(2017: 355) Das 21. Türchen

Für das Gewissen.

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind, allen, die Unterstützung benötigen.
 
Ich wünsche all diesen Menschen und mir eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für all jene, die Hoffnung brauchen.

 

Gestern war ich seit langem wieder im Radio. Und ich gestehe, es war im Nachhinein gesehen ziemlich anstrengend. Gestern aber konnte ich mir auch das zweite Weih­nachts­päckchen abholen. Und gestern Abend saß ich – umringt von vielen Kerzen – am Schreib­platz und hörte erzgebirgische Weihnachtsmusik. Ja, die muß sein, die gehört zu meiner Advents- und Weihnachtszeit dazu.

Ich schrieb ein wenig an dieser und jener Geschichte. Und hing immer wieder meinen Gedanken nach. Auch das gehört bei mir dazu. Das Jahr wohlwollend betrachten. Und alle in Gedanken um Vergebung bitten, denen ich Unrecht tat oder bei denen ich ein Versprechen nicht einlöste, weil ich von anderen Dingen abgelenkt wurde, weil mir Anderes dringlicher erschien. Ich bin ehrlich: Mahne mich, wenn ich Dir etwas versprach und es bisher nicht erfüllte; mein Gedächtnis ist da sehr unzuverlässig und ich hole Versäumtes gerne nach. An eines erinnere ich mich sehr deutlich, weil ich genau vor zwei Jahren darüber mit jemandem sprach: Seiffen im Advent und die Schneeberger Berg­parade … Dann schrieb ich wieder an den Geschichten, an Anfängen, an Fortsetzungen, ja, ich schrieb sogar einen Text um, weil er mir in der Schnodderigkeit seiner Sprache nicht mehr gefiel. In den Schreibpausen war ich weiter mit Erinnerungen an das zuende­gehende Jahr beschäftigt. Und ich habe vergeben und verziehen, soweit ich mich noch an Dinge und Verhalten erinnern konnte, die oder das meinem Empfinden nach Verzeihen und Vergeben brauchten. Und ja, das waren nicht wenige. Wahrscheinlich aber habe ich noch öfter “danebengegriffen” …

Wie gut haben es da die Katholiken: Im Rahmen der Beichte werden die Sünden vergeben. Alle Sünden. Ach, wenn es eine solche Einrichtung für das Gewissen aller Menschen gäbe … Beichten, gestehen, zugeben, offenbaren und zack! Kein schlechtes Gewissen mehr. Nur gibt es das nicht. Deshalb tu ich das für mich, vergeben und um Vergebung bitten, verzeihen und um Verzeihung bitten. Schlimm genug, daß mir nichts einfällt, was ich jetzt noch nachholen kann.

 

Gehört Vergeben und Verzeihen zum Gedanken der Weihnacht dazu?

 

Euch allen wünsche ich eine Zeit voller glücklicher Momente.

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

 
Wer eine Gelegenheit sucht, zur Weihnachtszeit anderen zu helfen, der kann das täglich 24 Stunden lang bei der Versteigerung von #hand2hand tun. Die Aktion ist eine gute Idee von Meg, ihr und allen Mitwirkenden danke ich dafür.

 

Der Emil

P.S.: Das Gute am 20.12.2017 waren das endlich erhaltene Paket, die Dreiviertelschicht im Radio, etwas mehr Seelenfrieden am Abend.
 
Die Tageskarte für heute ist die Drei der Stäbe.

© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu (2017: 355) Das 21. Türchen

  1. Die Beichte gibt es auch in der evangelischen Kirche. Nachdem man sich in der Beichte seiner Sünden bewusst wurde und sie bekannt hat, bekommt man von der Pfarrerin oder vom Pfarrer versichert, dass Gott diese Sünden vergibt. In der Agende der lutherischen Kirchen ist der Wortlaut zum Beispiel:

    Du sollst gewiss sein, dass die Vergebung, die ich dir zuspreche, Gottes Vergebung ist.
    Und ich, auf Befehl unseres Heran Jesus Christus, vergebe dir deine Sünden im Namen + des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
    Der Befehl Jesu, auf den hier Bezug genommen wird, leitet sich aus der Stelle im Mathäus-Evangelium her, in der Jesus seinen Jüngern zuspricht, dass sie die Vollmacht haben, in Gottes Namen, Sünden zu vergeben:

    Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein.

    • Der Emil sagt:

      Natürlich kenne ich die Beichte im Evangelisch-Lutherischen Gottesdienst, sogar die im Seelsorgegespräch. Und auch die Lossprechungsformeln kenne ich — und doch ist in meinem Kopf da dieses „Katholiken sind da besser dran“ zugange.

      Selbst zu verzeihen und zu vergeben: Das war schwer, dieses Können aus der Kinderzeit wieder zu erlernen, wieder zuzulassen, vor allem mir selbst zu verzeihen und zu vergeben …

  2. Es gibt so Viele die am Jahresende resümieren. Habe ich irgendwie noch nie gemacht. Auch die guten Vorsätze am Jahresanfang liegen mir fern. Warum? Ich weiß es nicht. Mmmhh…..

    Es klappt übrigens wieder, du erscheinst im Reader.

    • Der Emil sagt:

      Bei mir gehört das nicht zum Jahresende, aber eben doch zur Weihnachtszeit (und die steht ja am Anfang des Kirchenjahres!), schon lange. Und ich schaue nicht nur jetzt zurück auf das, was war.

      Es ist eine individuelle Sache mit der Rückschau und den Vorsätzen. Niemand ist dazu gezwungen. Aber vielleicht, vielleicht kommt das trotzdem bei vielen Menschen mit dem Alter?

  3. Anna-Lena sagt:

    Vergeben und verzeihen ist ein 365-Tage-Anliegen und sollte nicht auf Weihnachten beschränkt sein.
    „Deshalb tu ich das für mich, vergeben und um Vergebung bitten, verzeihen und um Verzeihung bitten. “
    So handhabe ich das auch als Katholikin, die schon Jahrzehnte keinen Beichtstuhl von innen gesehen hat … 🙂

    • Der Emil sagt:

      Vielleicht habe ich es mißverstehbar geschrieben: Beides ist nicht auf Weihnachten beschränkt. Aber da ich in dieser Zeit deutlicher auf mich achte, fällt es mir auch deutlicher auf, daß ich es tu.

      (Diese Erfahrung der katholischen Beichte allerdings, die würde ich doch zu gern einmal machen …)

      • Anna-Lena sagt:

        Das habe ich auch nicht als Beschränkung verstanden 🙂 .

        Gehe doch einfach mal in eine katholische Beichte, wer sollte dir das verbieten? Steht es dir auf der Stirn geschrieben, dass du evangelisch bist?

        • Der Emil sagt:

          Das ist … also das ist nicht so einfach, das ist wie: Gott betrügen wollen …

          • Anna-Lena sagt:

            Ist es das?
            Hat Gott zu verantworten, dass es katholisch und evangelisch gibt? Ich habe immer so gehandelt, wie ich es meinem Gewissen gegenüber verantworten kann.

            • Der Emil sagt:

              Das ist es: mein Gewissen. Ich müßte zumindest dem Priester gegenüber unehrlich sein . Und würde wegen meiner Unkenntnis des Rituals mich selbst mindestens unwohl fühlen …

              • Anna-Lena sagt:

                Weißt du, in meiner Gemeinde und unserer Kirche (unsere Pfarrei wird von Mönchen geleitet, es ist sogar eine Klosterkirche) gibt es gar keinen Beichtstuhl, sondern ein Gesprächszimmer.
                Und ich weiß, dass keiner der beiden Patres einem ‚Andersgläubigen‘ ein Beichtgespräche verwehren würde. Aber ich weiß auch, dass nicht alle kirchlichen Würdenträger so offen sind.
                Aber es wäre zumindest einen Versuch wert … 🙂 .


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        • Finde auch auch nicht gut. Ich bin Ev. der Rest meiner Familie RK. Trotzdem würde ich nie zur Beichte gehen oder das heilige Abendmahl empfangen. Ich finde das gehört sich nicht.

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          • Anna-Lena sagt:

            Wir haben in unserer Gemeinde auch evangelische Christen, die mit ihren kath. Partnern jeden Sonntag in den Gottesdienst kommen. Ich meine, jeder sollte so leben und handeln, wie sein/ihr Gewissen das erlaubt.
            Dass sich aber so etwas nicht gehört, das finde ich nicht.

            • Ich bin zwar nicht so gläubig aber ich halte mich an die Regeln. Der Papst hat das heilige Abendmahl für anders Gläubige nicht freigegeben und daran halte ich mich.
              Jeder so wir er es mit sich vereinbaren kann.

          • Anna-Lena sagt:

            Ich war auch schon beim Abendmahl in einer evangelischen Kirche – das hatte ich noch vergessen …

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