Skizziert (149/216)

Kopfinhalt, ausgeplaudert

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Ich liebe Romane. Solche, in denen alles bis ins winzigste Detail beschrieben ist. Ich liebe Gemälde, fotorealistische Zeichnungen – wie sie z. B. Stephen Wiltshire, ein sehr bekannter Savant, erschafft. Wenn ich einen Menschen nach bestimmten Dingen frage, so wünsche ich mir auch Antworten, die mir bis hin zum unwichtigsten, kleinsten und unbedeutendsten Moment alles über das Gefragte verdeutlichen. Kurzum: Ich bin Einer, der alles ganz genau wissen möchte.

Und dann, sozusagen auf der anderen Seite, schreibe ich selbst oft nur Skizzen. Texte, deren übergroßer Teil sich nur im Kopf abspielt; weder schreibe ich den auf, noch kann ihn die Leserin oder der Leser wirklich lesen, denn die Geschichte um die Skizze herum entsteht erst in ihrem Kopf. Ich beschreibe dem Kleinen Prinzen also das Schaf, das der Pilot ihm einst zeichnete … Und: Ich selbst mag auch genau solche Texte, solche Anfänge, solche hingeworfenen Seitenblicke. Ich habe ja selbst Unmengen davon in meinem Hirn, so viele, daß ich mit dem Aufschreiben nicht nachkomme. (Manche von den trotzdem notierten kann ich hier aber nicht zeigen – sie gehören zu einem anderen Ich, zu einem anderen meiner Avatare [oder “nur” einem anderen Teil von mir?]. Bei dieser ziemlich strengen Teilung/Trennung nöchte ich bleiben, damit fühle ich mich einfach sicherer.)

Außerdem gefallen mir auch, wie ich erst gestern wieder zeigte, Skizzen, also Zeichnungen einfachster Art (nein, nicht einfach, nur einfach scheinend, aber extrem schwierig zu erstellen).

 

Und dann gibt es ja noch diese kleine schwarze Skizzen-Kladde. Genau, die, die ich mittlerweile überallhin mitschleppe. Und wenn ich träume, dann kann es geschehen, daß ich ein Straßenbahn-EKG aufzeichne (Führe den Stift in der fahrenden Straßenbahn sehr langsam diagonal über eine Seite und sieh dir die von der Unruhe des Gefährtes erzeugten Abweichungen von der Ideallinie an!), oder daß ich irgendwo herumsitze und etwas anderes vor mich hin strichele. Wie das hier, das gestern gedankenverloren am Eßtisch zuhause entstand.

 

Skizze

Gestricheltes
Eine Art “automatisches Schreiben in Linienform”.
(Kugelschreiber in Moleskine, Mai 2015)

 

Was es darstellen soll? Nun, das liegt wohl wie bei Hutze und Kand im Auge bzw. der Phantasie dessen, der sich darauf einläßt …

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 28. Mai 2015 waren das Ausschlafen, die Telefonate, die ausgetauschten Mitteilungen samt der befriedigten Neugier, die Skizzen, die Erinnerungen, der Weißkohlsalat, das Swing-Open-Air-Konzert.
 
Tageskarte 2015-05-29: 0 – Der Narr.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Skizziert (149/216)

  1. Sofasophia sagt:

    Würden wir alles outputen können, wie es sich J. manchmal wünscht, was wir immer grad denken, hätten wir keine Zeit mehr zum leben. Und wer würde das alles lesen, betrachten können?
    Und doch: Ich mag es, mir beim Denken, Spinnen und Kritzeln zuzuschauen. Dir auch. Dir und anderen. Auch ich mag Fragmente, die die Phantasie herauskitzeln und auch ich will manchmal alles genau wissen. Weil mich das Leben, weil mich die Menschen interessieren. Ich denke, da sind wir ähnlich … (zwillingshaft?).

  2. Pingback: Das Leben wie gedruckt | Sofasophien, Fallmaschen & Herzgespinste

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