Ein unendlicher Haufen?
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Manchmal frage ich mich, wie die Zeit wohin entschwindet.
Es gibt Tage, an denen nichts geschieht. An denen ich hinaussehen muß, vorübergehende Menschen und ziehende Wolken und die über den Himmel wandernde Sonne betrachten muß, nur um festzustellen, daß Zeit vergeht. Daß sich etwas verändert, daß etwas geschieht. Die Minuten sind zäh, einzelne Sekunden tropfen wie Honig oder wie Teer von der Zukunft durch das Jetzt in die Vergangenheit. Hinter mir und vor mir liegt an solchen Tagen nur eine graue Masse, ein Nebel, eine Art dichter, fester Schaum – und das Jetzt ist eine ebenfalls graue Blase mit pergamentner Haut, durch die ich kaum hinausblicken kann. An solchen Tagen weiß ich abends nie, was ich den lieben langen Tag getan habe.
Und dann die anderen Tage. Die, die vorübergehen, die, an denen die Zeit hastet und hetzt, an denen ich keine Sekunde, keine Minute Ruhe finde. da bleibt von der verfließenden Zeit nur eine Art bunter, verwischter Streifen, in dem nichts deutlich zu erkennen ist. Stunden vergehen in einem Tempo, das jedem Tachyon zur Ehre gereichen würde. Alles schreit, alles treibt mich, ich treibe alles und alle voran. Ruhepausen brauche ich dann nicht, nur ab und zu rauche ich nebenher eine Zigarette, meist so hastig, daß ich ins Husten komme. Auch Essen ist nebensächlich an solchen Tagen. Nur schnell, schnell, alle Zeit zerrinnt zwischen den Fingern wie ultrafluides Wasser. An solchen Tagen weiß ich abends nie, was ich den lieben langen Tag getan habe – oder den kurzen Tag lang.
Die Tage, die sozusagen “normal” verlaufen, an denen die Zeit vergeht, wie Zeit eben so vergehen sollte, die sind selten in meinem Leben …
Aber nun frage ich mich: Bewege ich mich durch die Zeit oder bewegt sich die Zeit? Und wenn die Zeit sich bewegt (und sie muß es sein, ich bin viel zu faul zur Bewegung), von wo kommt sie her und wohin fließt die Zeit? Gibt es einen unendlichen Haufen Zeit, an dessen Hängen wir stehen und die Zeit herabrieseln sehen? So wie eine überdimensionale Sandburg auf Hiddensee …
Meistens aber frage ich mich, wohin die Zeit verschwindet.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 7. März 2014 waren der Sendedienst und der Buchfink.
Tageskarte 2014-03-08: 0 – Der Narr.
© 2014 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


und was tut sie, wenn sie nichts tut? schlafen? oder von vorne anfangen? gebiert sie neue zeit? und stirbt sie irgendwann?
(ein feiner text!)
Sehr treffend geschrieben. Mir vergeht die Zeit eigentlich immer viel zu schnell.