Die ersten Absätze
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«József – nennen wir ihn József – fuhr weiter. Es kostete ihn etwa einen halben Kilometer und ein unmutiges Schulterzucken, bis er sich entschloß, den Jungen, der am Straßenrand gewinkt hatte, doch mitzunehmen. Der alte Fordmotor heulte im Rückwärtsgang ohrenbetäubend auf, wärend der Junge dem zurückrollenden Wagen glücklich gestikulierend entgegenlief.»
«In dem halbdunklen engen Zimmer liegt auf dem Fußboden, am Fenster, mein Vater, er ist weißgekleidet und ungewöhnlich lang; die Zehen seiner bloßen Füße sind sonderbar gespreizt, und auch die Finger an seinen gütigen Händen, die still auf der Brust ruhen, sind gekrümmt; schwärzliche Scheiben von Kupfermünzen verschließen die heiteren Augen, sein gutes Gesicht ist dunkel, und seine unschön gebleckten Zähne erschrecken mich.»
«Da kann man eigentlich noch nicht viel sagen, ein Tag ist kurz. Aber für dieses Mädchen, dessen Geschichte erzählt werden soll, ist er lang. Sie sieht sich wie einen Menschen, den man flüchtig gekannt hat: Das bist du also, das ist aus Dir geworden, achtzehn Jahre alt, du willst dein Leben nun selber bestimmen, und dieser Tag ist dein Anfang.»
Das sind die jeweils ersten Absätze aus drei Büchern. Als ich gestern mittag auf dem Weg zu meiner Schicht Sendedienst war, lagen die einfach so da. Leider fand sich in keinem ein Lesezeichen, das mich auf eventuell wichtige oder besonders schöne Stellen hingewiesen hätte.
Der erste Text stammt aus Tibor Dérys “Erdachter Report über ein amerikanisches Pop-Festival” (Verlag Volk und Welt Berlin, 1974). Aus Maxim Gorkis “Meine Kindheit” (Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1975, Gesammelte Werke in Einzelbänden Bd. 10) stammt das zweite Zitat. Und last, but not least ist der dritte Absatz zitiert aus “Gesucht wird die freundliche Welt” von Heinz Kruschel (Mitteldeutscher Verlag Halle-Leipzig, 1976).
Bücher, aus denen ich nicht vorlesen wollte im Buchfink gestern Abend, von denen ich dann aber doch nicht lassen konnte. Mit ihnen habe ich dann den Abend eröffnet, ehe ich aus weiteren gefundenen Büchern vortrug. Eine krude Mischung kam da zusammen – aber alles ist Literatur, die meiner Meinung nach lesenswert ist und nicht vergessen werden sollte.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 8. August 2014 waren die gefundenen Bücher (wieso eigentlich finde ich neuerdings so viele Bücher?), die stressige, aber gut gelaufene Schicht, der Buchfink, die netten Leute am Abend.
Tageskarte 2014-08-09: Das As der Stäbe.
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(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


und ich dachte schon, das seien neue geschichten-anfänge von dir.
die machen auf alle fälle neugierig!
Huch! Anfänge von mir … Boah.
(Das ist eine Krux für mich: Anfänge habe ich viele, aber wenn ich einmal aus dem Schreibfluß rausbin, komme ich nur selten wieder hinein — siehe meinen Prinz Hans.)
Dann schreib doch beim Prinzenmärchen mal das Ende und rolle alles von hinten auf.
Hab ich versucht — funktioniert leider nicht 🙁
Sehr unterschiedliche Anfänge, aber alle drei spannend.
Der Dery ist ein wahnsinniges, wahnwitziges Buch …
Wie ich es schon einmal schrieb, die Bücher finden Dich. 🙂
Ja, vielleicht. Aber warum? 😉
Leider haben Bücher keine Gefühle und können nicht denken. Ansonsten würde ich behaupten, sie wissen, dass Du sie magst, mit ihnen was anfangen kannst und sie gut behandelst. 🙂