Wie Kunst wirkt, was sie mit mir macht – und was ich damit anfange
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Heute, heute ist der letzte Tag: Vom 12. bis 27. Oktober 2013 feiert(e) die Werkleitz Gesellschaft e.V., die sich selbst auch “Werkleitz-Zentrum für Medienkunst” nennt, ihr zwanzigjähriges Bestehen mit einem Festival. Dessen Motto ist der Text einer Neon-Leuchtschrift von Martin Conrath, die bei der ersten Medienkunstschau in Ostdeutschland, bei der Werkleitz-Biennale 1993, Premiere hatte: Utopien vermeiden!
Ziemlich oft war ich im Ausstellungsparcour (meist getarnt, in unschwarzen Klamotten und ohne Rucksack und ohne Kopftuch). Das Gasometer mit “Horizons” von Egemen Demirci habe ich mir erst gestern Abend angesehen. Und die Filmveranstaltungen habe ich bis auf eine, die mich an meine Grenzen führte, nicht gesehen. Erst gestern Abend war ich dann auch zu einem der Konzerte (“The Schwarzenbach / Kammerflimmer Kollektief”).
Außerdem hatte ich zwar von Barbara Caveng selbst die Genehmigung, im für ihr Kunstwerk Heaven Heaven Heaven abgegrenzten Raum den Schattenwurf zu fotografieren und habe den auch fotografiert, obwohl ansonsten Fotografierverbot herrscht(e) und auch durchgesetzt wurde. Doch meine Schattenbilder klemmen in mir fest. Da geht (noch) nichts. Ich möchte zu einer solchen Arbeit auch nichts Unausgegorenes äußern. Zumal ich ein AK-47 selbst drei Jahre mit mir herumtrug. (Und in der vergangenen Woche erst hatte ich eine Diskussion, in der ich meine Meinung vertrat, daß [Schuß-] Waffen – ja, konsequent zuendegedacht auch das AK-47 – zunächst einmal Werkzeug sind. Den Rest tut der Mensch dazu. Ich bitte darum, das nicht hier zu diskutieren.)
Kunst. “Some Engels” war hochinteressant, denn auch ich bin prompt in die damit aufgestellte Falle getappt. Das Gemeine daran war, daß ich das nach einer Weile selbst bemerkte. Und mir alles nocheinmal von vorn ansehe mußte. “Disposession / Reappropriation” zeigte mir, daß ich manches künstlerisch ähnlich sehe wie andere Menschen, denn ich habe eines der beiden Bilder von Kader Attia kurz vor ihm auch fotografiert (aber noch weiß ich nicht, was ich mit dem Bild machen werde).
Heute ist also die letzte Gelegenheit, sich bei diesem Werkleitz-Festival umzusehen.
Mein Fazit zum Festival “Utopien vermeiden” schrieb allerdings schon ein anderer:
Hoffnung
Kunst kann zur Sprache bringen, was sonst zu schweigen hat und an das erinnern, was die begriffliche Logik nicht einholen kann – das Nichtidentische. Kunst kann eine der letzten Möglichkeiten sein, die Erfahrung zu machen, dass nicht alle Wirklichkeit gesellschaftliche Herrschaft bedeutet, kann Statthalter einer Wahrheit sein: der Wahrheit, dass diese Gesellschaft in all ihrem Elend, Leid, Täuschungen und der allgemeinen Ohnmacht eine Falsche ist.
Dojno Faber: Etwas fehlt. Kritik der Verbannung der Utopie
Erschienen in der Programmzeitschrift Oktober 2013 von Radio Corax
Online zu finden bei Radio Corax (ab 11/2013 im Zeitungsarchiv)
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 26. Oktober 2013 war der Besuch beim Werkleitz-Festival.
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Utopien vermeiden, das ist wohl sehr in zur Zeit… leider. Wir brauchen Menschen mit Utopien.
Oh, das ist als Aufforderung oder als Frage zu verstehen gewesen.
Ich vermeide Utopien nicht. Nur ist es zunehmend schwieriger geworden, lebbare Utopien zu finden. Ich glaube, die Menschen resignieren heute schneller als früher …
Ich hab auch gar nicht Dich gemeint…. ja, so hab ich das auch verstanden. Es war nur so mein erster Gedanke, das unsere Zeit irgendwie arm an Utopien ist oder sie werden nicht so laut geäußert.