Vorhaben

Und diesmal habe ich beinahe alles geklaut zitiert

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In der letzten Wochenendbeilage des “Neuen Deutschland” (28./29. Dezember 2013) gaben acht Mitarbeiter der Zeitung ihre Vorschau auf bzw. Vorsätze für 2014 preis. Nun, wegen einer Havarie in der Druckerei wurde ein Teil der Zeitung an eben jenem Wochenende ohne diese Beilage ausgeliefert. So erhielt ich mit der Ausgabe vom Silvester 2013 interessanten zusätzlichen Lesestoff nachgeliefert. Dem von Wolfgang Hübner darin auf S. 21 geäußerten Vorhaben kann ich mich nur anschließen:

 

 
Blitz und Donner

von Wolfgang Hübner
 

Ich werde im nächsten Jahr einen Phrasenblitz konstruieren. Seine Wirkung wird durchschlagend sein. Immer dann, wenn Schreiberlinge salbadern, dass eine Partei gut aufgestellt ist, dass irgendwo Neuwahlen stattfinden (als wäre nicht jede Wahl eine Neuwahl – oder was ist eine Altwahl?) oder dass jemand einen Titel erfolgreich verteidigt hat (als könne man etwas erfolglos verteidigen), immer dann soll der Blitz herniedersausen und die toten Buchstaben auslöschen. Immer dann, wenn Politiker schwadronieren, dass eine Maßnahme angedacht, ein Zeitfenster geöffnet oder am Ende des Tages dieses oder jenes feststehe, soll sich ein Sturm erheben und ihre leeren Worte hinwegblasen. Immer dann, wenn Fernsehfritzen daherpalavern, dass ein Projekt auf den Weg gebracht oder von einem Parteitag ein Signal ausgesendet wurde, soll ein Donner grollen und ihr hohlen Sätze verschlingen. Immer dann, wenn irgendwelche Wahnsinnigen vom Abtreibungsholocaust, vom Hühner-KZ oder von Anti-Banken-Pogromen faseln, soll eine Sintflut herabprasseln und ihre schiefen Vergleiche davonspülen.

Ich weiß, die Aufgabe ist schier übermenschlich, aber die Sache ist angedacht. Das Zeitfenster steht bald offen, die Sache ist auf einem guten Weg und der Tag wird kommen, an dessen Ende das Signal ausgesandt wird. Ich bin sehr gut aufgestellt.

Auszug aus “2014” im “Neuen Deutschland”, 28./29. 12. 2013, S. 21
vollständig online verfügbar

 

 

Nein, es ist für mich kein Vorsatz; aber alleine die Vorstellung, daß Worthülsen in Reden durch Stille und in Artikeln durch Leere ersetzt werden würden, ist grandios! Um wieviel dünner wären bestimmte Zeitungen (insbesondere der Wirtschafts- und Sportteil), wieviel kürzer und sehenswerter wären Bundes- und Landtagsdebatten. Wie knackig und kurz könnte das Dreikönigstreffen des eingetragenen Vereines CSU (schaut mal das Impressum der Parteiwebseite an!) sein!

Es wäre beinahe so schön, als würden Politiker einer Wahrheitspflicht unterliegen und die Abgeordneten plötzlich wieder dem Volke verpflichtet und ihren Wählern rechenschaftspflichtig sein statt nur ihrem nur in seltenen Fällen vorhandenen Gewissen …

Und Journalisten könnten wieder informieren statt zu spekulieren. Es gäbe ein Fernsehprogramm, das nicht dumm macht. Werbung wäre ganz anders. Ach, paradiesische Zustände könnten herrschen!

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 3. Dezember 2014 war der Döner am Abend.
 
Tageskarte 2013-01-04: X – Rad des Schicksals (wie am 01.01.2014)

Bitte Urheberrecht beachten. Ich zitiere entsprechend $51 UrHG.

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Vorhaben

  1. Sofasophia sagt:

    ich hoffe, das ding wird erfunden! und rund um die welt kostenlos verteilt.
    ein starker text, den du da zitierst!
    gute nacht!

    • Der Emil sagt:

      Ich habe lange an dem Text herumgekaut, drei Tage lang, weil der zweite Absatz meiner Meinung nach zu deutlich relativiert, ins Lächerliche zieht, die Kritik zu sehr abschwächt.

      „Zukunft ist nie, Gegenwart immer. Was 2014 bringt, wissen Futurologen und Hellseher. Ich nicht. Wie auch?“ schreibt ein Stück darunter Martin Hatzius in seinem Textstück „Haus der Zukunft“ — auch das liegt hier noch zur Verarbeitung auf dem Stapel …

  2. Frau Tonari sagt:

    Den Phrasenblitz hätte ich auch gerne. Ich würde ihn in diese und jene Besprechung mitnehmen und auf das raumgreifende Geschwafel mancher Chefs niederprasseln lassen.

    • Der Emil sagt:

      Und die Controller, na die erst … die Kampagnenverantwortlichen, die Teamleiter und viele Mitarbeiter in den Jobcentern, Zensursula Bombodromia von der Leyer … INSM …

  3. Sofasophia sagt:

    na, her damit. 🙂 bin gespannt.

    zu deutlich relativieren dünkt mich übrigens manchmal so ein unding unserer ach-so-toleranten, latent ironischen welt. irgendwie …

  4. Ja, ich weiß, alles gar nicht so einfach. ^^

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