Was bei vielen Menschen eins ist, sind bei mir ziemlich unterschiedliche Systeme.
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Ich habe vom Mecklenburger Großvater geträumt, vom Vater meines Vaters. Wie er mir in seinem Schuppen etwas beibrachte: Reifenflicken fürs Fahrrad. Und wie ich mit ihm zusammen im Imkerschuppen Bienen zum offenen Spalt im Fenster geschoben habe, mit bloßen Händen. Wie wir die Waben aus den Beuten nahmen und dann in der handgekurbelten Schleuder den Honig ernteten, gewannen.
Seither habe ich sein Gesicht, seine Mütze und seine Gestalt vor Augen. Auch tagsüber taucht er immer wieder auf. Nur: Seine Stimme, die bleibt in der Dämmerung des Vergessens verborgen. An die der Oma erinnere ich mich noch (gut, die lebte auch länger; doch die Stimme vom anderen, viel früher gestorbenen Opa hab ich doch auch noch im Kopf?), nur an seine eben nicht.
Ich höre jetzt auf, nach dieser Stimme zu suchen. Irgendwann wird sie wieder auftauchen, da bin ich sicher. Denn ich weiß, daß er gerne mit mir, mit uns, mit seinen Enkeln gesprochen und gelacht hat. Das habe ich weder vergessen noch verklärt. Der kleine, schmächtige Mann, der selten ausruhen konnte und wollte, der eines Tages ein Schwein auf den Hänger des Schlachters schob (und danach trotz Bad tagelang nach dessen Angstschiß roch), der ohne Tiere nicht leben konnte: Wenn es schwierig wurde, nahm er seine Mütze ab (eine ähnliche besitze ich heute), strich sich mit der Rechten über seine stoppelkurzen, grauen Haare. Setzte er die Mütze wieder auf, hatte er auch eine Lösung für sein Problm gefunden. Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, das Rasiermesser, das in meinem Schrank liegt, war seines, das er oft an einem ledernen Gürtel abzog, vor jeder Rasur, denke ich.
Meine Erinnerungen an mein Leben aufzuschreiben wird mir immer wichtiger. Und die Angst, mein Leben nicht von meiner Geschichte unterscheiden zu können, schwindet langsam. (Leben: alles, auch das, was die Ausweisperson erlebt; Geschichte: was ich als Der Emil zu meinen Erlebnissen gemacht habe).
Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.
P.S.: Das Gute am 21.10.2017 waren zwei große blaue Säcke voller aussortierter Bekleidung, verbesserte Unterscheidbarkeit, die Eröffnung von Nicht mehr. Noch nicht.
Die Tageskarte für morgen ist 0 – Der Narr.
© 2017 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Diese Unterscheidung zu machen, reizt mich irgendwie….
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Oh. Hätte ich mich damals nicht neu erfunden, wäre ich jetzt tot.
So bin ich ich und eine Ausweisperson. Und das ist nicht immer einfach.
Meine beiden Grossvaeter habe ich nicht gekannt. Der Vater meines Vaters ist schon weit vor meiner Geburt gestorben, und an den Vater meiner Mutter habe ich – so glaube ich jedenfalls – eine ganz vage Erinnerung. „Kennen“ kann man das nicht nennen. Ich habe so ein ganz verschwommenes Bild von einem alten Man auf einem Bett in einer dunklen Ecke. Das koennte er gewesen sein. Das ist allerdings – da bin ich mir sicher, weil es mit Erinnerungen von mir spielend an der Spuele verbunden ist – in Grossmutters Kueche gewesen, und ich bin mir gar nicht sicher, ob es da in einr Ecke des Raumes ein solches Bett gab. Inwieweit das also echte Erinnerung an ihn ist, das kann ich nicht beurteilen.
Ich kannte alle meine Großeltern († 1972, 1976, 1979, 1985) und von einer Oma sogar alle Geschwister sowie alle Geschwister meiner Eltern (davon wohnten zwei im Westen!) und alle meine Basen und Vettern — und ja, das scheint ein Privileg zu sein.
Ich habe im Frühjahr ein paar Photos (6×9 cm) bekommen, da waren auch Bilder von Oma und Opa dabei …
Ich erinnere mich nur an meine Grossmutter muetterlicherseits, die 1956 gestorben ist. Meine Grossmutter vaeterlicherseits ist auch schon vor meiner Geburt verstorben.
Meine Kindheit wäre ohne die vier Großeltern viel, viel ärmer gewesen. Aber das erkannte ich auch erst weit nach ihrem Tod.
Ach, die Welt ist schon …
Sie ist es!
Da hast du wirklich Glück gehabt, all die Verwandten gut gekannt zu haben. Das ist nicht selbstverständlich.
Damals war es wohl noch normal auf den Dörfern (ich bin 1963 geboren) — zumindest in der DDR …
Den Zusammenhalt gab es nur bis meine Oma (Väterlicherseits) verstorben ist. Da war ich noch Jugendliche, danach hat sich die große Familie auseinander gelebt. Mein Vater hatte 8 Geschwister.