Langmütig hoffe ich zu sein (31/334)

Ein Synonym zur Geduld beschäftigt mich

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Langmut: Gemütsruhe, große Geduld, Nachsicht, Ausdauer, Gelassenheit, Abgeklärtheit, Toleranz, Milde, Ruhe – all das sind Synonyme (zu finden z.B. im Wahrig Synonymwörterbuch). Der Duden nennt die Langmut eine “durch ruhiges, beherrschtes, nachsichtiges Ertragen oder Abwarten von etwas gekennzeichnete Verhaltensweise”.

Eine fast vergeßne Tugend scheint mir die Langmut (nicht, wie oft falsch zu sehen oder hören, der Langmut) zu sein, angesichts unserer „Sofort! Sofort!“-Gesellschaft. Ja, ich habe den Eindruck, daß all das, was nicht sofort (und überall) verfügbar ist, nicht mehr erstrebenswert zu sein scheint. Warten ist etwas, das nervt, überflüssige Zeitverschwendung ist. Ich weiß nicht, wie oft ich schon fluchte über ein Warten. Aber ich weiß, daß Warten auch Vorfreude bedeutet, Spannung, notwendige Zeit zur Vorbereitung zu haben.

Ungeduldig sind die Menschen geworden, sogar ich bin es oft. Geduld war auch eine Tugend. Zuwarten zu können. Warten ist sinnlos, langes Warten gleich gar. Warten über einen selbstgesetzten Zeitpunkt hinaus erst recht. Und immer dann, wenn wir in das Zeitgefüge eines anderen Menschen, einer Behörde oder eines Unternehmens eingebunden werden müssen, und unser eigenes Zeitgefüge mit dem anderen in Konflikt kommt, dann wird das ohnmächtige Warten ganz besonders schlimm (siehe Jobcenter, Warteraum vorm Operations-/Kreißsaal, Schlange in der Zulassungsbehörde etc.).

Ich habe mir – wie vorgestern versprochen – das erste Schrankbuch vorgenommen und es zu lesen begonnen. Für den Anfang wählte ich natürlich etwas Leichtes, Spielerisches: Vorn auf dem Buch ist sogar ein Spiel! So ein Geduldsspiel, in dem man drei kleine Stahlkügelchen in Löcher in der Pappe versenken muß …

Das Buch heißt “Geduld ist alles” und wurde von Christa Wißkirchen verfaßt. Darin sind viele bekannte Zitate zu Geduld zu finden; einige interessante Denkanstöße allerdings kannte ich noch nicht. Klar, wer kennt schon alles? Dieses Buch hat mir jetzt einmal mehr klargemacht: Langmütig möchte ich gern sein, viel öfter als jetzt. Denn dazu gehört neben der Geduld auch Gelassenheit, Zuversicht, Nachsicht, Gewißheit, Mut … Langmut ist für mich eben ungleich viel mehr als Geduld – für euch auch? Oder kennt ihr das Wort vielleicht garnicht (mehr)?

Ja, und ein paar Worte daraus kann ich mir nicht verkneifen:

 

 

Geduld meint Wartenkönnen auf ein Ereignis, meint unbeirrtes Weiterverfolgen eines Plans, meint Reifenlassen einer Entwicklung.

Geduld hat nichts mit Faulheit, Lethargie oder interesselosem Gewährenlassen zu tun. Geduld ist engagiert. Geduld ist eine Strategie. Der lange Atem, den Dingen ihre Zeit zu lassen, ist ihre Devise.

Die Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zur Unterordnung des eigenen Willens unter die Gegebenheiten einer unbekannten, nicht von vornherein berechenbaren Eigendynamik der Dinge und Verhältnisse.

Christa Wißkirchen: Geduld ist alles. Unterhaltsames und Wissenswertes
für Geduldige und Ungeduldige. S. 10
© 2003 Coppenrath Verlag, München. ISBN 3-8157-2629-8

 

 

Das alles ist Geduld. Und ich? Ich will mehr als Geduld haben: Ich möchte, ich hoffe die Langmut zu besitzen, dort weiterzuwarten/-arbeiten/-hoffen, wo die Ungeduld bereits kräftig an die Türe hämmern und den Blutdruck weit nach oben treiben würde.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 30. Januar 2015 waren eine geschaffte Naht und das Gefühl, daß sich endlich etwas bewegt.
 
Tageskarte 2015-01-31: XIX – Die Sonne.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Langmütig hoffe ich zu sein (31/334)

  1. Karl sagt:

    Ich würde gern Gelâzenheit erlangen.

  2. sweetkoffie sagt:

    Je älter ich werde, umso geduldiger und gelassener werde ich. Das tut gut.
    LG sk

  3. Arabella sagt:

    Geduld …ich bemühe mich…immer wieder neu

  4. wildgans sagt:

    „Langmut“ – das kenne ich wohl. Ein schönes Wort! Klingt für mich nach edlem Silber. Ober nach einem langsamen Spaziergang im Schnee. Oder nach Gedichten von Eichendorff, Mörike und so.

    • Der Emil sagt:

      Ja! JA!Und nochmals JA! Silber, Schnee, Eichendorff (hier in der Stadt hat’s eine Eichendorff-Bank hoch über dem Ufer der Saale), Mörike, Novalis. Danke, wildgans.

  5. Gabi sagt:

    Geduld? Hab ich immer weniger, je älter ich werde. Dabei dachte ich, dass das Gegenteil der Fall sein würde.
    LG Gabi

  6. Ich hatte unlängst für mich festgestellt, dass Ungeduld auch mangelndes Vertrauen heißt. Darin, das es eine richtige Zeit gibt für Dinge, sich zu entwickeln. Und auch mangelndes Vertrauen in die Fähigkeiten anderer – nicht zuletzt beim Warten an Supermarktkassen. Es fällt mir noch schwer, aber ich versuche, Warten positiv zu nutzen. Zum Beobachten, und Nachdenken. Oder zum Entspannen und Atmen.

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