An der Tür (Nº 178/2018)

Weiter ohne Sonne und Balkon.

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Endlich. Sie war heute lange unterwegs, aber sie kommt aus dem Park. Na dann will ich mal schnell runtergehen. Aber – was sage ich nur? Wie spreche ich sie an, ohne plump zu wirken oder mit der Tür ins Haus zu fallen? Scheiße, ich habe darin überhaupt keine Übung mehr. “Guten Tag! Wissen Sie, ich beobachte Sie ja schon lange …” Nein, das klingt zu sehr nach Spanner. “Hallo. Ich will Sie endlich mal auf einen Tee einladen.” Ich glaube, dieses “ich will” klingt zu egoistisch. Wie machen das die anderen Kerle, die ständig irgendwelche Frauen? Da ist sie schon, gleich wird sie ihren Schlüssel … Ich öffne die Tür und wünsche einen guten Tag. “Ihnen auch”, sagt sie, und bleibt in der offenen Tür stehen. Mir muß jetzt ganz schnell etwas einfallen, etwas, mit dem ich sie nicht verschrecke, sondern … Schließlich will ich sie doch kennenlernen, also los, ich brauche jetzt den Satz. Himmel, warum starre ich sie jetzt nur mit offenem Mund an und bringe keinen Ton heraus?

“Sagen Sie mal”, spricht sie mich plötzlich an, “Sie sind doch der Herr F. aus dem dritten Stock? Wir treffen uns ja öfter hier an der Haustür. Und ich finde Sie und ihre Stimme sehr sympathisch.” Ich glaube, ich werde gerade rot. “Haben Sie einen Moment Zeit für mich? Ich würde Sie gerne auf einen Tee bei mir einladen.” Und ehe ich etwas erwidern kann, greift sie mich am Arm und schiebt mich sanft wieder ins Haus zurück. “Gehen sie doch bitte voran, gleich hier links unten. Aber das wissen Sie ja.” Und nachdem wir die drei Stufen genommenhaben und vor ihrer Tür stehen: “Oh Entschuldigung. Ich überfalle Sie einfach so. Aber ich wollte Sie schon so lange ansprechen, hab nur nie gewußt wie und mich nie getraut. Sie haben doch gerade ein Stündchen Zeit, oder?” Sie schließt auf und zieht mich, der ich noch immer nichts sagen kann, in ihre Wohnung.

 

 

Da spinnt sich mal wieder eine Fortsetzungsgeschichte zusammen (siehe Kontaktaufnahme. Und vorgestern).

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 27.06.2018 waren der erledigte Biblotheksbesuch, die Ausdrucke, das beginnende Lampenfieber.
 
Die Tageskarte für morgen ist die Neun der Schwerter.

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Über Der Emil

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5 Antworten zu An der Tür (Nº 178/2018)

  1. Nati sagt:

    ☺*weiterso*

  2. wildgans sagt:

    Es macht richtig Spaß, Euch „zuzuschauen“!

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