Großvaters Geist (Nº 244)

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Mein Großvater, der “Martin-Bemmer”, war an den Wochenenden des Herbstes oft im Wald rund um den Steinberg in Burkhardtsgrün unterwegs. Meine Großeltern hatten dort ein Wochenendgrundstück mit “Haisl”, Plumpsklo mit Strohkasten im Waldgrundstück und Wasser aus der 5 min Fußweg entfernten Quelle. Ich war oft mit dort, solange Opa lebte (er starb am 18. November 1972 im Wartebereich eines Krankenhauses an einem Herzinfarkt).

“Kumm Gung, mr ginne in de Schwamme.” (Komm Junge, wir gehen in die Pilze.) Und er bestand darauf, daß die Pilze nicht gesucht, sondern nur abgeschnitten werden. Gleich nach dem Frühstück, für das ich den Bohnenkaffee in der Handkaffemühle mahlen durfte, drängte er zum Aufbruch. Und dann nahm er einen Korb und ein Messer, und ich bekam einen Korb und ein Messer. Raus in den Wald.

Kaum zu glauben, aber noch heute weiß ich die Stellen, an denen ich als Fünfjähriger unter seiner Anleitung “Schwamme waaggschneidn” (Pilze wegschneiden) durfte. Perlpilze, Maronen, Butterpilze, Ziegenlippen, Trompeterle, Stockschwämmchen (die mit dem graubraunen Futter!), Essenkehrer, Birkenpilze, Steinpilze, einige Täublinge und Ziegenbart (ein Korallenröhrling) … Und irgendwann auch Hallimasch.

Im heute beginnenden Herbst nehme ich mir sehr fest vor, “in de Schwamme ze gieh” (in die Pilze zu gehen). Und dabei werde ich ihn mir vorstellen, meinen Großvater oder Großvaters Geist, wie er mir in dem “gebrüllten Flüstern” zuruft: “Saah när emol hie, genau für Deine Fieß!” (Sieh nur einmal hin, genau vor Deinen Füßen!)

Und dann schau ich nach unten und sehe so ein Grüppchen der herrlichsten Grauen Wulstlinge und bücke mich und schneide ab und mein Spankorb ist mit einem Mal halbvoll.

Und am Abend dann zieht der Duft gebratener Pilze durch meine Wohnung …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 31. August 2013 waren ein wunderbares Telefonat und ein leckeres frisch geräuchertes Forellchen zum Abend.

© 2013 – Der Emil. Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Großvaters Geist (Nº 244)

  1. Gudrun sagt:

    Hach, lieber Emil, das hab ich jetzt gern gelesen. Einmal kommen Kindheitserinnerungen geschlichen, die durchaus angenehm sind und zum Zweiten sehe ich ein meine Heimat. Gleich ein Stückchen hinter meinem Altenburg bist du wahrscheinlich mit deinem Opa durch den Wald gestreift.
    Ach ja, ich lese gerade ein von meiner Tochter, der Germanistikstudentin, geborgtes Buch. Da geht es um die Bedeutung von Mundarten und wie sie entstanden. Hochinteresssant ist das.
    Dass du mich allerdings an den meteorologischen Herbst erinnern musstest!

  2. Frau Momo sagt:

    Das würde ich mich nicht trauen… schlicht zu wenig Ahnung, aber es erinnert mich an einen Finnland-Urlaub, wo wir Unmengen Pilze gesammelt haben. Wir hatten allerdings auch eine kundige Freundin dabei, die doch den ein oder anderen Giftpilz aus den Körben geholt hat.

    • Der Emil sagt:

      Ich nehm ja nur, was ich ganz sicher als eßbar kenne. Alles andere bleibt stehen.

      Heute war ich mal kurz hinterm Haus nachsehen – da ist nichts abzuschneiden gewesen.

  3. Gabi sagt:

    Das sind schöne Erinnerungen. Ich hatte leider niemanden, der mit mir „Schwammerl“ – so wie wir sagen – sammeln ging. Dadurch kenne ich mich damit nicht aus und sammle auch heute nicht. Ist mir zu unsicher. Aber ich bewundere sie gerne. 🙂
    LG Gabi

  4. Pingback: Herbstevent Pilze sammeln (❦ 298) | Germanys next Kabinettsküche

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