Ohnmacht in mir bekommt Nahrung
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Für den Buchfink wollte ich es lesen, das Buch “Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?” von Roy F. Baumeister. Der Professor für Psychologie an der Florida State University schreibt davon, daß Frauen und Männer tatsächlich unterschiedlich sind, und begründet dies auch nachvollziehbar. “Is There Anything Good About Men? How Cultures Flourish By Exploiting Men” (so der engl. Originaltitel) las ich dann aber noch ein zweites Mal. (Im Buchfink werde ich daraus nichts mehr lesen – da funktioniert meine innere Zensur zu gut.)
Aber was fand ich in der ersten “DIE ZEIT” des Jahres 2014? Na? Genau! Einen Artikel über “Das geschwächte Geschlecht”, geschrieben von Elisabeth Raether und Tanja Stelzer. Und was die zwei Frauen da schreiben, spricht mir so sehr aus dem Herzen, aus der Seele, über mein Ohnmachtsgefühl, daß ich nicht anders kann als hier zu zitieren (ja, die Auslassungen aus diesen drei zusammenhängenden Absätzen sind natürlich “tendenziös” gemacht):
» Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist. [ … ] Deshalb werden Autoren und Experten, die sich mit spezifisch männlichen Problemen befassen, als Revanchisten und Antifeministen angesehen. Sie werden ähnlich wahrgenommen wie die Frauen, die sich in den siebziger Jahren mit Frauenfragen beschäftigten: als Menschen mit persönlichen Problemen, Frustrierte, die mit dem anderen Geschlecht nicht zurechtkommen und die Schuld dafür der Gesellschaft geben. [ … ] Lange wurden Frauen dämonisiert und kleingemacht, sie werden es manchmal noch immer. Die Frauen haben viel – und noch nicht genug – gewonnen. Doch jetzt sind die Männer dabei, viel zu verlieren. Der gute Ruf ist schon dahin. Männer gelten heute schnell als lächerlich, brutal, rücksichtslos, rechthaberisch, gierig, ineffizient. Die Fluggesellschaften Qantas, Virgin Australia und Air New Zeeland lassen allein reisende Kinder nicht mehr neben Männern sitzen. Der männlichen Sexualität wird misstraut: Die Gesellschaft kann gar nicht genug bekommen von den Geschichten über Vergewaltiger, Puffgänger und Pädophile. «
Zitiert aus DIE ZEIT Nº 2, 2. Januar 2014, S. 13
Elisabeth Raether und Tanja Stelzer: Das geschwächte Geschlecht
Chancengleichheit, Gleichstellung, Gleichberechtigung, oder gar “gender mainstreaming”: Alles nur Worthülsen, die für (manche? viele?) Männer ganz besonders leer und hohl klingen. Allein das im Artikel genannte Beispiel des Erziehers in einer Kindertagesstätte (früher hätte ich einfach Kinderkrippe geschrieben, aber auch da funktioniert der Zwang zur “political correctness”) oder die Anmerkung zu Qantas, Virgin Australia und Air New Zeeland jagen meinen sowieso zu hohen Blutdruck in die Höhe, verursachen ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Mißachtung, der Benachteiigung, des Zurückgesetzt- und Hintangestelltwerdens. Und erinnert mich an viele kleine, aber bösartige Stiche, die mir zugefügt wurden und noch werden, wenn ich als Mann einmal auf Gleichberechtigung und Gleichstellung beharre. Wie auf Schiffen im Katastrophenfall: “Frauen und Kinder zuerst!”
Männer sind einfach entbehrlicher, weniger wert, leichter ersetzbar. Und wehe, ich als Mann schließe aus dem Sexualverhalten von Dominas auf das Sexualverhalten aller Frauen! Aber Frauen dürfen aus dem Sexualverhalten von Pädosexuellen auf das Sexualverhalten aller Männer schließen?!
Was mich 2014 auch immer beschäftigen wird: Das Thema “Gleichstellung des Mannes” gehört dazu.
Oh, und ganz im Gegensatz zu dem hier vielleicht vermittelten Eindruck geht es mir als Mann privat gerade sehr gut …
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 4. Januar 2014 war der Abend nicht zuhaus.
Tageskarte 2014-01-05: Vier der Münzen.
© 2014 – Der Emil. Eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).


ich stimme dir zu. diese prozesse beobachte ich sehr aufmerksam und reflektiere auch bei mir, wie ich als frau das ganze handhabe.
gut, dass du da dran bleibst.
okay, Männer und Frauen sind unterschiedlich, aber beides sind Menschen und ich wünsche mir doch sehr, dass wir bei der Geschlechterdiskussion dort ankommen, solange wir uns nur an den Unterschiedlichkeiten aufziehen kann es niemals zur selben Augenhöhe kommen, die ich mir aber wünsche.
Trotzdem gibt es wirklich viel Negatives festzustellen, sei es nun Brutalität, Männer, die ihre Frauen und Kinder misshandeln, Kriegswahn u.ä., ja, es gibt auch Frauen, die ihre Männer und Kinder misshandeln, nur stimmt hier das Verhältnis nachdenklich und ist es damit doch nicht getan, es geht doch hier um Ursachenforschung und deren Bereinigung, die meiner Meinung nach in den Schulen und Kitas beginnt-
auch möchte ich erwähnen, dass Frauen noch lange nicht gleichgestellt sind, weder was die Entlohnung für gleiche Arbeit anbelangt, noch wird ihr „Job“ als Mutter, Hausfrau und Arbeitnehmerin gewürdigt, mal ganz abgesehen davon was in anderen Ländern immer noch Usus ist, ich sage nur Beschneidung, Verschleierungsgebot etc.p.p.
Ich stimme dir allerdings darin zu, dass die Maßnahmen der Fluggesellschaften auch mich ärgerlich machen, das ist keine Lösung, sondern schürt eher wieder Aggressionen …
Aber genau da ist es wieder: „die Brutalität der Männer …“ – ganz automatisch. Aber überall sind Männer die gefährdeterenen Menschen, das wird zu gern übersehen …
das wüsste ich aber nun gerne doch näher, wieso Männer die gefährdeteren sind … will mir nicht ganz einleuchten … aber ich lerne gerne dazu!
wer geht wilde Tiere jagen? Wer muß zur Armee? Wer arbeitet bei den gefährlichen Arbeitsplätzen als Stahlkocher, Pilot, Holzfäller, Bergmann; Wer ist Hochspannnungsleitungsmonteur, wer steht neben dem Säurebad, wer geht als Aufbauhelfer in den Dshungel, wer ist Bergetaucher?
Wenn man Sexualdelikte (besonders schwieriges Thema wg. Falschanzeigen, Dunkelziffern usw.) nicht beachtet, sind zwei drittel aller Gewaltopfer Männer. Über 90% der Obdachlosen sind Männer. Männer sterben noch immer 5 Jahre früher als Frauen …usw. usf.
Wer putzt Hotelzimmer für einen Apfel und ein Ei, wer wird in Krisenzeiten als erster entlassen oder gar nicht erst eingestellt, weil er ja schwanger werden könnte … Ach Emil, das führt zu nichts. Vielleicht habe ich mich damals an einer Leipziger Hochschule geweigert in einer Forschungsgruppe für Frauenrechte mitzuarbeiten, weil es mir wie Erbsenzählerei vorkam.
Klar gibt es Unterschiede, aber auch schwatzhafte, zickige Männer. Zum regulären Wehrdienst muss inzwischen keiner, der es nicht will, und die Weibeln dürfen auch. Das mussten ja einige erklagen und erstreiten. .
Und was die Sexualität anbelangt. Ich habe einige Jahre im Hort gearbeitet. Wenn ein Kind Kummer hatte, hab ich es in den Arm genommen und getröstet. Das größte Lob für mich war, wenn die Kinder mich in der Hitze des Gefechtes mit Mutti angesprochen haben. Nach der Auffassung von einigen wildgewordenen Feministinnen ist aber das In-den-Arm-nehmen schon eine sexuelle Handlung. Nachdem es da mal einen Schauprozess gegen einen Erzieher gab, habe ich mir das abgewöhnt. Der Erzieher ist freigesprochen wurden, aber sein Leben war ruiniert. Weibliche Erzieher kann es genau so treffen. (Frauen müssen genau so wie ihre männlichen Kollegen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.)
Ich denke, in diesen Fragen gäbe es schon noch einiges zu bereden.
Der Herr Baumeister versucht echte Ursachen zu zeigen, evolutionsbiologische und -soziologische Vorgänge und Verhältnisse. Hoch interessant (und überhaupt nicht weit hergeholt) z.B. die evolutionär bedingte Bevorzugung von Beziehungen bei Männern (große Gruppen, eher rational und hierarchisch) und Frauen (Zweierbeziehung oder Kleingruppen, eher gefühlsbetont und hierarchiearm) in all ihren Auswirkungen.
Ich kann da nur zustimmen. Männer werden in der Gesellschaft und im Privaten so diskriminiert wie es Frauen im Berufsleben oft noch werden. Irgendwie passt das alles nicht mehr zusammen.
Die, die sich gestern für die Rechte der Frau eingesetzt haben, beschneiden heute vielleicht den Mann in seinem Tun, trauen ihm nichts zu, machen ihn zum Bösen, zum Übel. Alice Schwarzer meint, dass Sex zwischen Mann und Frau ja immer eine Unterdrückung der Frau wäre. Hallo? Gehts noch? Ist sie schlicht sexuell frustiert, weil sich kein Mann mehr an sie heran wagt? Ok, Frau Schwarzer ist ein schlechtes Beispiel, denn so viel sie in der Vergangenheit Gutes tat, so lächerlich finde ich sie heute.
Wenn ein Mann keine Gefühle zeigt, weil er es so anerzogen bekam, ist er ein kaltschnäuziger Hund. Zeigt er Gefühle, ist er gleich schwul (und darin steckt auch gleich wieder die Diskriminierung sexueller Orientierungen) oder ein Weichei. Männer dürfen keine Kinder mögen und ihnen beim Spielen zuschauen, dann sind sie gleich pädophil. Ein Mann, der kocht und den Abwasch macht, steht unter dem Pantoffel (und dabei wollen die meisten Frauen doch, dass der Mann im Haushalt hilft!)
Ich finde es einfach zum K***en, wenn Frauen oder Männer oder Frauen und Männer oder alles dazwischen diskriminiert werden, weil sie mit oder ohne Penis geboren wurden. Das ist oberflächlich und verstaubt. Und ich habe keine Lust Männer zu diskriminieren oder diskriminiert zu sehen, um der öffentlichen Meinung zu entsprechen o.ä. Ich mag Männer – naja oder eben nicht. Mir ist egal was jemand ist. Arschlöcher gibts überall und gute Menschen entscheiden sich auch nicht nach dem Geschlecht.
Vielen Dank, und das Buch von Baumeister ist m.M.n. wirklich zu empfehlen, geht es doch darin um die wirklichen Ursachen der Unterschiede usw. …
Männlein und Weiblein sind nun mal verschieden. Und jeder fühlt sich in gewissen Dingen benachteiligt und hat das Gefühl, die „anderen“ hätten mehr Vorteile. Und auf beiden Seiten gibt es leider Ungerechtigkeiten. Ich finde, das ist ein sehr schwieriges Thema.
Diskriminierung ist nie gut. Egal ob es um Geschlecht, Hautfarbe, Nationalität, Beruf, sexuelle Orientierung usw. geht. Genauso ist es mit Klischees und Vorurteilen. Egal ob alte bestehende oder neu geschürte.
Ob das mal ganz oder wenigsten größtenteils aus der Welt geschaffen werden kann? Schön wäre es. Aber ich bezweifle es stark.
LG Gabi
Ein ebenso wichtiges wie vielschichtiges Thema, um das du dich kümmerst. Wieso kommentieren diesen Post eigentlich mehr Frauen als Männer?
Frauen haben für sich unter zähen Mühen und Ringen in langwierigen Prozessen einige Rechte erkämpft (Gleichheit gibts noch immer nicht in vielen Bereichen). Für mich geht der Pendelschlag seid etwa zwanzig Jahren langsam in die andere Richtung.
Im Prinzip braucht man eigentlich keine Männer mehr wenn die Medizinindustrie noch einige kleinere Probleme gelöst haben wird. Dem gegenüber werden Wunschforderungen an Männer formuliert. Männer selbst versuchen mehr und mehr drauf einzugehen. Und inzwischen schwingen sich auch Medien und Seelenbranchen im Sinne des Profits und der political correctness in den Kanon ein: Liebhaber einfühlsamsanft jedoch ohne Softie zu sein. Auf Begehr mit offenem Hosenlatz ansonsten bitte keine Penetration. Hochintellektueller Handwerker und materieller Besserverdiener (durch Halbtagsjob ohne Karriereüberstunden), den anderen halben Tag Kinderkümmerer und -beschäftiger, Putzmann, Einkäufer und Hemdenselbstbügler. Künstlerisch kreativsensibel und gleichzeitig gestandenes jägerundsammlerisches Mannsbild. Beethovens Fünfte auf dem Klavier klimpern zwischen der Heizungsreparatur und der Zubereitung des Vier-Gänge-Menüs. Ein Haus mit eigenen Händen bauen aber bitte die Freizeit interessant und abwechslungsreich gestalten. Ach ja, und – Geduld bei Fuss – immer Musse und ein offenes Ohr für Gespräche haben. Ein kleines Potpurrie aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis. Gehts noch?
Meine Medizin: immerwiederkehrendes Lesen von „Vom Fischer un syner Fru.“ Das stärkt den Humor, den Eigensinn und gibt Kraft und Toleranz für die Beziehung. Hoffentlich noch lange.
Schöne Grüsse aus dem Bembelland.
Eine großartige Formulierung des Anforderungsprofils.
Ich aber hab keine Lust, dem auch nur ansatzweise zu entsprechen.
Gut, dass Männer sich endlich auch mal „bewegen“ und ihre Sicht der Dinge formulieren, sowie für ihre in manchen Punkten etwas unter die Gender-Räder gekommenen Interessen eintreten – das ist definitiv Trend 2014! 🙂