Viel hinterließ er nicht.
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Er war von einem auf den anderen Tag einfach verschwunden. Er und die wenigen Dinge, die er in ihre Wohnung mitgebracht hatte. Einfach abgehauen, mitten in der Nacht, als sie tief und fest schlief. Nach drei Wochen, in denen sie zusammengelebt hatten wie das glücklichste, zufriedenste Paar der Welt. Es hatte sie nicht gestört, daß er kein Geld hatte, dafür hatte er die zärtlichsten Hände der Welt. Es war unwichtig, daß er arbeitslos war, er hatte sie geküßt wie noch keiner zuvor. Die Nächte mit ihm waren aufregend und … ja, befriedigend, da störte sein Dreitagebart nicht. Jetzt sitzt sie allein am Frühstückstisch und er ist weg, mit Zahnbürste, Rasierapparat und den wenigen Stücken Kleidung, die er bei ihr in der Wohnung hatte. Ob er in sein altes Leben, zu einer anderen Frau und seinen Kindern zurückgekehrt sein kann? Das glaubt sie nicht. Inzwischen ist über all ihrem Grübeln und Vermissen der Tee kalt geworden. Sie wischt die feuchen Spuren in ihrem Gesicht mit dem Ärmel ihres Pullovers ab und fängt an, die ganze Wohnung nach Dingen von ihm abzusuchen. Vielleicht findet sie ja eine Socke, ein Shirt oder eine seiner Streichholzschachteln. Sie fand es bemerkenstwert und liebenswert anachronistisch, daß er sich die wenigen Zigaretten, die er auf ihrem Balkon rauchte, immer nur mit Streichholzern anzündete. Ein Spinner, nein, ein romantischer Phantast war er schon, dieser Kerl, der sie jetzt noch von seinem Foto herunter anlächelt … Sie nimmt ein Stück Papier, das sich im auf dem Balkon stehenden Mülleimer mit den Zigarettenresten fand, mit hinein in die Wohnung. Sie holt das Foto vom Glasteil der Wohnzimmermöbel und legt das und den Zettel vom Balkon auf den Tisch. Aus der Küche holt sie sich eine neue Tasse Tee. dann sitzt sie auf dem Sofa, betrachtet sein Bild und faltet das Stück Papier aus dem Mülleimer auseinander. Eine Kopie von einem Personalausweis: Das Paßbild ist seines, doch der Name – der Name stimmt nicht. Was soll das? Was heißt das jetzt?
In ihrem Kopf herrsch Chaos, nein, Leere. Und für mehr als Schluchzen und Tränen hat sie gerade keine Kraft.
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 15.03.2018 waren eine vorproduzierte Sendung, eine lange gesuchte und jetzt wiedergefundene CD von Hubert von Goisern, notierte Erinnerungen.
Die Tageskarte für morgen ist XII – Der Gehängte.
© 2018 – Der Emil. Text & Bilder unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Du schreibst immer so interessante Fetzen. Schade das sie keine Fortsetzung haben.
Irgendwie kommen mir auch immer nur solche Fetzen aufs Papier.
Gehören der hier und der von gestern vielleicht zusammen?
Es könnte passen. Auch wenn du aus verschiedenen Perspektiven geschrieben hast.
Man müsste nur noch eine Verbindung herstellen.
Bei solchen Texten, die ich an einem Stück herunterschreibe, ohne daß ich nachher noch korrigieren muß, spreche ich immer davon, daß „Es“ geschrieben hat. Ich glaube, wenn ICH schreibe, brauche ich eine Willensanstrengung, wenn „Es“ schreibt und der Text fließt, fehlt diese.
Ich glaube ich verstehe was du meinst.
Manchmal überlege ich auch krampfhaft was ich schreiben soll und doktor dran rum. Dann kommt mir eine Idee und es ist innerhalb von ein paar Minuten geschrieben ohne das ich das Ein oder Andere verändern muss.
Ja. Das scheint bei Dir ähnlich zu sein.
Vielleicht sind wir für lange Geschichten nicht gemacht. 😉
Ich freu mich auf den Buchfink.
Vorproduziert habe ich was anderes … 😉
Ich erst wieder…;-)
Gruselig
Nun ja, in wesentlichen Teilen geschieht das Beschriebene wohl gar nicht so selten …
Mag ich sehr, ein wunderbarer Spannungsbogen und eine Geschichte, die realistisch ist!
Danke.
(Ich frage jetzt nicht, ob das allenfalls etwas Autobiografisches reinfunkt. Nein, ich frage nicht …)
Nein, da ist nichts Autobiografisches dabei. Wirklich nicht.
(Ich hab ja auch nicht gefragt … aber danke für die Aufklärung. Ist ein toller Text!)
Als ich ging, blieb alles (fast) dort …