Ein blaues Buch (Nº 278)


Nicht nur “die Welt der Hoffnungs- und Ratlosen” bei Ben Witter

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Endlich darf ich (m)ein Geheimnis lüften. Beziehungsweise ich habe es bereits gelüftet, live, im Radio. So einfach war es übrigens nicht, nichts davon zu erzählen! Vor zwei Wochen schrieb ich über zwei Funde, und einer war eben dieses besagte blaue Buch, das sich so hervorragend für den Buchfink eignet. Ja, es war auch der Titel, der mich anschrie: “Angst auf weiße Zettel schreiben und andere Texte”.

Vom Autor, von Ben Witter hatte ich bisher nichts gehört oder gelesen (ich nehme gern Empfehlungen entgegen, was von ihm ich unbedingt lesen sollte). Wobei ich mir mit dem Lesen nicht so sicher bin, da er als Journalist bei der Zeit war und sogar Kinderbücher schrieb. Der Titel hatte es mir sofort angetan, denn manchmal, glaube ich, schreibe ich auch “nur” meine Angst auf weiße Zettel …

Schon im Antiquariat, ach nein, noch auf der Straße davor las ich kurz in die ersten Seiten hinein. Nach dem Inhaltsverzeichnis – das zeigte mir, daß auf 230 Seiten 53 Texte von Ben Witter enthalten sind – überflog ich das Vorwort von Siegfried Lenz. Darin der Satz, der mich dem Buch endgültig verfallen lies:

 

 

» Wer die Welt der Gestrauchelten und Lädierten für eine exotische Lebensniederung hält, der wird von Ben Witter rasch eines Besseren belehrt: Die Lektionen, die seine Geschichten bereithalten, gelten für jede Lebenslage. «

(Siegfried Lenz in der Einleitung)

Ben Witter: Angst auf weiße Zettel schreiben und andere Texte.
Ausgewählt und eingeleitet von Siegfried Lenz. S.10
© 1993 by Luchterhand Literaturverlag GmbH, Hamburg. ISBN 3-630-86823-1

 

 

Wie gehe ich denn jetzt mit diesem Buch um? Am ersten Tag las ich die Einleitung zur Gänze. Da schreibt einer (Siegfried Lenz), der gern liest und viel liest, über einen (Ben Witter), der sein Leben lang über seine eingene Welt schrieb, der nichts beschönigte und und das Unerklärliche einfach bestehen ließ in seinen Texten. Aber Lenz hebt Witter nicht auf einen Sockel, machte mich nur neugierig auf auf den Rest.

So saß ich und begann zu lesen. “Die ehrlichste Geliebte” der ersten Geschichte tritt nicht selbst auf. Sie wird vorgestellt von zwei Männern, die sich nach, nein, beim Begräbnis der Frau zum ersten Mal sehen, gemeinsam die Schaufel Erde auf ihren Sarg werfen. Welch eine Begebenheit! Meine Phantasie wurde sofort gefangengenommen, angeregt, beflügelt, auf die Reise geschickt. Ich erlebte in den höchstens fünf Leseminuten die ganze sechzehnjährige Ehegeschichte (natürlich zuzüglich einer angemessenen Verlobungszeit) und alle drei Jahre der Affaire mit, sah die beiden Herren über den Friedhof gehen und im Café sitzen, hörte die Stimmen, auch die von den Frauen und vom Bankangestellten …

Huch! So viel wollte ich doch nicht preisgeben? Jedenfalls habe ich mir vorgenommen, nur eine Geschichte pro Woche aus diesem Buch zu lesen. Dann reicht es für ein Jahr – und ich habe ein Jahr lang wöchentlich eine kleine Kinovorstellung in meinem Kopf. (Ja, natürlich habe ich dieses Vorhaben nicht einhalten können, ich war doch zu neugierig und brauchte ja auch etwas mehr für den Buchfink.)

Es muß vielleicht nicht dieses Buch sein, aber einmal hineinlesen in die Welt von Ben Witter, in “die Welt der Hoffnungs- und Ratlosen, der Erniedrigten und Beleidigten, der kleinen Ganoven und großen Träumer. Aber auch die Abhängigen und Außenseiter gehören dazu und all jene, die das Schicksal angerempelt hat …” (Siegfried Lenz).

Wer genau dieses Buch lesen möchte, kann in einer Bibliothek nachfragen oder wird beim ZVAB fündig. Dort stehen übrigens 498 Titel von Ben Witter zum Verkauf. Und ich, ich laß mir dort gefundene Titel immmer vom Antiquariat meines Vertrauens bestellen – falls dieses das Buch nicht im Angebot hat.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Oktober 2013 war der Abend im Radio.

© 2013 – Der Emil. Eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ein blaues Buch (Nº 278)

  1. Faktoid sagt:

    Danke fürs drauf aufmerksam machen!

  2. Frau Blau sagt:

    das macht neugierig – danke Emil, für diesen Tipp-
    hab ein feines WE
    herzliche Grüße vom Regenberg
    Ulli

  3. sbraun58 sagt:

    Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße
    Stefan

  4. sbraun58 sagt:

    Heute war mein Exemplar des blauen Buchs in der Post 🙂
    Liebe Grüße
    Stefan

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