Ich bin eine große Hilfe.
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Sie schließt die Tür. “Schuhe bitte anlassen.” Ich stehe verunsichert in ihrer Wohnung. Was ist da gerade geschehen? Ich wollte doch sie ansprechen? Und hatte auch schon … nein, den richtigen Satz hatte ich noch nicht. Gibt es den überhaupt? Einen einzigen Satz, der ein erfolgreiches Kennenlernen einleitet? Wie hat sie es denn gemacht? Mich einfach angesprochen, zu sich eingeladen in die Wohnung. Sie hat zwar gefragt, aber mir keine Möglichkeit zum Widerspruch gelassen. Doch, ich hätte widersprechen, ablehnen können, für heute, sicher – nur weiß ich nicht, ob es je eine weitere Chance gegeben hätte.
Und nun stehe ich hier im Flur, wie bestellt und nicht abgeholt, und sehe ihr zu, wie sie den Langstock faltet und auf einem kleinen Sideboard ablegt, den Schlüssel laut klappernd in eine Schale legt, die Sonnenbrille auf der Nase nocheinmal zurechtrückt. “Na dann: Willkommen in meinem Reich. Kommen Sie doch einfach mit in die Küche und helfen Sie mir beim Teekochen.” Ich habe gerade nur Augen für sie, von der Wohnung und der Einrichtung nehme ich so gut wie nichts wahr. Ach doch, ja, in die Küche. Die sieht ja beinahe wie bei mir aus, nur daß hier Spülmaschine und Herd die Plätze getauscht haben. Sie ist ziemlich flink und hat den Wasserkocher schon eingeschaltet. “Übrigens, wenn es ihnen zu dunkel ist, schalten sie doch einfach das Licht ein. Das eine Fenster ist ja nicht besonders groß. Pfefferminz, Hibiskus oder Gelben Tee?” Ich entscheide mich für Gelben Tee, sie stellt eine Kanne neben den Wasserkocher, bereitet einen Teefilter vor. Das Wasser blubbert, ein lautes Knacken ertönt. Mit einem Schluck des heißen Wassers spült sie die Kanne aus, dann gießt sie den Tee auf, der einfach wunderbar duftet. Sie geht zum Fenster, tastet an einem der Blumentöpfe nach einem Blatt und reißt es ab. “Sie werden feststellen, daß dieses eine Blatt Minze den Geschmack verbessert.”
Da spinnt sich mal wieder eine Fortsetzungsgeschichte zusammen (siehe An der Tür – es wird immer zum jeweils vorhergehenden Text verlinkt).
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 28.06.2018 waren das eingerichtete Telefon, der in den Korb eingenähte Fetzen, die Badewanne.
Die Tageskarte für morgen ist die Zwei der Schwerter.
© 2018 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Du kannst Fortsetzung!
😊
Ich würde auch gerne mal Ende können … 😉
So langsam, ganz langsam scheint es auf etwas (?) zuzulaufen…
Tut es.
Nur wundere ich mich, daß die eine Besonderheit noch niemanden zu einem Kommentar bewegte.
Den gefallen tu ich dir auch nicht 🙂
welche Besonderheit? Dass die Frau blind ist? Ist doch nur eine andere Art von Normalität!
die Spannung steigt!
Ach weißte … Erstmal ’ne Tasse Tee.
Pingback: Servieren wie gewünscht (Nº 184/2018) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen
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