(2018: Nº 338) Das 4. Türchen. Barbaratag.

Zeit, sich Kirsch- oder Apfelzweige in Haus zu holen.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

Er ist ein alter Los- oder Weissagungstag, der heutige 4. Dezember: Barbaratag. Und ich schrieb schon 2010 über die Barbara-Zweige, die, am Barbaratag geschnitten und ins Haus gestellt, zur Heiligen Nacht erblüht sein sollen. Aber wie kam es zu diesem Brauch?

Die Heilige Barbara von Nikomedien wurde im 3. Jahrhundert zur Märtyrerin. Als sie sich nämlich weigerte, ihre jungfräuliche Hingabe an den Christengott und ihren christlichen Glauben aufzugeben, soll sie von ihrem Vater höchstpersönlich geköpft worden sein. Nun, es gibt viele Varianten dieser Legende, inbesondere die Position ihres Vaters und der genaue Ort und das genaue Martyrium variieren immer wieder. Neben all diese Legenden um die Hl. Barbara, die auch eine der Vierzehn Nothelfer ist, gibt es aber noch folgende Überlieferung zu ihr:

Auf dem Weg in ihr Gefängnis blieb Barbara von Nikomedien mit ihrem Kleid an einem Zweig hängen, der abbrach. Sie soll ihn wohl erst in ihrem Verlies bemerkt haben, diesen Zweig, der noch in ihrem Kleide hing. Sie stellte den Zweig in ein Gefäß mit Wasser, und er soll genau an dem Tag geblüht (und damit von ihrer Unschuld gekündet) haben, an dem sie ihr Martyrium erlitt.

Mit all den Grausamkeiten aber wird der Barbarazweig heute nicht mehr in Verbindung gebracht. In manchen Gegenden allerdings werden mehrere Zweige aber noch heute zum Orakeln genutzt. Jeder einzelne Zweig wird von den Jungfern genau einem der Verehrer zugewiesen; wessen Zweig zuerst blüht, der soll wohl der Richtige (Himmel und Zwirn! Diese Selbstzensur!) Rechte sein! Viel allgemeiner gilt das rechtzeitige, also spätestens am Heiligen Abend stattfindende Aufblühen als ein Omen für Glück im nächsten Jahr. Und je mehr Blüten die Barbarazweige tragen, desto ertragreicher wird auch die Ernte im nächsten Jahr sein.

Ich gestehe, daß ich diesen Brauch erst lange Zeit nach dem Namen der Heiligen Barbara kennenlernte. Zuerst kam ich mit der Schutzpatronin der Türme und der Festungsbauten, der Schutzheiligen der Architekten und aller Arten von Bauarbeitern (z. B. Maurer, Zimmerleute, Dachdecker und – auch wenn es die damals überhaupt nicht gab – Elektriker) viel früher in Kontakt, noch als Kind. Sie ist eine Schutzheilige aller, die mit Blitz, Donner und Feuer zu tun haben: Feuerwehr, Waffenschmiede und Büchsenmacher (Suhl, ihr versteht?), Sprengmeister und Feuerwerker, diverse andere Schmiede usw. usf. Und weil sie der Legende nach von einem Felsen, dem Berg, geschützt wurde, erkoren auch die Bergleute sie zu ihrer Schutzpatronin. Genau da, auf den Bergparaden zum Bergstreittag an Sankt Magdalena (“Tag der Maria Magdalena” am 22. Juli), mit denen zwei erfolgreichen Arbeitsniederlegungen der Bergleute 1496 und 1498 gedacht wird, und auf der Bergparade am Zweiten Advent zum Lichtelfest in der Bergstadt Schneeberg im Erzgebirge, dort hörte ich zum ersten Male in meinem Leben von der Schutzheiligen St. Barbara. Allerdings war sie aus diesem Grund auch immer nur die Patronin der Bergleute für mich.

Zurück zu den Barbarazweigen. Hätte ich einen eigene kleinen Garten mit einem Kirsch- oder Apfelbaum oder einem Forsythienstrauch, so stellte ich mir wohl welche in mein Zimmer. Vielleicht schenkt mir heute jemand welche – nur “mausen”, also einfach unerlaubt abschneiden, werde ich heute keine. Und doch finde ich diesen Adventsbrauch immer wieder erwähnenswert. Und immer wieder freue ich mich, wenn ich irgendwo solche Zweige stehen oder gar blühen sehe. Vielleicht kann ich auch glauben, daß dieses “Es ist ein Ros entsprungen / aus einer Wurzel …” von diesen Zweigen kommt?

 

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit vieler glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Ich kann in diesem Jahr keine besondere Aktion empfehlen, denn es gibt so viele, die der Unterstützung wert sind. Ich bin in diesem Jahr einer von den Menschen, die auf der Straße genauer hinsehen und dort helfen, wo Hilfe nötig und mir möglich ist.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am gestrigen 03.12.2018 waren ein Besuch im Radio, eine an mich herangetragene gute Idee, Clementinen.
 
Aussortiert habe ich gestern einen Topf mit abgeplatzter Emaille.
 
Die Tageskarte für heute ist der Ritter der Münzen.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu (2018: Nº 338) Das 4. Türchen. Barbaratag.

  1. o)~mm sagt:

    Ungeachtet eines christlichen Glaubens oder eines Brauchs, habe ich vor einigen Tagen Zweige von unterwegs mitgebracht. Es gibt hier genug freie Bäume, die nicht geschnitten waren, von denen ich unbesorgt einige Zweige nehmen konnte. Es ist eine große Freude zuzusehen, wie sich die winzigen Knospen bereits zu öffnen beginnen. Es müssen ja nicht unbedingt Obstzweige sein, wenn frisches Grün sprießt ist es ebenso schön, denke ich. ~ so wünsche ich dir welches…

    Beste Grüße,
    Syntaxia

  2. fata morgana sagt:

    die schallplatte stand früher bei meinen eltern im schrank. das foto fürs cover wurde in meinem heimatort gemacht. das zu sehen macht den tag nicht besser…heimat tut weh, wenn man viele kilometer entfernt davon wohnt…

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