Oma weiß es besser (Nº 050)

Nicht für Vegetarier geeignet

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Wenn man, wie ich, in das gewisse Alter kommt und die meisten Bekannten der eigenen Generation einschließlich der eigenen Person Großeltern sind, dann kann es vorkommen, daß man wie ich aus verschiedenen Gründen besondere Bücher zu lesen beginnt. Ich tu das wegen meiner Radiosendung, in der ich irgendwann auch sogenannte “Ratgeber-Literatur” vorlesen möchte. Auf diesem Weg geriet ich an das Buch “Oma weiß es besser” mit Tips und Tricks aus Großmutters Haushalt.

 

Wer lebt, hinterläßt Spuren, und zwar nicht nur die philosophischen, über die es lohnt nachzudenken, sondern – auf einer etwas prosaischeren Ebene – im wesentlichen in Form von schmutzigen Tellern und Staubflocken in den Ecken. Während der letzten Jahrzehnte hat der »moderne« Mensch zwecks immer schnellerer Erledigung des Lästigen noch ausgefeiltere mechanische Instrumente und chemische Wundermittel erfunden und angewendet, die nicht nur die bekannten ökologischen Resultate erzielt, sondern auch den Haushalt zu einem kapitalintensiven Kleinbetrieb gemacht haben.

Eveline Kalckhoven-Smit: Oma weiß es besser. S. 9 (Oma weet het better)
Dt. Ausgabe zusammengstellt v. A. Mantscheff. ISBN 3-7701-3708-6
© der deutschen Ausgabe DuMont Buchverlag, Köln 1996.

 

Das findet sich im Vorwort des Paperbacks. Und dann geht es Kapitel für Kapitel durch alte, beinahe vergessene Hilfsmittel und Hinweise, die meine Großmutter tatsächlich noch kannte. Großväter hatten damals im Haushalt nur wenig zu sagen und wußten von den im Buch aufgeführten Tips wenig bis nichts.

Nun geht es in diesem Buch nicht nur um Putz- und Flicktricks, um Reparaturanleitungen oder Arbeitserleichterungen, um Kniffe und Ratschläge zu fast jeder Lebenslage. Ob Schwangerschaft oder Abwasch, ob Schulsachen oder Lebensmitteleinkauf, ob Gesundheit oder Körperpflege: Irgendetwas gibt es immer.

Und weil gerade wieder ein Fleischskandal durchs Land schwappt, habe ich mir einen Tip aus dem Bereich Küche herausgesucht. Ganz im Gegensatz zu den heutigen Konsumenten wußten die Hausfrauen früher noch, daß Qualität heranreifen muß und daß das Frischeste nicht immer das Beste ist.

 

Achten Sie beim Kauf von Fleisch darauf, daß es gut abgehangen ist. Nur so können sie sichergehen, daß der Braten richtig zart wird.

Haben Sie sich dennoch ein zähes Stück Fleisch eingehandelt, schneiden Sie es nach dem Braten in Scheiben und legen es für einige Stunden in eine Beize aus kalter Bouillon und Essig. Wieder aufgewärmt, erhält das nunmehr zarte Fleisch einen exquisiten Geschmack.

ebd., S. 206

 

Und das gilt für jedes Fleisch, für Wild ebenso wie fü Rind oder Schwein. Selbst das Fleisch, aus dem ein echter Rheinischer Sauerbraten gemacht wird, ist erst gut abgehangen ein wirklicher Genuß. Zu meiner Studentenzeit (1985 bis 1988, ich durfte leider nicht zuende studieren) war die Einkehr bei einem weitbekannten Schlachter mit Imbiß auf eine wirklich presiwerte Portion Pferderoulade (2,30 MDN?) die Alternative zum eher bescheidenen Mensa-Essen.

Ganz frisches, rosa glänzendes, beinahe weißes …fleisch? Das kann keine eigenen Geschmack haben … Wenn ich es esse, dann muß es gut sein. Und richtig gut ist es erst, wenn es gut abgehangen ist. (Allerdings ist es dann heutzutage auch richtig teuer.)

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 18. Februar 2013 war ein tolles, viel zu kurzes Schwätzchen mit der allerallerallerbesten Freundin.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Oma weiß es besser (Nº 050)

  1. Sofasophia sagt:

    für mich vegi ist das doch nur ein weiteres plädoyer, keine tiere zu essen! 🙂

    aber im ernst: toll, dass es so bücher gibt. und deins scheint eins der richtig guten zu sein.

    was wohl unsere generation der nächst en und übernächsten an tipps, tricks und vor allem an weisheiten hinterlassen wird?

    einen schönen tag wünsch ich dir!
    herzlich, soso

  2. Brigitte sagt:

    Immer wieder Dienstag diese Roulade oder Beafsteak für 1,50 MDN, superlecker, superviel, babbesatt. Wir haben dort oft abgehangen :-).
    Tschüssi Brigitte

  3. Himmelhoch sagt:

    Du schreibst: „Zu meiner Studentenzeit (1985 bis 1988, ich durfte leider nicht zuende studieren) …“ – Hast du dich (auch – wie ich) politisch schlecht benommen?

    • Der Emil sagt:

      Ich bin als FDJ-GO-Sekretär für Agit/Prop Silvester 1987 aus der SED ausgetreten …

      • Himmelhoch sagt:

        Ich wäre in diesem Staat nie in die SED eingetreten und in irgendwelchen FDJ-Funktionen tätig gewesen. Agit/Prop ist ja schon ein ziemlich heißes Eisen, so dass du doch vorher sehr vertrauenswürdig gewesen sein musst.

        • Der Emil sagt:

          Es war aber auch was, was niemand gern machen wollte. Und ich dachte damals noch, daß ich selbst was tun kann … was verändern kann. Als auch in dann merkte, daß das nichts wird, habe ich die Konsequenz gezogen

          • Himmelhoch sagt:

            das war zu damaliger Zeit sehr mutig, da du dir ja damit eine ganze Menge verbaut und versaut hast. – Ich kann ja da ganze Arien singen über verbaute Perspektiven, katholisch, ohne Jugendweihe, ohne Partei, rausgeflogen aus der FDJ, aufmüpfig usw. usf.

      • nextkabinett sagt:

        Oh! Eine neue biografische Information. Spannend. Magst Du diesen heutigen Beitrag auch in der Kabinettsküche posten? Ich freue mich über mehr externe Beiträge. Hocke gerade über dem Thema ‚Pferdefleisch‘ …

        PS.: Die WordPress-Like-Funktion funktioniert bei mir gerade nicht. Hast Du eine Idee, woran das haken könnte?

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