Arbeitsstile (Nº 010)

Wenn die Technik sich ändert, wandeln sie sich auch

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Noch immer arbeite ich mit einem Notsystem.

Irgendwann habe ich schoneinmal darüber geschrieben, wie abhängig ich von dieser Technik bin. Und wie gerne ich auf manche Technik verzichten würde.

Irgendwo schrieb ich und schreibe ich immer wieder, daß (fast muß ich neuerdings sagen) alle meine Texte mit einem Stift auf Papier geschaffen werden. Bei den letzten drei war es anders. Auch dieser hier entsteht – als vierter – an der Tastatur.

Es ist ein anderes Arbeiten direkt am PC. Ich lasse mich viel zu leicht ablenken, schaue öfter auf die anderen Programme. Versinke während der Kreation immer wieder in der Rezeption. Will nebenbei noch schnell den einen oder anderen Text lesen. Manchmal glaube ich sogar, nebenher noch die eine oder andere Aufgabe erledigen zu können, während ich meinen Text versuche an der Tastatur zu verfassen. Wenn ich mich dabei ertappe, habe ich mir gegenüber, meinem Text gegenüber ein richtig schlechtes Gewissen.

Beim Schreiben in die Kladde stören mich nicht die ein- und aussteigenden Leute, nicht die gröhlenden Fußball- oder Eishockeyfans. Manchmal lausche ich mit einem Ohr den 13jährigen Hupfdohlen, die sich über Dinge unterhalten, von denen 13jährige noch nichts wissen sollten. Aber das alles lenkt mich nicht ab, wenn ich mit meiner Kladde unterwegs bin.

Ich kann mich mit der einen Hand am Papier, mit der anderen Hand am Stift festhalten. Meine Augen folgen meiner Schrift, sehen in einer Art Tunnelblick nur meine Schrift und nichts rundherum. Außerdem empfinde ich meine Papiertexte als monolithischere, stringentere, konsequentere Entäußerungen im Vergleich zu den Bytewerken.

Doch eines fällt mir seit Jahresbeginn auf: Ich bin mit meiner altmodischen Handschriftelei – wenn ich meinen Beobachtungen trauen darf, die vermehrt auf Papier notierende Menschen zeigen – en vogue.

Jedenfalls in den Halleschen Straßenbahnen.

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 9. Januar 2013 waren die Zuzahlungsfreiheit für die Schmerzmittel, das schnelle Röntgen (auf dessen Ergebnis ich jetzt eine Woche warten muß), ein Treffen am Mittag und ein Besuch am Nachmittag.

© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Arbeitsstile (Nº 010)

  1. irgendlink sagt:

    Handschrift wollte ich auch machen vor ein paar Tagen. Gescheitert. Oder nee. Tippen tue ich ja auch nicht.

  2. Follygirl sagt:

    —handschriftlich… das ist bei mir so eine Sache…ich kanns nicht lesen!
    Ehrlich, ich krakel so das ich es selber nicht lesen kann. Manchmal erkenne ich einen Schnörkel und kann mich dann an das Geschriebene wieder erinnern… für mich ist die Tastatur die Rettung gewesen. So viele Zettel, Texte, Rezepte waren unleserlich…wer weiß was für geniale Ideen da verloren gegangen sind.
    LG, Petra

  3. gejuta sagt:

    Lieber Emil,
    danke für Deine Impulse. Ich mache bei mir selbst und anderen ähnliche Erfahrungen wie Du. Meine Texte schreibe ich neuerdings zum Teil handschriftlich vor. Ich weigere mich, vielleicht bin ich da etwas altmodisch, alle moderne Techniken komplett mitzumachen. Es ist gut dass es PC und Internet gibt, aber die alten Kulturtechniken sollte man nicht vergessen. Das wäre auch mal etwas für unsere Blogs, dieses Thema aufzugreifen.

    Liebe Grüße Gerd

  4. Frau Momo sagt:

    Meine Handschrift war noch nie schön, aber seit ich fast nur noch am PC schreibe, ist sie noch unleserlicher geworden.

  5. Elvira sagt:

    Ich habe für unterwegs immer ein Notizbuch mitgeführt. Irgendwann bemerkte ich, dass seit ewigen Zeiten nichts mehr eingetragen wurde. Früher habe ich viel geschrieben, schöne Texte, auch Gedichte, aber sobald es möglich war, immer mithilfe irgendwelcher Tastaturen. Erts die altmodische Schreibmaschien, dann eine elektrische, schließlich gleich in die EDV. Seit ein paar Wochen besitze ich die Möglichkeit, kurze Notizen in ein portables, auch zum Telefonieren benutzbares Ei zu schreiben. Aber das nutze ich auch nicht. Gedanken fließen erst zu Hause, unabgelenkt von allen äußeren Einflüssen (außer von einem Nasenstubser meines Hundes ab und an) , direkt aus dem Kopf in die Finger auf die Tasten. Meine Handschrift ist einfach nur furchtbar!

  6. Sofasophia sagt:

    das mit der fast unleserlichen handschrift ist bei mir leider auch so. doof ist, dass ich selbst aie hinterher auch oft micht lesen kann. so viel zum abschreiben. oft schreibe ich ins iphonenotizbuch, da lass ich mich ebenso wenig wie von hand ablenken, aber am rechner gehts mir wie dir. ausser wenn ich mail und netz ausmache. nur: dafür fehlt mir meistens die disziplin.

    bist du krankgeschrieben? wann startet das praktikum beim radio?

    hoffe auf gute röntgenergebnisse!

    lg soso

  7. Gabi sagt:

    Mir geht es wie den meisten hier. Meine Handschrift ist schrecklich geworden, sodass ich sie immer öfter selber nicht mehr entziffern kann. Es geht einfach nicht mehr so flüssig „von der Hand“, weil schon sehr entwöhnt. Dabei habe ich früher sehr gern und sehr viel geschrieben.

    Mit der Konzentration hab ich leider auch meine Probleme. Bei mir dauert jegliche Schreiberei immer so lange, weil ich mich ebenfalls dauernd von irgendwas ablenken lasse.

    lg Gabi

  8. Amelie sagt:

    Mir ging es wie Frau Momo. Eine unschöne Handschrift wurde durch stetigen Nichtgebrauch nicht unbedingt besser. Was habe ich denn überhaupt noch handschriftlich erledigt? Die Kassenbelege bei der Verwendung von Plastegeld, die gegengezeichnet werden müssen …
    Ich habe mir in 2012 einen Füllfederhalter zugelegt, denn mit Füller ist es schon mal ein ganz anderes Schreibgefühl. Das hat geholfen.

  9. Karl sagt:

    Ich schreibe zwar erheblich weniger händisch als früher, aber mit ein wenig Achsamkeit ausgeführt kann ich und können andere meine Handschrift immer noch ganz gut lesen. Leider schreibe ich fast gar nicht mehr mit dem Füllfederhalter, obwohl das doch eine so andere, besondere Qualität hat und ich einige besitze.

    Obwohl es beim Schreiben mit der Hand auch schon nachgelassen hat, ist Handgeschriebenes bei mir doch meistens noch fehlerfreier als Getipptes. Die Korrekturmöglichkeiten machen nachlässig, so nachlässig, dass man auch die am Ende oft nicht mehr nutzt. Sehr schade. Dabei hatte ich doch mit viel Übung und Mühe die Legasthenie größtenteils überwunden.

    Nun nehme ich mir, wieder einmal, vor, mehr mit der Hand und mit dem Füller zu schreiben.

  10. Der Emil sagt:

    Das Schreiben mit der Hand … Den Kindern in der Schule wird keine Schreibschrift mehr beigebracht. Nur noch wenige Menschen können Deutsche Handschrift (Kurrent oder Sütterlin) lesen. Briefe sind immer öfter nur Rechnungen, Werbung, Mahnungen, Bescheide – manchmal von Menschen verfaßt, oft aber erstellt von Maschinen. Ger hat Recht – da geht eine Kulturtechnik verloren.

    Wenn ich in andere Kulturkreise sehe, in denen das Schreiben mit der Hand sogar eine Kunstform ist (China, Japan, Arabien), dann bedaure ich den Niedergang der Handschrift hier.

    Vielleicht ist meine Handschriftelei ein Protest dagegen? Nein, es ist mein Versuch, etwas Erhaltenswertes zu erhalten und weiterzugeben. Und je mehr ich schreibe, desto klarer und deutlicher wird heute meine Schrift (zu Studentenzeiten war das anders: da wurde sie effizienter und näherte sich einer Art Stenographie an).

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