Begegnung (Nº 030)

Alleine bin ich nicht

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Am Montag stieg ich am Franckeplatz aus der Straßenbahn, drehte mir eine Zigarette – und während ich rauchte, schrieb ich ein Textchen in meiner Kladde zuende.

Dabei fiel mir ein großer blonder, bärtiger, bebrillter Mann (in den 40ern?) mit Zopf auf. Der stand da, wanderte hin und her, schaute stehenbleibend immer wieder gedankenverloren in die Luft. In der linken Hand hatte auch er – zu meiner erfreulichen Verwunderung – eine kleine bunte Kladde. Manchmal trug er etwas ein mit seinem Bleistiftstummel, auf dem er kaute, während er nachdachte. Entweder waren es kurze Worte in winziger Schrift, oder er fügte einer Skizze oder Zeichnung nur wenige kleine Striche hinzu.

Als er dann bemerkte, daß ich auch mit Kladde und Stift zugange war, lächelten wir uns kurz an. Kurz darauf verschwand er in seinem Bus und ich ging über die Straße ins Elisabeth-Krankenhaus.

Und wiedereinmal hatte ich mich nicht getraut, den ersten Schritt zu machen, ihn anzusprechen. Vielleicht bei der nächsten Begegnung …

 

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 29. Januar 2013 war meine erste glücklich und fehlerfrei überstandene Schicht als Sendetechniker für ein UKW-Radio.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Begegnung (Nº 030)

  1. Das sind Situationen, an die auch ich jahrelang zurückdenke. Und immer wieder frage ich mich, warum ich nichts gesagt habe. Hier zum Beispiel:

    http://skriptum.wordpress.com/2010/12/21/hallo-schon-dich-zu-sehen-setz-dich/

    Ja, beim nächsten Mal. Ganz sicher!

  2. Frau Momo sagt:

    Der andere hat es ja auch nicht getan…… Du bist also nicht alleine 🙂

  3. irgendlink sagt:

    Und irgenwo in einem anderen Blog in vielleicht gar nicht weit entfernten Blogkreisen eine Geschichte über einen kladdekritzelnden, zigarettedrehenden Mann am Franckplatz. Nur Google kennt die zusammenhänge.

    „Ich bin der Mann vom Franckplatz“ 🙂

  4. Inch sagt:

    Oh, das kenne ich auch. All diese verpassten Gelegenheiten! Andererseits: Vielleicht ist das der Zauber an diesen „verpassten“ Gelegenheiten, dass sie unserer Phantasie freien Lauf lassen?

  5. Sofasophia sagt:

    manchmal entzaubern worte eine solche szene, die ja schon irgendwie magisch daher kommt …
    daumendrück für krankenhaus und so!

  6. Gabi sagt:

    Ich hätte mich vermutlich auch nicht getraut und nachher hätte es mir leid getan.
    Du hattest ja schon mal solch eine Begegnung. War es der selbe Mann?
    lg Gabi

  7. Frau Blau sagt:

    es hat doch etwas beruhigendes, wenn man plötzlich entdeckt doch nicht der letzte mohikaner zu sein 😉 – aber ob man dann deswegen unweigerlich den anderen ansprechen sollte … ? m … es kann spannend sein, es kann aber genaus so gut gerade nicht erwünscht sein und deswegen wohl trauen wir uns nicht immer alles, was ich auch gut so finde. damit signalisieren wir auch eine wahrung von persönlichen grenzen …
    allerdings, wenn er dir ein zweites mal begegnet, bzw. mir, dann würde ich ihn schon ansprechen, aber das ist eben meins …
    liebe abendgrüße
    ulli

  8. wildganss sagt:

    Was hättest Du gesagt?
    Habe zwei untereinander sich fremde Frauen an der Fußgängerampel vor mir gehabt, die eine meinte etwas über den starken Wind, die andere pflichtete ihr bei und sie redeten munter weiter, irgendwas…die eine sagte kurz vorm Ampelgrünwerden, sie mache gerne mal ein Schwätzchen und wie schön das wäre…
    Ich lerne das auch noch, meine Mutter konnte das gut, meine Schwester auch- bei mir scheint oft der Mund gestopft…

  9. Anna-Lena sagt:

    Sagt man nicht: Man trifft sich im Leben immer zwei Mal?
    Beim nächsten Mal sprichst du ihn an,ja?

  10. gejuta sagt:

    Lieber Emil.

    herzlichen Dank für Deinen Beitrag. Nicht immer habe ich die Zeit zu reagieren, aber diesmal musste ich es einfach. Ich werde ihn rebloggen, damit ihn auch andere zur Kenntnis nehmen können. Liebe Grüße aus dem Taunus – Gerd

  11. Also ich hab da keine Hemmungen! Stubs ihn einfach das nächste Mal!

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