Nº 254(2016): Herzgedicht.

Mir aus dem Herzen geschrieben

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Herz

Gerd Eggers

Als ich mein Herz noch auf der Zunge trug
und immer sagte, was ich dachte,
da kam es vor, daß man mich dafür schlug:
es schlug zurück und heulte auf und lachte.

Ich hab mein Herz verschluckt. Jetzt ist es da,
wo es die Ärzte haben wollten,
ist mehr dem Magen als den Augen nah,
durch die doch unsre Herzen sehen sollten.

Jetzt ist es blind und schlägt für sich allein,
mein Herz, es schlägt mir auf den Magen.
Ich möcht‘, die Ärzte mögen mir verzeihn,
ich möcht‘ es wieder auf der Zunge tragen.

TEMPERAMENTE. Blätter für junge Literatur 3/1988, S. 28f.
© Verlag Neues Leben 1080 Berlin, DDR. ISBN 3-355-00754-4

 

 

Ein gutes Dutzend dieser Magazine fand ich vor einiger Zeit in der Büchertauschzelle. Nach und nach lese ich darinnen, häppchenweise. Erinnere mich an die Zeit zurück, die Zeit nach meinem Austritt aus der SED zu Silvester 1987/1988. An die Zeit des Umbruchs, der Verantwortung, der Mitgestaltungsmöglichkeiten, der echten Freiheit (ohne die Sklaverei von Konsum und ALG II). Ich weiß nicht, ob es heutzutage noch ähnliche Publikationen gibt.

 

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

Der Emil

P.S.: Positiv am 9. September 2016 waren Schlaf, selbstgekochter Möhreneintopf, eine neue Schutzhülle, Schlaf, ein geschenktes Bier, Schlaf.
 
Tageskarte 2016-09-10: Die Neun der Schwerter.


Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Nº 254(2016): Herzgedicht.

  1. Sofasophia sagt:

    An guten Schlaf kommt nix ran.

  2. wildgans sagt:

    Ach, Emil, was du schreibst, macht dich mir so sympathisch, allein das Bild mit der Konsumsklaverei!

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