Halbzeuge im Halbzeugwerk: Ganz lange her
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Ich erinnere mich noch gut daran, daß mir im Werkunterricht, in Geographie und dann auch im UTP (in ESP, TZ und PA) die Halbzeuge begegneten. Zwar bin ich mir sicher, daß damals auch U-, T- und Doppel-T-Profil dazugerechnet wurden, aber heute scheinen sie nicht mehr dazuzugehören.
In den Ferien und nach dem Abitur hatte ich selbst ganz praktisch mit den Bunden zu tun. Viele Schüler arbeiteten in der DDR (ab der neunten Klasse) in den Ferien, um sich etwas Geld zu verdienen. Auch ich war im VEB Halbzeugwerk Auerhammer im BHKF (Bergbau- und Hüttenkombinat “Albert Funk” Freiberg) oder zuvor im VEB ABS (Auer Besteck- und Silberwarenwerk, früher Hutschenreuther und Wellner) und immer wieder als Zusteller bei der Post in Aue.
Zurück zum Halbzeug(werk). Dort war ich 1980 in der Trafowickelei zugange und lernte nocheinmal, was ich bereits wußte: Reibung kann Elektrizität erzeugen. Zur Pause nämlich wurden die Maschinen angehalten. Meine wurde mit einem Transmissionsriemen angetrieben, den ich am zweiten Arbeitstag mit einem Schraubenschlüssel bremsen sollte, um die Maschine schneller zum Stillstand zu bringen. Und ich tat es und wunderte mich auch nicht, daß ich als Erster die Halle verlassen sollte. Ich griff zur Klinke der Stahltür …
Später, nach dem Abitur machte ich drei Schichten in der Qualitätskontrolle. Bandkontrolle hieß die Abteilung, in der tombakplattiertes Blech (ja, auch Munitionsblech, ja) auf Sauberkeit und Fehlerfreiheit der Plattierung sichtkontrolliert wurde. Ein Bund Blech (etwa 12 cm breit, 1,5mm bis 2,5 mm stark, 40 kg bis manchmal auch 100 kg schwer) wurde auf eine Spule gehoben. Dazu sollte ein Kran benutzt werden; aber der war zu langsam und so hob ich in meinem jugendlichen Leichtsinn die Rollen oft mit der Hand von der Palette auf die Spule. Dann wurde die Spule gekippt und das Blechband wie in einem Spulentonband in die Maschine gefädelt.
Und dann spulte ich das Blech um. Sah mir die plattierte Oberfläche an. Grobe Fehler wurden herausgeschnitten. natürlich wurden die Fehler vermerkt, ich glaube sogar farblich gekennzeichnet. Und die Bunde wurden nach der Kontrolle gewogen. Auch der Gewichtsverlust sagte etwas über die Fehlerquote aus. Und dieses Gesamtgewicht war auch die Leistung, die erreicht werden mußte (den genauen Wert weiß ich wirklich nicht mehr) und erreicht wurde. Mein Rekord lag dabei in einer Schicht von acht Stunden bei etwa 4,5 t (viertausendfünfhundert Kilogramm). Natürlich war das zuviel und brachte auch Mecker vom Meister ein.
Im Schnitt schaffte ein Mann (es gab auch Frauen dort) etwa 2 t pro Schicht, wenn der Kran zum Heben benutzt wurde. Ohne Kran ging der Bundwechsel viel schneller – aber das war natürlich aus Gründen des Arbeitsschutzes verboten. Ich durfte mich eben nicht dabei erwischen lassen. Wenn ich mich recht erinnere, dann durften aus jedem Bund maximal 20 % herausgeschnitten werden – bei höheren Quoten war der ganze Bund Ausschuß.
Nachdem das gesamte Band durchgelaufen war, wurde die Spule gekippt, das Band mit Rödeldraht dreimal zusammengebunden und auf die Waage gehoben (Vorschrift: mit Kran; tatsächlich aber von Hand, ging schneller). Und danach eben auf die Paletten “Gut” oder “Ausschuß” gestapelt. Mit Hubwagen wurden auch die Paletten von mir selbst abgeholt und weggebracht, mit dem Fahrstuhl aus dem Erdgeschoß geholt und wieder dahin zurückgebracht.
Die Versorgung war übrigens recht gut: Es gab fast immer kostenlos Mineralwasser. Auch zur Nachtschicht gab es ein warmes “Mittag”essen und kostelos Milch dazu. Der Betriebsarzt und eine kleine Betriebsverkaufsstelle mit Frühstücksangebot waren in einem Gebäude gleich nebenan. Und von den Frauen in der Brigade habe ich sehr oft mit hochroten Ohren Dinge gelernt …
In den vier Monaten zwischen Abi (Ende Juni) und NVA (2. November 1982) hab ich als Ungelernter mit allen Zuschlägen (v.a. Nachtschichtzuschlag) richtig gut Geld verdient – um neunhundert Mark. Geschadet haben mir weder der Stromschlag 1980 noch die Lastenheberei 1982. Schade ist nur, daß ich schon so viel vergessen habe.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 19. Juni 2013 war meine Faulheit.
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UTP … ja da werden Erinnerungen wach. Wir waren in der Filmfabrik Wolfen erst in der Fahrradwerkstatt und dann in der Schlosserei. In beiden Stationen habe ich echt was fürs Leben gelernt.
Während des Studiums in Halle an der Saale haben wir gerade um Ostern und Weihnachten herum im Paketverteilzentrum der Post am Bahnhof gearbeitet. Nachtschichten. Eine echte Schufterei.
ich verstehe fast nur bahnhof. 🙂
schön aber, dass du daran so schöne erinnerungen hast!
Das sind aber interessante Sachen, die Du da erzählst. Danke für den Einblick.
LG Gabi
Ich bin beeindruckt, Emil. An die Art von Details kann ich mich überhaupt mehr erinnern. Ich hab mich aber mal bei einem meiner Mathelehrer, der mir überraschenderweise für eine Arbeit eine gute Note gab, im Zustand meiner Begeisterung, aber nicht zu seiner, mit einem lustigen Kosenammen herzlich bedankt. Tzzz, kann ich mir heut gar nicht mehr vorstellen. ^^