Wärmewirkung (2017: 152)

Zum Glück arbeite ich nicht mit lebendem Material.

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Diese Hitze. Himmelherrgottnochmal. Mir zerläuft das Hirn, jeder Gedanke an Bewegung – noch dazu draußen in der Sonne – verursacht Schweißausbrüche. Ich trinke mehr als gut wäre (alkoholfrei, aber irgendwas zwischen vier und zehn Liter am Tag), habe keinen Appetit und bin ziemlich genervt, pissig gar. Müde macht mich die Hitze auch. Und so hänge ich vor meiner Arbeit wie eine Schüssel weichgekochte Birnen bei Neunzig in ’ner Linkskurve. Die Augen wollen nicht offenbleiben, der Kopf neigt sich nach vorn, zu Seite, nach vorn, nach hinten – ihn abzustützen mit der Hand würde einen ekligen Schweißfilm zwischen Hand und Kopf entstehen lassen. Monotone Klänge tun ihr übriges. Zuhause hätte ich mindestens eine Ventilator angeschaltet, die Füße in einer Schüssel mit Wasser, feuchte Laken vor die Fenster gehängt. Doch ich bin nicht zuhause. Ich sitze in einem kleinen Büro am Schreibtisch, suche nach Metadaten von digitalen Audiodateien, ergänze sie, benenne Dateien um, korrigiere den immer wieder auftretenden Fehler, daß anstelle eines Apostrophes ein Akzentzeichen in Dateinamen verwendet wird (was in gemischten Betriebssystemumgebungen zu Irritationen führen kann und oft führt), korrigiere andere orthographische Fehler, versuche entsprechende Musikgenres zuzuordnen. Derweil wird eine Musikkassette digitalisiert, leider geht das nur in der originalen Abspielzeit und ist damit echt zeitraubend.

Nebenbei werden die digital bemusterten Alben heruntergeladen. Singles bleiben außen vor, auch Maxisingles. Doch jeder einzelne Link muß im Browser überprüft werden, ob er oder ob er nicht zum Sender paßt und mindestens eine EP ist. Das geschieht alles irgendwie gleichzeitig. Ja, manchmal komme ich so in den Genuß, neue und gute Musik bereits vor dem Verkaufsstart zu hören, manchmal bringe ich auch den einen oder anderen Musiktip bei den Macherinnen der tagesaktuellen Sendungen unter; und ab und an bastele ich aus der digitalen Bemusterung zwei oder drei Stunden Nachtmusik. Das alles macht Spaß, ja. Doch nicht in dieser Hitze. Nach sechs Stunden ist Konzentration nicht mehr möglich, beginne ich, eklatante Fehler zu machen. Da trage ich das Musikgenre als Albumtitel ein und das Erscheinungsjahr beim Kommentar – zum Glück bemerke ich den Fehler noch vorm Speichern der Änderungen. Das letzte heute bearbeitet neue Album war ein Sampler, auf dem ein Musikverlag eine Vorschau auf die im Sommer erscheinenden CDs gibt: Im Titelfeld ist auch der Interpret eingetragen, der Interpret heißt im dafür vorgesehenen Metadatenfeld “various artists”, beim Genre steht der Name des Labels, und alles, wirklich alles ist kleingeschrieben. Gut, einiges nimmt mir das von mir genutzte Programm an Arbeit ab, mit ihm kann ich bei allen Dateien eines Albums gleichzeitig Manipulationen an den Metadaten vornehmen, aber die wollen sehr gut überlegt sein. Sonst sind solche Daten auch einfach mal weg. Bei diesem Sampler geschah mir das heute. Ein Tippfehler, und alle Lieder hießen nur noch Tracknummer – Albumtitel – Künstler. Die Metadaten und die heruntergeladene gepackte Datei waren natürlich schon gelöscht.

Ich hab den Download wiederholt und mir die gar nicht einmal so schlechte Musik auf dem Heimweg angehört. Die Datenoperationen muß ich morgen wiederholen. Und dann kommen morgen wieder etwa 25 korrigierte oder neue Alben ins Musikarchiv. Arbeite ich in dieser Geschwindigkeit weiter, dann werde ich nie damit fertig: Die Anzahl der Neuzugänge überschreitet die Anzahl der fertig bearbeiteten Alben. Also muß ich einen Zahn zulegen oder strenger aussortieren. Aussortieren. Ich … Ach, es ist mir für solche Arbeit eingentlich viel zu warm.

 

Ach, wer mag, darf gerne mal versuchen …

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Das Gute am 01.06.2017 waren ein paar geschaffte Alben, ein Plausch, eine wilde Hoffnung.
 
Die Tageskarte für morgen ist XVI – Der Turm.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Wärmewirkung (2017: 152)

  1. Ulli sagt:

    da bin ich froh zu lesen, dass nicht nur mir bei Hitze das Hirn erweicht! Ich genieße es gerade sehr, dass es heftig gewittert hat und das Thermometer wieder auf NormalAnfangJuni steht …
    herzlichst
    Ulli


    https://polldaddy.com/js/rating/rating.js

  2. Laut meinem Wetterdingens auf dem Handy kommt ab morgen erst mal der große Regen.
    Das kann sich zwar ändern – aber so ein Funken Hoffnung hilft auch schon mal weiter. 🙂

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