7. Türchen: Handschuh am Band (Nº 341)

Der erste Schnee und der erste Schneemann

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Meinen Adventskalender hier widme ich allen, die kämpfen, allen, die krank sind. Und ganz besonders schreibe ich meinen Adventskalender in diesem Jahr für eine Bloggerin.
 
Ich wünsche mir und Dir, Chaoskatze, eine im wahrsten Sinne des Wortes wundervolle Weihnachtszeit. Alle meine Kerzen brennen für Dich und für alle Menschen, die Hoffnung brauchen.

 

 

Welche Freude, auf dem ersten frisch gefallenen Schnee gleich am Morgen die eigenen Spuren hinterlassen zu haben, die bis jetzt die einzigen sind! Wie das aussieht! Dieses glatte, reine, in der Sonne glitzernde Weiß, das so manches Mal blendet, so sehr blendet, daß ich die Augen zukneifen muß. Und dazwischen meine Fußabdrücke. Stundenlang könnte ich dastehen und mich daran freuen, aber dazu habe ich jetzt keine Zeit. Ich lasse mich auf die Knie fallen und versuche, einen Schneeball zu formen. Das ist mit den dicken Handschuhen garnicht so einfach. Wenn ich sie ausziehe, werde ich an den Händen frieren. Ziehe ich sie nicht aus, bekomme ich keinen Schneeball. Nur kurz denke ich nach. Dann lege ich die Handschuhe einfach zur Seite, neben mich in den Schnee. Jetzt muß es doch werden!

Ich baue erst ein Schneehäufchen, klopfe es fest. Daraus wird nach einer ganzen Weile mein erster Schneeball. Ein großer Schneeball. Den rolle ich hin und her und beobachte dabei, wie er immer größer wird. Eine zweite Schneekugel und eine dritte mache ich mir. Und dann setze ich sie aufeinander. Ja, einen Schneemann baue ich, den größten Schneemann, den ich je selbst gebaut habe. Die Kälte an den Händen ist nicht so schlimm. Nur an den nassen Knien wird es kalt. Ich habe die Zeit ganz vergessen, als ich noch zwei Schneebälle als Arme an den weißen Gesellen drücke. Huch, er wackelt. Doch er bleibt stehen. Jetzt kann ich ja meine Handschuhe wieder anziehen – aber die liegen nicht mehr neben mir!? Ich suche erstmal rings um meinen Schneemann. Dann gehe ich in den Spuren entlang, die ich beim Schneemannkugelrollen hinterlassen habe. Meine Lieblingshandschuhe finde ich nicht.

Es beginnt zu dunkeln, als Mutter zu mir kommt. Stolz zeige ich ihr meinen Schneemann. Und sie? Zieht eine Möhre und ein paar Kohlestückchen aus der Tasche. Mein Schneemann bekommt Augen, Nase, Mund und Knöpfe. Einen Hut müßte er noch haben, das wäre schön! Auch Mutter sucht nach meinen Handschuhen und findet sie nicht. Aber sie schimpft nicht, nimmt mich mit ins Haus und läßt mich ein heißes Fußbad machen.

Seit dieser Zeit, ich muß vier oder fünf gewesen sein, wurden alle meine Handschuhe mit einem langen, selbstgestrickten Band dazwischen verbessert. Und ich habe dieses Band, das mit in die Ärmel der Jacke gezogen werden mußte, gehaßt (bis ich selbst Kinder hatte, und der Handschuhschwund bei denen zu groß wurde).

 

 

Eine friedvolle, besinnliche Zeit wünsche ich allen Leserinnen und Lesern.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 6. Dezember 2013 waren die zwei (au ja, ich war bös) Glögi, die ich für das Aussprechen des Satzes Halle ja Oulu ovat ystävyyskaupunkeja bekam.
 

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 7. Türchen: Handschuh am Band (Nº 341)

  1. piri ulbrich sagt:

    Das Band hat gestört, aber viele Handschuhe gerettet. Dein Adventskalender ist berührend und nicht nur das; er weckt Erinnerungen auf…

  2. Moin moin lieber Emil,

    eine zauberhafze Geschichte und sie weckt Erinnerungen in mir, sowar das damals, hatte man seine Hansschuhe oder einen verloren, wurden die nächsten mit Band verbunden, naja du weißt es js selbst.

    Auch bei meinen Kindern und Enkeln wurde das genauso gemacht, das vererbt sich von Generation zu Generation.

    Danke für die zauberhafte Erinnerung.

    Herzliche Grüße und einen schönen Adventssamstag

    Kathrin

  3. Folygirlf sagt:

    Das hatte ich schon vergessen.. diese Bänder hatten wir auch und haben sie eigentlich gehaßt…
    LG, Petra

  4. Anna-Lena sagt:

    Auch bei mir werden Erinnerungen wach. Der erste Schnee, Schneebälle und Schneemänner und Rodeln nach Herzenslust…
    LG ins 2. Adventwochenende,
    Anna-Lena

  5. Gabi sagt:

    Ach ja, diese Handschuhe mit den Bändern. Unheimlich praktisch, jedoch von den Kindern meist gehasst. 🙂
    Ob die Handschuhe unabsichtlich in den Schneemann „eingebaut“ wurden? Die Schneeschmelze würde es zu Tage bringen. 🙂
    Und Gratulation zum Gelingen dieses finnischen, zungenbrecherischen Satzes und zu dem Gewinn.
    Was bei mir die Frage aufwirft, was eigentlich ein Glögi ist.
    LG Gabi

  6. nextkabinett sagt:

    Ja, diese Bänder waren furchtbar, immer haben sie an der Schulter geziept. Heute nimmt man wohl Klettband und befestigt die Händschuhe irgendwie unten an den Ärmeln. Zumindest würde ich es mal so versuchen.

  7. Karl sagt:

    Praktisch waren die Bänder schon, ungeliebt trotzdem. Ohne sie unterwegs zu sein bedeutete als ein bisschen erwachsener zu gelten.

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