Wieder Bücher

Ich kann nicht daran vorbeigehen

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Schrieb ich nicht vor wenigen Tagen erst “… ich kann so ein ausgesetztes Buch nicht einfach liegenlassen; das geht nicht, das tut dem Buch und mir doch weh”? Und glaubt mir, ich kann es wirklich nicht. Nein, an Büchern kann ich nicht achtlos vorbeigehen. Am Mittwochabend kam einer, der hier im Haus wohnt und alles mögliche sammelt, was sich zu Geld machen läßt (z. B. Altpapier, Altmetall, Pfandbehältnisse), mit einer übervollen Ladung auf seinem Fahrradanhänger heim. Obenauf lag ein vom Balkon im dritten Stock aus betrachtet gutaussehendes Damenfahrrad. Weil davon gerade eines benötigt oder gewünscht wird, fragte ich, ob ich mir dieses einmal genauer ansehen dürfte und ging dann nach unten.

Es ist mir schleierhaft, wo er all das Zeug herholt, das er tagtäglich einsammelt und anschleppt. Einen High-End-Video-Recorder, Computer, Telefone, Wäschetrockner (Gestell, nicht Maschine), Lampen. Zeitungen, Telefon- und andere Bücher (allerdings waren die meisten naß und damit unlesbar geworden). Und das Fahrrad glich eher eine Ruine, als ich es mir aus der Nähe besah: zerkratzt, angerostet, Bremsen und Schaltung benötigen dringend eine aufwändige Überholung – nein, das war nicht in dem Zustand, in dem ich es hätte haben wollen.

Aber unter den Büchern waren zwei, die mich regelrecht anleuchteten:

 

Buecherfunde

Ausgesetzte Bücher
Diesmal nicht von mir gefunden, aber von mir vorm Altpapier gerettet.

 

Beide waren trocken, beide sind gut erhalten, ohne Anstreichungen, ohne Eselsohren. Seit ich sie vorsichtig hier hochtrug, frage ich mich schon, wann ich sie lesen soll. Und ich frage mich auch, wo in meiner Wohnung denn noch Platz für weitere Bücher sein soll!? Ich muß wohl oder übel einige der mir in den letzten Jahren zugelaufenen Bücher selbst wieder freilassen. Aber wo? Bei “bookcrossing” war ich einmal angemeldet, aber die dort verwendete Mailadresse ist schon seit Jahren weg. Ich werde an diesen Account nicht mehr herankommen. Also lege ich sie so, wie ich sie fand, einfach in Wartebereichen von Krankenhäusern oder Behörden ab und hoffe, daß sie einen neuen Leser finden.

Wenn doch wenigstes in jedem zweiten gefundenen Buch so zwei bis drei Hundert- bis Fünfhunderteuroscheine als Lesezeichen drinwären!

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 10. Juli 2014 waren der ruhige Vormittag und eine geschaffte unruhige Schicht.
 
Tageskarte 2014-07-11: Der Ritter der Schwerter.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Wieder Bücher

  1. Amelie sagt:

    Guten Morgen Emil,
    dieses “… ich kann so ein ausgesetztes Buch nicht einfach liegenlassen; das geht nicht, das tut dem Buch und mir doch weh” kenne ich zur Genüge von meinem literaturbegeisterten Sohn. Er betrieb es zumindest einmal sehr intensiv und es gab über einige Jahre ständig „nur“ ein Geschenk, was er sich von mir wünschte: ein neues Bücherregal.
    Er fand darin auch nie einen Geldschein als Lesezeichen. Aber andere interessante Lesezeichen. Ich erinnere mich an ein sehr altes sw Foto einer wunderschönen Frau.
    Zu einem weiteren Gedanken von Dir, zugelaufene Bücher selbst wieder zu freilassen. Aber wo? Unlängst in Eisenach entdeckte ich im Hauseingang eines alten Hauses mitten in der Innenstadt in der wohlklingenden und sicher einmal prächtigen Goldschmiedestraße einen Büchertausch. Es waren Regalbretter angebracht, gefüllt mit Lesbarem. Und einer „Gebrauchsanleitung“: ein Buch nehmen, ein Buch hinterlassen. Im schönen Halle an der Saale gibt es solche Büchertauschecke ganz sicher auch. Aber wo?
    Lieben Gruß Amelie

    • Der Emil sagt:

      Ja, hier gab es mal einen Bücherschrank am Franckeplatz, vor den Franckeschen Stiftungen … In verschiedenen Kneipen liegen auch immer wieder Bücher. Ich werd sie ganz bestimmt wieder los, z. B. im Umsonstladen.

      Besondere Lesezeichen finden sich nur selten, und wenn, dann meist in alten Büchern. Geklöppeltes, Kleeblätter, Stiefmütterchen, Kalenderblätter. Und manchmal habe ich dann so „Vorstellungen“, „Ideeen“ … 😉

  2. Elvira sagt:

    Du kannst Wünsche haben! Manchmal finden sich einfach „nur“ wunderbare Wortschöpfungen, die uns glücklich machen. In einem Café hier liegen immer Bücher zum Tausch aus. Vielleicht findest Du so etwas in Deiner Nähe?

    • Der Emil sagt:

      Wünschen ist doch erlaubt …

      Wenn der Trennungsschmerz nicht wäre und der Hortungsdrang, dann wäre mindestens ein Stapel schonwieder unterwegs.

  3. Gabi sagt:

    So ein Lesezeichen würde ich mir auch wünschen. 🙂
    Aber ganz ehrlich, man hat ja auch Freude daran, wenn man ein Buch findet, das einem auch interessiert.
    Ich bin mir sicher, dass Du etwas finden wirst um Deine Bücher für andere Interessierte zu deponieren.

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