Zukunftssichere Technologie (Nº 242)

Auch am PC aufs falsche Pferd gesetzt

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Beim Datenausgraben – ich bin dabei, uralte Datensicherungen nach noch Brauchbarem oder gar Wichtigem zu durchsuchen – stieß ich in den vergangenen Tagen auf ein Problem, mit dem ich zwischen 2003 und 2006 überhaupt nicht rechnete.

Einer meiner Grundsätze war und ist, für das Speichern von Daten gut dokumentierte, gut unterstützte und nach allgemeiner Ansicht langfristig verfügbare Dateiformate zu nutzen. Texte speichere ich in einem offenen Dokumentenformat und zusätzlich als PDF, Tabellen ebenso, Bilder als TIFF und im Ursprungsformat, Daten für Datenbanken in einem Format, das per SQL bearbeitet werden kann, Musik u. ä. als OGG-Vorbis. Ja, manchmal ist das ein wenig umständlich, aber bisher konnte ich immer alles lesen – egal, unter welchem Betriebssystem erstellt und unter welchem gelesen werden soll.

Nun fielen mir CDs in meine Hände, die voller Bilder waren. Neugierig, wie ich bin, versuchte ich, mir diese Bilder anzusehen. Sollte klappen, habe ja alle (na gut, beinahe alle) Daten auf CDs mit TIF-Dateien. Zusätzlich habe ich jedesmal eine Scheibe mit derselben Beschriftung und dem Zusatz «SICH», also eine sogenannte Sicherheitskopie. Das habe ich mit all meinen eingescannten Negativen so gemacht.

Tja. Alles wunderbar vorbereitet, nicht wahr? Nur ein Problem ergab sich in den letzten Tagen: Die CDs mit den TIF-Dateien waren alle nicht mehr lesbar. Toll. Na gut, kann nicht sehr schlimm sein, denn die anderen CDs ließen sich alle lesen. Aber mein jetziges Rechnerlein und ich, wir fanden kein Programm, welches das von mir verwendete Dateiformat unterstützt.Damals war es eines, dem eine große Zukunft beschieden wurde: Das LuraWave-Wavelet-Format, das dank besserer und verlustärmerer Kompression das JPEG-/JPG-Format ablösen sollte. Sollte. Denn das geschah nie. LWF ging sang- und klanglos unter.

Was ich auch versuchte – ob IrfanView in der neuesten Version oder XnViewMP oder wer auch immer versprach, diese LWF-Bilder öffnen zu können: Alle diese Programme versagten. Toll. Ich hatte alle Dateien zwar auf eine externe Festplatte kopieren können, aber ich konnte keines der Bilder ansehen. Soviel also zur neuesten, zukunftssicheren Technologie. Ähnlich war das doch mit der MiniDisc, nicht wahr?

Bis gestern.

Ich entdeckte andere CDs, auf denen ich weitere Datensicherung betrieben hatte. Von meinem ersten “großen Linux”, einem SUSE Linux 9.3 hatte ich auf vielen, vielen CDs vor dem Update auf die Version 10.1 im Herbst 2006 eine komplette Sicherung erstellt. Auf 26 teuren, angeblich langzeitsicheren CDs. Auf die hatte ich ja auch alle meine gescannten Bilder gebrannt. Mit nur geringer Hoffnung legte ich die erste der Scheiben ins Laufwerk. Und dann noch eine, und noch eine und noch eine: Alle waren lesbar! Auf der elften oder zwölften CD waren dann auch die unter Linux damals schon betriebenen Windows-Programme (mithilfe von Wine) zu finden.

Auch ein uraltes Irfanview Version 3.85 war dabei, das ich immer und überall als Bildbetrachter nutzte unter Windows. Noch heute ist diese Freeware ein beeindruckend flinkes Werkzeug, das in der Bedienung für mich wesentlich einfacher ist als XnView. Und in dieser alten Version mußte nur das Programmverzeichnis auf einen anderen Datenträger kopiert werden, um das Programm auch dort weiter nutzen zu können.

Jetzt habe ich mir das IrfanView-Programmverzeichnis auf meinen Rechner kopiert, kann meine alten Bilder ansehen. Und ich speichere sie auch gleich im anderen, universelleren Format TIF. Unkomprimiert, verlustfrei. Kompatibel bis dahinaus. Auf einer externen Festplatte. Bis ich mir später in diesem Jahr ein externes DVD-Brennerchen leisten kann, dann werden alle Daten zusätzlich nochmal auf DVD gespeichert.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 28. August 2013 waren ein wunderbares Treffen in zwei Teilen, ein sehr nettes und unerwartetes Kompliment, der Anblick meiner “alten” Bilder nach dem Fund der alten Software.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Zukunftssichere Technologie (Nº 242)

  1. Sofasophia sagt:

    wie wäre es mit keramikkacheln als speicher? die würden 100000 jahre überleben … 😉
    verrückte technologie. das irfanview muss ich mir echt mal ansehen oder gar laden …
    danke für den tipp!

    • Der Emil sagt:

      Die Kacheln sind doch beinahe größer und schwerer als mein Netbook – und ein Laufwerk dafür gibts auch nicht 😉

      Irfanview ist zwar für Windows, läuft unter Linux im WINE aber sehr stabil (angeblich auch im Win-Emulator von Mac).

  2. snoopylife sagt:

    Ja, das ist das Problem mit der schönen neuen (digitalen) Welt. Sie selbst altert nicht, aber die Wege dahin sind manchmal einfach … zugewachsen? Überwuchert? Unbegehbar? Irgendetwas in der Art…

  3. sbraun58 sagt:

    Langzeitdatensicherung ist schon eine Kunst. Datenträger haben eine begrenzte Lebensdauer, die Lesegeräte dafür verschwinden ebenfalls nach und nach. Deshalb ist eigentlich alle paar Jahre wieder ein Auffrischen der Sicherungen notwendig.

    Datenformate sind teils noch tückischer; diese Erfahrung hast du ja auch gerade (wahrscheinlich wieder einmal ;-)) gemacht. Hier kann es zumindest helfen, wenn man eine Spezifikation des Formats hat, mit dessen Hilfe sich dann wieder ein Konverter programmieren lässt – sofern man programmieren kann, oder jemanden kennt, der das kann; jedenfalls aufwendig und lästig.

    Hat man dann aber all seine Daten in lesbarer Form, will auch noch gefunden werden, was man sucht 😉 Also braucht man eine Art Register, am besten eine Datenbank. Damit erweitert sich das Problem um die Sicherung des Registers mit Schlagworten oder Volltext-/Bildsuche und vor allen Dingen dessen Konsistenz.

    Da stellte sich mir irgendwann die Frage: Was davon brauche ich eigentlich wirklich?

    Die Antwort war – erwartungsgemäß – nicht ganz so einfach 😉 Aber letztlich habe ich doch die Masse eindampfen können. Vermisst habe ich kaum mal was. Öfter war es aber so, dass ich etwas gesucht und gefunden habe, es dann aber nicht meinen Erwartungen entsprochen hat – die Erinnerung schönt halt manchmal doch 😉

    Die für mich wichtigen Dokumente und Bilder habe ich allerdings jetzt immer direkt zugänglich auf externen Festplatten. Dokumente stecken in einer Datenbank, bzw. werden dort referenziert, und können einfach und effektiv gesucht und gefunden werden. Bilder stecken in einer Bilddatenbank und sind auch gut auffindbar. Die externen Platten werden auf anderen Platten gesichert und regelmäßig ausgewechselt.

    Damit komme ich seit Jahren ganz gut über die Runden. Besser als mit meinem alten ‚Papierkram‘: da ging eine Menge verloren, vieles finde ich einfach auch nicht mehr.

    Es ist wohl ein generelles Problem: zu viel Zeug, das man mit sich herumschleppt. Das macht einfach Arbeit, egal wie.

    Danke für deinen Artikel, der offensichtlich etwas bei mir angestoßen hat 😉

    Liebe Grüße
    Stefan

  4. castagir sagt:

    Als Anregung: Zusammen mit großen Datenbeständen eine lauffähige Umgebung sichern.

    Denn das Problem ist nicht nur auf alte, unpopulär gewordene Bild-/Soundformate beschränkt – auch z.B. Programmsourcen von 1990 kann man mit keinem der heutigen Werkzeuge mehr öffnen und ggf. modifizieren. Jedoch die alten Werkzeuge nicht in aktuellen Umgebungen installieren (hier z.B.: 16bit).

    Ich verwende VMs (www.vmware.com), in denen komplette alte Betriebssysteme samt der darin installierten notwendigen Werkzeuge enthalten sind. So eine VM, z.B. ein NT 4.0 ungepatched, mitsamt den Compilern und Werkzeugen von 1990, hat 5-10 GB, was bzgl. Plattenplatz nicht weiter erwähnenswert ist.

    Und die gesamte Aufgabe reduziert sich dahingehend, eine Virtualisierungslösung zu haben die eben jene VM öffnen kann. Und externe Platten immer wieder mal zu überprüfen/umzukopieren.

    Ich habe dadurch in den letzten 20 Jahren genau eine inkompatible Umstellung erlebt (die jedoch mittels eines Konverters ins neue VM-Format zu überführen war). Was wesentlich leichter zu überwachen ist, als sämtliche historischen Dateiformate bei jedem Wechsel des Betriebssystems (und da gab es einige Wechsel in der Zeit) daraufhin abzuklopfen, ob man noch immer passende und lauffähige Werkzeuge für sie hat.

    Es gibt etliche weitere Virtualisierungslösungen und auch Hybride wie z.B. http://www.cameyo.com.

    • Der Emil sagt:

      (Wieso versteckst Du Deine Kommentare im Spam?)

      Unter Linux ist das alles viel einfacher, da hab ich auch meine Virtualisierung und die nötigen VMs, wenn ich sie brauche. Das jetzige Problem „Lurawave“ ist gelöst.

      PDF, TIFF, OGG und SQL war bisher in jedem System nutzbar, so wie ich es brauchte. Und für den Notfall reicht normalerweis ein knoppix 😉

      Und trotzdem: An die VMs denk ich viel zu selten, danke für den Tip!

  5. Gudrun sagt:

    Tiff-Dateien haben wir damals in der Druckerei verarbeitet und in der Mediengestalterausbildung habe ich mal den Aufbau einer solchen Datei mitgehabt. Ich glaube, in der Zwischenzeit sind die schon bei 6.0 aber das schon recht lange. Ich kann nicht mehr einschätzen, ob sich da noch Gewaltiges tut. Ich weiß auch nicht, ob die Druckereien noch auf Tiff angewiesen sind. Farbseparation geht inzwischen auch anders.
    Ich persönlich nutze es nicht mehr, da es mir zu speicherintensiv ist und eben auch manchmal Probleme bereitet. Kommt es mal ein bissel mehr darauf an, dann nutze ich das raw-Format. Aber das ist auch noch selten genug, weil ich nicht mehr alles aufhebe wie für die Ewigkeit.
    Der Rest kommt auf eine externe Festplatte, und die wird regelmäßig ausgemistet.

    Gruß von nebenan

    • Der Emil sagt:

      RAW kann nur eine meiner Kameras. TIFF ist noch immer besser als das Adobe-eigene PSD, weil es sehr gut dokumentiert ist und ich zur Not selbst einen Interpreter stricken kann (in C++ o.ä.) und weil es nicht verlustbehaftet komprimiert wie jpg.

  6. Gudrun sagt:

    Ach so: Würde dir der GraphicConverter von Thorsten Lemke helfen können beim Lesbarmachen alter Dateien? Damit haben wir es manchmal geschafft.

  7. Lieber Emil, ich habe noch einen externen Brenner. Den würde ich dir gerne schenken. Allerdings bin ich auch ein Mac user. Und der Brenner ist etwas älter. Und sollte man dafür Software brauchen, habe ich die leider auch nicht. Aber wenn du es probieren möchtest schicke ich ihn dir gerne zu. Liebe grüße deine Steff

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