verziert.
Geschaffen wurde die Skulptur vom halleschen Künstler Christoph Reichenbach, aufgestellt wurde sie 1999. Und seitdem, so heißt es, ist ein “Seiltanzender Harlekin” damit beschäftigt, das Gleichgewicht zwischen Halle (Saale) und der von 1967 bis 1990 selbständigen Stadt Halle-Neustadt darzustellen.

Seiltanzender Harlekin, 1999,von Christoph Reichenbach.
Ich habe ja den Verdacht, viele der Menschen, die da tagtäglich in Straßenbahn und Bus und Auto am Kunstwerk vorbeifahren, haben ihn noch nie bewußt angesehen. Und ja, wenn ich ihn mir einmal aus der Nähe, in Augenhöhe ansehen könnte: Dafür würde ich meine Höhenangst tatsächlich überwinden wollen.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Am 19.02.2019 waren positiv die guten Nachrichten nach der OP einer mir sehr wichtigen Person, die gefundenen Kladden, weitere 5 weggebrachte Bücher (jetzt Σ=26 im Februar).
Die Tageskarte für morgen ist die Sechs der Münzen.
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Ein bisschen wie der Vogel Wendehals, nur hat der Seiltänzer mit Stange ein Wendebein, das sich aus der Hüfte heraus rundherum zu drehen scheint.
Klasse Figur und Metapher für ganz viel.
Ich las deine Beschreibung übrigens, bevor ich mir das Bild ansah und war ein bisschen enttäuscht, dass sie für mich viel weniger verdreht und kaputt aussieht als für dich. Vielleicht liegt also nicht nur Schönheit im Auge der Betrachtenden, sondern auch Kaputtheit?
Ansonsten 1a-Bildbeschreibung!
Vielen Dank.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon dorten stand und hinaufsah. Ich bin irritiert davon, wie der Oberkörper auf der Hüfte sitzt. Angeblich (nach offizieller Beschreibung) soll die Figur die Balancierstange hinter sich halten; aber das paßt ja nicht zur Ellenbogenbeugung …
Also, meine Bildbeschreibung wird auch meine Irritation enthalten über das, was ich da wie sehe. Immer. 😉
Als wäre die Hüfte von oben nach unten ein scharnierartiges Rundgelenk?
Ja, so ungefähr. Ein Bruch in den Körperlinien, der mich kirre macht …
Das mit den Kladden und verbrachten Büchern gefällt mir, die Skulptur gefällt mir nicht.
Gruß von Sonja
Sie irritiert auch mich mehr als daß sie mir gefällt. Aber sie wirkt, sie wirkt, denn sie regt mich zum Denken an.