Lesen in und Lernen aus Blogs (Nº 312)


Freude über die seltsamen Wege der Erinnerung

Ja, mein Ärger über die “Modernisierung” des ehemaligen WordPress-Readers hält an. Deshalb ist die Überschrift ein Link zum Blogbeitrag. Ein Klick darauf umgeht den WP-ugly-layer-Modus und öffnet nicht nur ein Popup. Und das bleibt so, bis der WP-Reader wieder ein funktionierender WP-Reader ist.

To get a Google translation use this link.

 

Gestern war ich froh darüber, meinen Blog hier zu haben. Mich nicht nur auf mein – zugegebenermaßen mir immer lückenhafter erscheinendes – Gedächtnis oder meinen Kalender, in den ich nun wirklich nicht alles eintrage, verlassen zu müssen und schnell mal etwas nachlesen zu können war in diesem Fall vielleicht bares Geld wert. Ich will euch gerne wissen lassen, wie es dazu kam:

Noch zu MySpace-Zeiten (ich glaube, von 2007 bis 2010) las ich gerne den dort geführten Blog von Michelle, die über ihr Leben als freegane Vagabundin schrieb. Wie sie sich ohne Geld, so ganz ohne soziale Absicherung, schien mir, durch Europa bewegte und lebte, was auch ich manchmal in meinen Gedanken durchspielte. Michelle wanderte nach dem großen Umbau von MySpace zu My_LEER (das ganze wurde irgendwie unbenutzbar für Menschen, die hauptsächlich bloggten auf der Plattform) auch zu WordPress.com. Ab und zu erscheinen dort neue Beiträge, die ich wirklich gerne lese.

Gestern las ich dann Michelles Artikel “Buy nothing day” am 27.30. November, also der Aufruf, an diesem 27.30. November 2013 nichts zu kaufen. Ich hab das Datum korrrigiert, weil hier in der BRD dieser Tag immer der letzte Sonnabend im November ist. Eine seltsame Idee? Ja, sicher, schon. Und ich weiß auch, daß sich nie alle Menschen daran beteiligen können und / oder wollen. Aber ich stelle mir die ratlosen Gesichter der Manager insbesondere der großen Ketten vor, wenn an einem Tag zum Beispiel bei den Discountern oder bei den Systemgastronomen in allen Filialen bei nur ein oder zwei Prozent des sonstigen Umsatzes getätigt werden. Bundesweit. Europaweit. Weltweit. (Mit ein wenig Planung ließe sich das für beinahe jeden Käufer durchaus verwirklichen, ich werde es dieses Jahr sicher schaffen.)

Wie das beim Bloglesen so ist, schaute ich mir auch die Links an. Und mußte sehr schmunzeln über das Video, das auch bei Konsumpf in diesem Artikel eingebettet ist. Schmunzeln. Und nachdenken. Mit meiner Umwelt vergleichen. Jajajajaja. Auch ich hab ein ähnliches Gerät, allerdings noch keines zum Wischen. (Wie sprach letztens jemand: “Wenn ich was zum Wischen will, kauf ich mir’n Mop.”)

Nein, ganz so mobile-phonistisch bin ich nicht unterwegs. Nie gewesen. Denn ich hatte mir das Gerät sintemalen gekauft, um meinen Blog von unterwegs aus betreuen zu können. Dazu habe ich es auch genutzt, und zum SMS-Schreiben (50 täglich davon waren in der monatlichen Pauschalzahlung für dieses Paket dabei). Dann kam auch die fb-Nachrichtenschreiberei dazu, die ist ebenfalls ohne zusätzliche Kosten möglich gewesen. Oft genug konnte ich mich über die eine Meldung amüsieren: “Wird aktualisiert, bitter warten …”. Kein Scherz! Seit Mitte Oktober bereitet mir genau dieses Telefon aber Sorgen.

Beinahe immer, wenn ich Nachrichten schreibe, stürzt das Gerät irgendwie ab. Insbesondere bei der Buchstabenkombination “ic” wird der Bildschirm schwarz, etwa 45 Sekunden später geht die Tastaturbeleuchtung an und zwei weitere Minute dauert es, bis dann die normale Ansicht wieder auf dem Bildschirm erscheint. Von der begonnenen Nachricht ist natürlich nichts mehr da, es mß alles nocheinmal geschrieben werden. Manchmal ist es dann auch einfach zu spät für eine Antwort. Mein Telefon ist also defekt. Und wie ich annahm, war kurz vor dem Auftreten des Defektes die Gewährleistungsfrist abgelaufen. Den Kauf des Gerätes verband ich – irgendwie – mit dem Beginn des Monats Oktober. Ja. Anfang Oktober oder sogar Ende Spetember.

Allerdings erinnerte ich mich beim Betrachten des Videos wieder daran, daß da … Genau. Da wa doch was. Darüber habe ich doch damals™ geschrieben. Hier, in diesem Blog!? Zunächst suchte ich auf meiner Festplatte nach dem Text. September 2011, Oktober 2011 – nein, in diesen beiden Monaten war es nicht. Vielleicht schon 2010? Nein, auch nicht. Also einfach mal in meinem Blog gesucht. “Smartphone” in das Suchfeld eingegeben, “Enter” gedrückt, et voila! Kurz nach 12 Uhr wußte ich wieder, wann ich das Gerät kaufte, denn dieses Geschenk von mir an mich war das Thema am 11. Dezember 2011. Ein kleiner Freudentanz führte mich daraufhin an meinen Schrank, aus welchem ich die Verpackung des Gerätes einschließlich des Kassenbons von 9. Dezember 2011 um 16.09 Uhr hervorzuzaubern in der Lage war! Danke für den Denkanstoß, Michelle!

Und weil ich nun versuchen kann, das Teil mit Hilfe des Händlers reparieren zu lassen oder einen entsprechenden Ersatz dafür zu erhalten, bin ich froh darüber, daß ich meinen Blog habe. Und darüber, daß ich immer wieder Interessantes bei euch allen und noch an vielen anderen Stellen dieses Internets lesen und lernen kann.

Und jetzt: Jetzt tanze ich vor Freude noch einmal nackend durch meine Wohnung. Aber psssst! Verratet das bloß niemandem.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 7. November 2013 war die wiederkehrende Erinnerung und eine verspätet gefundene Nachricht.

© 2013 – Der Emil. Der Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
CC by-nc-nd Website (Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Lesen in und Lernen aus Blogs (Nº 312)

  1. Diese Erinnerungsfreude kann ich nachvollziehen. – Ich bringe gerade die ersten Jahre des Blogs zu Word, also zu Papier. – Mir hat er auch schon bei manchen Sachen geholfen.

  2. Michelle sagt:

    Das war also die Überraschung! Wie schön. Aber wie ich dir den Denkanstoss gegeben habe, verstehe ich nicht, bin halt schwer von kape… Übrigens habe ich heute nachmittag festgestellt, der diesjährige Kauf-nix-Tag am Samstag, den 30. November ist, habe es schon in meinem Blog verbessert. Der 27., das war in einem anderen Jahr. Auf jeden Fall ist es in Europa immer der letzte Samstag im November. Hat mich sehr gefreut, mal von dir was über meinen Blog zu lesen. Danke! Echt nett. Das tut richtig gut, wo ich ihn fast schon aufgeben wollte.

  3. alltagsfreak sagt:

    Das mir dem Tag der KonsumverweigerungsTag finde ich eine klasse Idee! Am besten alle dot Medien kombinieren und teilen was das Zeug haelt!

  4. puzzleblume sagt:

    Das Suchen Im Blog hat meiner Erinnerung auch schon manchmal aufgeholfen, zumindest über Gedankenverbindungen, dann.

    Dern Kaufnix-Tag finde ich originell als Erinnerungshilfe, mal darüber nachzudenken, ob man nicht bloß aus purer Langeweile und innerer anderer Bedürfnisse heraus Einkaufen geht.
    Ansonsten halte ich es für lebensfremd, denn man „kauft“ schließlich trotzdem sein Wohnrecht mitsamt Wasser, Strom etc, seine Teilnahme am Kommunikations- und Mediennetz in jeglicher Hinsicht und seine Fahrmöglichkeiten auch, es sei denn man fahre schwarz, dann läßt man es andere mitbezahlen, was faktisch dasselbe ist, da man etwas in Kauf nimmt
    Mit anderen Worten: ich-psychologisch finde ich diesen Bewußtseinstag wichtig, ideologisch aber Nonsens.

    • Der Emil sagt:

      Mir gefiel am besten die Vorstellung, daß an dem Tag bei McDoKing, Aldl, Lidi & Co die Ratlosigkeit ausbräche … und zwar ganz, ganz oben.

      Man kauft ja vieles auf Vorrat und könnte den Gang ins Ladengeschäft vermeiden.

      • puzzleblume sagt:

        Wenn die Buletten und der Salat verderben, ist das dem Ganzganzoben völlig schnupppe, sonst würden nicht allabendlich wider alle Vernunft der Abfallcontainer mit Lebensmitteln des Tages vollgehäuft. Ich bleibe dabei: das ist eine sehr unüberlegte Aktion.

  5. Gabi sagt:

    Hab wieder ein neues Wort bei Dir gelernt. sintemale. 🙂
    Das Video kannte ich schon und spiegelt sehr gut die heutige Zeit wieder. Ich guck auch oft ins Handy rein um zu lesen, aber sicher nicht, wenn ich mit anderen Personen wo zusammensitze. Und von der ganzen „Selbst-Ablichterei“ halte ich gar nichts. – Aber gut. Jeder wie er will.
    Von dem Konsumverweigerungstag hatte ich bis jetzt auch noch nichts gehört oder gelesen. Aber samstags gehe ich ohnehin nur sehr selten einkaufen. Und aus Langeweile shoppen kann ich leider eh nicht. Meine Konsumationen beschränken sich größtenteils auf Dinge, die ich brauche.
    Auch mir hat mein Blog schon manchmal geholfen, gewisse Sachen im Nachhinein herauszufinden. Mir gehts aber auch oft so mit meinen Fotos, wo ich Zusammenhänge anhand des Datums oder der Uhrzeit nachvollziehen kann.
    Freut mich für Dich, dass Du nun Dein Handy reparieren lassen kannst.

    • Der Emil sagt:

      „Sintemalen“ ist ein sehr altes Wort. Mittlerweile ungebräuchlich, leider.

      Ich bin auch dafür, zum Telefonieren und zum Fotografieren unterschiedliche Geräte zu benutzen – sonst könnte ich meine Schnitzel ja auch mit dem Schneebesen klopfen …

      Und mal sehen, was beim Telefon rauskommt. Ich laß mich überraschen.

      Ein schönes Wochenende wünsch ich Dir

  6. Gudrun sagt:

    Neulich sagte jemand zu mir, dass ich mich doch mal bitte bei „In..agram“ anmelden soll. „Wieso? Wenn du mir etwas mitteilen möchtest, geht das doch auch anders.“ „Nein, nein, dann kannst du meine Bilder liken.“ Ach so.

  7. Sofasophia sagt:

    das blog ist mein ausgelagertes gedächtnis – ein von mit oft gedachter satz.
    schön dein tanz! *kicher*

  8. Elvira sagt:

    Ein anderer hätte sich bestimmt nackt tanzend mit dem Phone gefilmt und ein Post daraus gemacht 😉
    Mein Konsumverhalten ist sehr zurückhaltend. Ich kaufe Dinge nur, wenn ich sie wirklich benötige, nicht, weil sie mir gerade gefallen. Ausgenommen sind davon meine Stoffkäufe. Aber das ist, bis auf ab und an ein neues Buch, der einzige Luxus, den ich mir erlaube. Kleidung wird ersetzt, wenn es nötig ist. Modischen Schnickschnack brauche ich nicht.
    Auch bei mir ist das Blog eine Art Erinnerungsstütze. Leider habe ich anfangs zu wenige Tags gesetzt.

    • Der Emil sagt:

      Sorry, daß ich erst jetzt antworte. War irgendwie verrutscht.

      Ich nutze dieses Omisearch vom Dashboard, das geht auch ohne Tags.

      (Und den Film, den erspare ich der Menschheit lieber. Stell Dir Meister Röhrich vor, kurz nach der Explosion auf der Baustelle 😉 )

  9. Pingback: Ein Blick über den Gartenzaun… | alltagstauglichkeitstest

  10. druckstelle sagt:

    Im Video steckt viel Wahrheit! Ich habe noch so einen alten Telefonknochen und bin damit echt aus der Wertung… 😉 Und dieses peinliche Selbstgeknipse immer und überall – ohne Worte.

  11. Pingback: Buy nothing day am 30. November | Germanys next Kabinettsküche

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