28 Jahre (2017: 312)

Am heutigen Tag.

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Vor 28 Jahren stand bei mir noch immer eine brennende Kerze im Fenster in der Hausmeisterwohnung unter dem Dach der POS im Dorf mit dem berühmten Hammer, war ich noch immer einer mit dem Schild “Bleibet im Lande und wehret euch täglich” im Auto und am Arbeitsplatz 108 Stufen tiefer. Vor 28 Jahren war ich schon die eine oder andere Montagsdemo in Annaberg-Buchholz mitgegangen. Vor 28 Jahren gab es zwar noch nicht den Aufruf: Für unser Land, doch ich wußte schon, daß es ein Neues Forum gab und sympathsierte mit den Menschen, die sich dazu bekannten. Vor 28 Jahren glaubte ich nicht, daß am nächsten Tag der Untergang meines Heimatlandes beginnen (und vollendet werden) würde. Vor 28 Jahren war ich 26 Jahre alt, aus der SED Ausgetretener, Hausmeister und Heizer, der im Winter täglich eine knappe Tonne Rohbraunkohle in den GK 61 (Gliederkessel aus Gußeisen, Heizungskessel) schaufelte, natürlich mit der Hand. Vor 28 Jahren hofften noch viele, daß wir das Land menschlicher zu gestalten in der Lage wären. Vor 28 Jahren war ich Abonnent der Tageszeitung “Der Morgen”, in der seit ein paar Wochen wirklich interessante Neuigkeiten zu lesen waren. Vor 28 Jahren dauerte es nur noch etwa eine Woche, bis die ersten Unersättlichen “Wir sind ein Volk” statt “Wir sind DAS Volk” riefen (wenn ich mich recht erinnere und dem WWW Glauben schenke: am 13.11.1989 in Leipzig).

 

Ja, ich hätte gern vieles von meinen Gefühlen, Hoffnungen, Sicherheiten, Zuversichten, Lebensbedingungen zurück, die ich vor 28 Jahren hatte.

 

Vor allem die Hoffnung, die Zuversicht und dieses Gefühl von “Jetzt ist was machbar.”

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 08.11.2017 waren digitalisierte Musikkassetten, aufgeschriebene Erinnerungen, eine Vereinsversammlung.
 
Die Tageskarte für morgen ist III – Die Herrscherin.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in near everything. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Antworten zu 28 Jahre (2017: 312)

  1. uwe sagt:

    http://www.taz.de/!5458529/

    Zu deinem Blogeintrag passend ein Artikel vom letzten Wochenende aus der taz !

    • Der Emil sagt:

      Das stimmt.

      Die DDR_Bürger, die „nur“ eine andere DDR wollten (am Anfang waren es nur diese Menschen, die zB auf die Straße gingen), spielen in der Öffentlichkeit keine Rolle mehr — nur die DDR-Bürger, die (etwas später) „ein Deutschland“ wollten, spielen im Kanon der Deutungshohheit noch eine Nebenrolle neben den Leistungen der (west-) deutschen Politiker …

  2. Willkommen auf dem Boden der Tatsachen.


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  3. Gudrun sagt:

    Der Tag in Leipzig, den du beschreibst, war der Tag, an dem meine Hoffnung brach. Der Abend endete für mich in Tränen, denn es ging jetzt alles in eine Richtung, die ich nicht wollte. Meine Freundin sagte dann am Abend: „Lieber ein bisschen Westgeld als gar keins.“ So ist es ja dann ja auch gekommen.
    Hoffnung? Davon habe ich jetzt wieder ein bisschen mehr. Mir reicht es nicht zu warten, dass andere etwas tun. Ich denke, ich habe etwas für mich gefunden.

  4. Herr Ärmel sagt:

    „…bis die ersten Unersättlichen “Wir sind ein Volk” statt “Wir sind DAS Volk” riefen..“ Ich erinnere mich noch an Rufe, die sich in etwa so anhörten : „kommt die Westmark nicht zu uns, werden wir zu ihr kommen…“
    Ich habe tagelang vor dem TV gesessen mit feuchten Augen und garnicht richtig verstanden, welche Prozesse sich da entwickelten.
    Und vor allem habe ich bis heute nicht so ganz verstanden, wieso die Menschen nach dem Mauerfall mehrheitlich ausgerechnet die Partei gewählt haben, die ihnen dann rasch mal gezeigt hat, was Vetternwirtschaft und Raffgiermentalität im real existierenden Kapitalismus eigentlich bedeutet.

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