Wozu ein Nilpferd mich treibt
To get a Google translation use this link.
Mit dem “Nilpferd” habe ich begonnen. Gut, so ganz nebenbei lesen wie Marion Zimmer Bradleys Bücher läßt es sich nicht, dazu ist der Stoff dann doch zu nah am täglichen Erleben bzw. an der täglichen Realität anderer Menschen. Und es beginnt mit der Patentochter, der die Ärzte sagen, daß sie sterben muß – sie aber ist davon nicht (mehr) überzeugt. Sie nämlich hält sich für gerettet … Der Protagonist ist – war – Schriftsteller, Theaterkritiker, Journalist. Schreibender zumindest. Und der wird auf seine Aufgabe nicht vorbereitet. Nur Geld erhält er, 100,000.– £ im Voraus. Und da ist das Versprechen, bei Ablieferung dessen, von dem er nicht wirklich weiß, was es sein soll, oder beim doch eintretenden Tod der Patentochter weitere 150,000.– £ zu erhalten.
An diesem Punkt – ehrlich gesagt, erst zehn Seiten später, hub meine Phantasiemaschinerie an zu rotieren. Für eine ganze Weile wäre der Schreibende bar aller materieller Sorgen (wenn da nicht viele Schulden wären, die vorm Leben bezahlt werden wollten). Wie wirkte sich eine solche Sorglosigkeit aus? Zwei mögliche Folgen sehe ich sofort:
a) Sorgenfrei kann und wird sich seine Kreaivität entfalten, weil er sich auf das Schaffen konzentrieren kann, im genau richtigen Maße.
b) Mit den Sorgen verschwindet der Antrieb zum Schreiben, verschwinden die Anstöße, die Auslöser; es fehlen die umzusetzenden Ideen.
Es bliebe die Notwendigkeit der Disziplin beim Schaffen. Und ich gestehe: Genau diese habe ich in den letzten Wochen wiedereinmal vernachlässigt, nicht eingehalten. Ich selbst sehe es meinem Texten an. Und ich sehe es den papiernen Häuflein an, die sich mangels freier Tischfläche über meinem Fußboden ausbreiten. Ja, ich weiß, es gibt Ordner — aber darinnen bleibt verhüllt, was darinnen ist, bis ich den Ordner nehme und aufschlage. Auf dem Fußboden stolpere ich darüber, erkenne ich, was da liegt. Es müßte ein Ordnungssystem geben, das die Vorteile der Haufenbildung mit denen der Ordnerheftung verbindet, ohne den zusätzlichen Aufwand der exakten Inhaltsangaben zu erforden. Also neben der Disziplin ist auch Ordnung notwendig. Schwierig bei einem so sprunghaften Kreierer wie mir, der ich heute an diesem und morgen an jenem herumschreibe. Der ich viele Anfänge habe, die ich nach einer Unterbrechung nicht mehr so einfach weiterschreiben kann. Dessen liebste Schreibart die “in einem Zuge” ist. Seit Jahren und Jahrzehnten. Kann ich die andere Arbeitsweise tatsächlich lernen, mich an den Zwang der Fortsetzung gewöhnen, ich, der ich gerade beim Schreiben nur selten Zwang aushalten kann? Wie macht mensch das? Wie nur? Ist der Gedankenfaden einmal zerrissen, zerschnitten, dann bin ich nicht fähig, die beiden Enden zusammenzuspleißen, damit kein böser, böser Riesenknoten bleibt.
Von daher denke ich zwar oft über Essays, Feuilltons, Erzählungen, Novellen, Romane und ganze Sammlungen davon nach. Über einen Roman rückwärts. Über die Welt von Lind Kernig. Elim. Den alten Mann. Peterchen. Den Patienten. Über die tote Mutter von Mai/Juni 2014. Über Christoph und Katharina. Und an anderer Stelle über D.E. und F.M., über Klinik und Arbeit und Amt und Geld und Schulden und Schuld und Narben und Frauen und Männer und Kinder und Eltern und Schuhe und und und … Doch dann ist da immer wieder die Angst vor dem unheilbaren Bruch, dem Zerriß, der Fließhemmung. Denken —> Text(-faden, Exposé) —> Angst —> Schreibhemmung. Ich beobachte das seit Jahren. Es nervt, es hemmt, es macht mich klein und ärgerlich. Ich will etwas dagegen tun. Und so werde ich mich wohl doch irgendwo in eine Schreibwerkstatt begeben müssen, um den einen oder anderen Kniff zu erlernen.
Kein Vorsatz. Eine Möglichkeit. Eine Ahnung eines Planes.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 6. Januar 2015 war die neue 500GB-Festplatte.
Tageskarte 2015-01-07: Die Königin der Stäbe.
P.P.S.: Es ist die Zeit, über Schreiberei zu lesen, zu sinnierem und zu schreiben, scheint mir. Siehe nach bei Wildgans und bei Mützenfalterin. Und jetzt, jetzt geh ich auch fortlaufend lesen.
© 2015 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


Was ich vom Liebsten am Lernen bin: Viele Knoten sind einfach vor allem in unserem Kopf, in unserer Denke über uns selbst.
Das ist natürlich die Reduktion von Programm & Konditionierung.
Ich zweifle keine Sekunde daran, dass du die Fortsetzung kannst. Aber da ist dieser Graben zwischen Anfang und Fortsetzung und den kannst du noch nicht überwinden. Weil du glaubst, dass du es nicht kannst. Weil es bisher so war. Das ist der Kopf. Siehe oben in meinem Kommentar.
Was in Schreibwerkstätten gesagt wird, ist auch nichts anderes als: Probieren. Möglich, dass es Werkzeuge gibt, aber letztlich bist es doch einfach nur du, nackt und ohne Dinge außer deiner Kladde und einem Stift und der Überzeugung, dass der zweite Teil (und der 3., 4. 5. …) nur von dir geschrieben werden kann. Und dann – dann gehts. Versprochen!
Weil du es willst. Und weil du es tust.
Sagt das Schreiborakel von Helvetia.
Bisher aber funktionierte das nicht (okay, in Ausnahmefällen, wenn es nicht kontinuierlich sein muß), da Fortsetzungschreiben.
Das ist immer wieder frustrierend!
ein guter Plan!
Ja, denn irgendwas muß da passieren.
ja unbedingt, Emil, du KANNST schreiben, du hast Fans und wir alle stehen hinter dir!
Ups.
du darfst das nehmen, dich darin sonnen und Mut daraus schöpfen 😉
Lieber Emil, immer wieder treibt mich die Frage um, warum man etwas mit Verbissenheit tut, auch wenn es nicht gleich und sofort den Erfolg haben kann, den man sich vielleicht erwartet. Du hattest gestern schon einen recht interessanten Text veröffentlicht.
Vielleicht ist es bei dir das Bewusstsein, das zu machen, was du besonders gut kannst. Jaja, schreiben kannst du, und zwar richtig gut. Vielleicht ist es auch das Streben nach Anerkennung (ich meine nicht nur finanzielle), welches uns Menschen eigen ist, und die so vielen hier in der Region versagt bleibt. Im stillen Kämmerlein bekommt man sie selten.
Dass du gut schreiben kannst, das haben dir deine Leser hier schon oft bestätigt. Jetzt fehlt eigentlich eine Riesenportion Mut, für sich und sein Werk in aller Öffentlichkeit zu kämpfen. Ich glaube, dann schreibt sich auch der längste Roman.
Und vielleicht sollte man über ganz andere Wege nachdenken, alles öffentlich zu machen. Ich könnte mir durchaus eine Lesung auf meiner Kräuterwiese in Leipzig vorstellen, zu der auch noch jeder sein Sitzkissen oder seinen Hocker mitbringen muss.
Naja, ich bin halt ein Spinner.
Mutmachende Grüße von nebenan
Ach, ich bin mittlerweile vermessen genug, meins im Buchfink vorzulesen, auch über poetry slams denke ich schon eine Weile nach.
Es fehlt tatsächlich das Quentchen Mut …
HIer eine kleine feine Polemik zum Thema Schreibkurse usw.:
http://stadteinsiedler.wordpress.com/2014/03/12/httpwww-badische-zeitung-deliteratur-1mit-dem-leipziger-stempel-auf-der-stirn-81779310-html/
Lieber Emil,
Buchfink ist gut, unbedingt weiter so, auch in den progressiven Überlegungen!
Nun, ich werde es versuchen.