(2018: Nº 339) Das 5. Türchen. Unerwartet.

Vom “Staatsdichter”.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

 
Weihnacht

Es blüht der Winter im Geäst,
Und weiße Schleier fallen.
Einsam erfriert ein Vogelnest.
Wie vormals läßt das Weihnachtsfest
Die Glocken widerhallen.

Es neigt sich über uns der Raum.
Darin auch wir uns neigen.
Es glänzt der Kindheit Sternentraum.
Ein Tränenstern blinkt hoch am Baum.
Das Licht weint in den Zweigen.

Johannes R. Becher: Gedichte. Werke in 3 Bd., Band 1. S. 437.
2. Auflage. © 1976 Aufbau Verlag Berlin und Weimar, DDR
 
 

 

 

Ach, der Becher. Der, der sich als Jugendlicher beinahe erschoß. Der, der den Text der Nationalhymne schrieb (“Auferstanden aus Ruinen / und der Zukunft zugewandt …” – lesenswerter Text übrigens). Der Johannes R. Becher, der erster Kulturminister der DDR war und Vorsitzender des Kulturbundes. Es überrascht mich immer wieder, daß er auch durchaus Gedichte schrieb, die nichts Politisches (jedenfalls nichts offen Propagandistisches) zum Thema haben; vielleicht ist es mir seit meinem letzten Literaturunterricht 1982 auch einfach nur immer wieder entfallen.

Wie schön es doch wäre, wenn auch hier “der Winter im Geäst” blühen würde. Doch statt Schnee wurde Regen angekündigt für die nächsten Tage. Ich weiß, viele mögen den Schnee nicht oder nur vom 23.12. bis zum 02.01 oder gar noch kürzer. Aber: Ist eine Advents- und Weihnachtszeit mit Frost, mit mäßigem Frost und Schnee nicht schöner, anrührender, heimeliger als eine mit Matsch und Regen? Mag sein, daß Jüngere noch nie Weiße Weihnacht erlebten, mag sein, daß viele lieber im Süden leben würden mit immer über 20 °C und Sonne von früh bis Abend. Aber ich? Ich bin im Großvateralter, ich erinnere mich besser an die Winter mit Schnee und Schlittenfahren im Erzgebirge als an die nassen, unangenehmen anderen.

Was mir noch auffält: Immer dann, wenn ich einen echten Weihnachtsbaum/Christbaum hatte, dann hing auch an dem ein Tränenstern, unsichtbar für alle anderen. Aber er hängt da und blinkt mir zu, von dem Moment an, da ich den Baum schmücke: am besten am 24.12. vormittags. Und mit viel silbernem Lametta am liebsten, mit dem schweren aus Blei. Und das alles, weil ich es genau so von einem meiner Großväter, vom “Bemmer”, Kurt, lernte als Kind. Und mein Tränenstern erinnert mich einfach an ihn, der viel zu früh verstarb, und an den einen Sohn, der ebenfalls … Und dann weint auch bei meinem Baum das Licht in seinen Zweigen.

Doch bis dahin ist es noch ein wenig Zeit. Und wenn ich mir wirklich einen kleinen Baum oder wenigsten ein paar Zweige in meine Wohnung hole, dann weint das Licht vor Freude. Darüber, daß es mir – egal, wie schlecht es sich anfühlt – noch immer gutgeht. Darüber, daß ich mittlerweile mit nur noch ganz wenig Groll auf meine Vergangeheit zurückschauen kann. Darüber, daß ich meine liebste Zeit im Jahr erleben und zelebrieren kann.

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit vieler glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Ich kann in diesem Jahr keine besondere Aktion empfehlen, denn es gibt so viele, die der Unterstützung wert sind. Ich bin in diesem Jahr einer von den Menschen, die auf der Straße genauer hinsehen und dort helfen, wo Hilfe nötig und mir möglich ist.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am gestrigen 04.12.2018 waren erledigte Hausarbeit, Döner, viel Gelesenes.
 
Aussortiert habe ich gestern zwei kaputte Leuchten.
 
Die Tageskarte für heute ist I – Der Magier.

© 2018 – Der Emil. Eigener Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu (2018: Nº 339) Das 5. Türchen. Unerwartet.

  1. wildgans sagt:

    Jedenfalls hört sich das nicht bleischwer an, aber auch nicht ganz federleicht. Habe gern von deinen Adventslebesachen gelesen!

  2. Gudrun sagt:

    Hole dir wenigstens Zweige nach Hause, lieber Emil.

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