Die Geschenke-Lüge (Nº 048)

Weil ich mal wieder Privatfernsehen mit Werbung sah

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Wer hat noch nie einen dieser Werbesprüche gehört: “Und dazu schenken wir Ihnen brabbelsülz!”

Aha. Ich bekomme etwas geschenkt, wenn … wenn ich etwas kaufe! Früher wurde diese Art von “Geschenk” als Draufgabe (wenn ich zusätzlich zum Bezahlten etwas erhalte, das nicht mit bezahlt werden muß und das auch von ganz anderer Art als die gekaufte Ware oder Leistung sein kann) oder als Dreingabe (wenn ich die von mir bestellte Ware oder Leistung erhalte, aber nur einen Teil davon bezahlen muß und ein Teil der Leistung oder Ware mir eben nicht berechnet wird) bezeichnet.

Für beide …–Gaben gibt es sogar die gemeinsame Bezeichnung Naturalrabatt.

Na gut, manchmal darf ich das “Geschenk” sogar behalten, wenn ich die bestellte Ware zurückgebe – dann ist es wohl wirklich ein Geschenk, ein Werbegeschenk. (Und ich frage mich gerade, ob Werbegeschenke wirklich Geschenke sind, oder ob sie nicht eher zur nächsten Kategorie der “Geschenke” gehören.)

Mir stößt auch immer auf, wenn ich Geschenke nur bekommen kann, nachdem ich “Wohlverhalten” und/oder Leistung gezeigt habe. Als Kind gab es Geschenke, wenn das Zeugnis gut war, wenn ich dies oder jenes getan oder unterlassen hatte. Waren oder sind das wirklich Geschenke? Ist das nicht eher Belohnung, Bezahlung? Wurde ich, wurde mein Verhalten, meine Leistung mit solchen Geschenken nicht eher erkauft? Sind Werbegeschenke dann nicht auch nur Reaktionen oder Anreize für meine Aufmerksamkeit und meinen Aufwand der Bestellung und Prüfung und Rücksendung?

Geschenke …

Was und wie ist das, wenn ich etwas verschenke?

 

Auf welche Gedanken mich die Werbung so bringt …

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 16. Februar 2013 waren die ausgelebte Faulheit und ein leckerer, sehr leckerer Linseneintopf.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Die Geschenke-Lüge (Nº 048)

  1. Wenn Du etwas verschenkst, liegt es an Dir, welche Motivation Du damit verbindest. Geschenk, Belohnung, Kaufpreis …

    Die „Entlohnung“ nach einem guten Zeugnis etc. sehe ich auch eher als Belohnung denn als Geschenk. Aber auch das – egal wie es heißt – soll ja die Motivation steigern. Jedenfalls normalerweise.

    Von sog. „Geschenken“ in der Werbung lasse ich mich nicht blenden. Wenn sie ihre Wahren wie „Sauer Bier“ anbieten müssen, dann kann (muss nicht) das durchaus bedenklich sein. Einfach nur nett meint es heutzutage sicher kein Werbetreibender mehr. Wenn, dann steckt irgendwas dahinter. Und da kriege ich die Kurve zum Geschenk nicht. Denn ein Geschenk ist üblicherweise von keiner Gegenleistung abhängig.

  2. Für gute Zeugnisse waren es immer Belohnungen. Geschenke mache ich meist ohne Grund, also nicht nur zum Geburtstag oder anderen Geschenkefeiertagen.
    Und wenn die Werbung mir sagt, das sie mir etwas schenken will, dann muss ich ja zuerst denen mein Geld geben. Dann ist es kein richtiges Geschenk.

    • Der Emil sagt:

      Ich war nur baß erstaunt darüber, wie häufig diese Wendung in den Werbespots genutzt wurde … (Ah, „baß“ – ist mir so reingerutscht, diese alte Steigerungsform von „gut“ oder „wohl“, das alte Synonym für „tief“. Mußte ich gleich nochmal nachschauen, ob’s richtig war.)

  3. Sofasophia sagt:

    wir hatten auch linseneintopf/-suppe. mjam. als geschenk. von der (schwieger)mama.
    geschenke haben für mich nur zwei attribute: „einfach so (ohne gegenerwartung)“ und „jemandem eine freude machen“.
    beides tun solche werbegeschenke nicht, sind somit also klar kaufanreize oder belohnungen.
    eine pervertierung des wortes „geschenk“.

    einen schönen sonntag und
    liebe grüße, soso

  4. Der Emil sagt:

    Ach wie schön das ist, meine Standpunkte von jemandem geteilt zu sehen! Einfach so eine Freude machen …

    Das ist das Schöne an einem Geschenk: Die ehrliche Freude des Beschenkten …

  5. Gabi sagt:

    Wie hier ja alle schreiben.Mit Geschenken will man ja jemanden eine Freude bereiten. Ganz ohne Gegenleistung. Nur einfach so. Weil man die Person eben mag.
    Und das machen diese Firman ja nicht. Ich glaub nicht, dass sie mich und Euch so lieb haben, dass sie uns was schenken wollen? Außerdem gibts diese angeblichen „Geschenke“ ja nur für eine Gegenleistung.
    Vielleicht ist es heute schon besser, aber ich weiß, wieviele früher auf diese Tricks reingefallen sind. Überhaupt ältere Leute. Und das ist einfach fies.
    lg Gabi

  6. Frau Blau sagt:

    Geschenke sind für mich da, um anderen eine Freude zu machen oder um ihnen zu zeiegen, dass sie mir eine Freude sind und die mache ich, wenn es gerade genauso ist. Alles andere ist Schmuh, Belohnung, Kaufanreiz und dergleichen mehr, das mehr Freude nimmt, als gibt –

  7. Anne-Marie Peters-Tipton sagt:

    Uiiih, da kann ich mich nur all den anderen menschen anschliessen. Was hatten wir „linken“ in Heidelberg ans Kaufhaus gehaengt? Ah ja die „Ware“Freude, und so kurzlebig. ich verschenke Geschenke weil es mir & hoffentlich der/m Beschenkten Freude macht,eben aus Freundschaft,Liebe nichts Hintergedanken.

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