Seine Lieder gehören zur Erzgebirgsweihnacht.
“Bleib’n mr noch a weng do”
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Im Erzgebirge gibt es den Brauch des “Hutzns”, des Zusammensitzens der Leute während der Advents- und Winterzeit reihum in den Stuben der Nachbarn. Da wurde geklöppelt, geschnitzt, erzählt und gesungen. Und bei schlechtem Wetter fiel das Heimgehen oft schwer.
Eines seiner Winter- oder Weihnachtslieder sang der erzgebirgische Volksdichter und -sänger Anton Günther, genannt “Tholer Hans Tonl” 1929 selbst zu Laute.
Bleib’n mr noch a weng do
Anton Günther (∗1876 – † 1937), 1901 geschrieben
Diese Werk ist gemeinfrei, weil seine urheberrechtliche Schutzfrist abgelaufen ist. Dies gilt für die Europäische Union, Australien und alle weiteren Staaten mit einer gesetzlichen Schutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers.
- Nu saht naus wie’s wattern tut,
saht naus wie’s schneit,
heit känn‘ mr net ham gieh
denn dr Wach is za weit,
heit känn‘ mr net ham gieh,
denn dr Wach is‘ za weit.
Chorus: E nu sa ja, e nu sa ja,
drem bleibn mr noch a weng do,
e nu sa ja, e nu sa ja,
drem bleib’n mr noch a weng do.
- Ja heit be dan Watter
Do känn‘ mr net ham gieh,
|:Mr kännt’n sich verlafn
On wisst’n net wuhie. :|
Chorus: E nu sa ja, u. s. w.
- Wos wolln mr denn mach’n,
Wos wolln mr denn treib’n,
|:Be dan Watter iss en best’n,
Wenn mr do sitz’n bleib’n. :|
Chorus: E nu sa ja, u. s. w.
- Da Ther is‘ verwattert.
Da Fanster sei gefrorn,
|:Owerhenna en dan Schtüwl
Iss gemüthlicher word’n. :|
Chorus: E nu sa ja, u. s. w.
- Heit schlüsst mr kan Hund naus
Heit müsst mr drfrern,
|:Drem tut när racht flässich
En Ufn nei schern. :|
Chorus: E nu sa ja, u. s. w.
- Schenkt när noch a Halwa
A Halwa schenkt ei,
|:Mer bleib’n heit noch lustig
War wass wu mr morgn sei:|
Chorus: E nu sa ja, u. s. w.
Quelle: Anton Günther: Bleib’n mr noch a weng do
- (Meine eigene “Übersetzung”)
- Nun seht hinaus, wie es wettert, / seht hinaus, wie es schneit, / heute können wir nicht heimgehen, / denn der Weg ist zu weit, / heute können wir nicht heimgehen, / denn der Weg ist zu weit.
Chorus: Ei nun, also ja, ei nun, also ja / darum bleiben wir noch ein wenig da, / ei nun, also ja, ei nun, also ja / darum bleiben wir noch ein wenig da.
- Ja heute bei diesem Wetter / da können wir nicht heimgehn, / |:wir könnten uns verlaufen / und wüßten nicht, wohin. :|
Chorus: Ei nun, also ja, ei nun, also ja u. s. w.
- Was wollen wir denn machen, / was wollen wir den treiben, / |:bei dem Wetter ist es am besten, / wenn wir da sitzenbleiben. :|
Chorus: Ei nun, also ja, ein nu, also ja u. s. w.
- Die Tür ist verwettert, / die Fenster sind gefroren, / |:Aber hier drinnen im Stüblein / ist es gemütlich geworden :|
Chorus: Ei nun, also ja, ei nun, also ja u. s. w.
- Heute schließt man keinen Hund hinaus, / heute müßte man erfrieren, / |:darum tut nur sehr fleißig / in den Ofen einschüren. :|
Chorus: Ei nun, also ja, ein nu, also ja u. s. w.
- Schenkt nur noch eine Halbe, / eine Halbe schenkt ein, / |:wir bleiben heute lustig, / wer weiß wo wir morgen sind. :|
Chorus: Ei nun, also ja, ein nu, also ja u. s. w.
Ganz so schlimm ist es mit dem Wetter hier in Halle (Saale) noch nicht, aber es ist schon kalt. So recht wüßte ich auch nicht, zu welchem der Nachbarn ich Hutzen gehen könnte. Deshalb nehme ich mir solche Erinnerungsstücken und meine Gitarre. Wenn ich das Lied selber singe, so klingt meine Sprache etwas anders als die vom Anton Günther. Aber Sprache entwickelt sich nun einmal.
Ich mache mir heute einen gemütlichen Vorweihnachtsabend.
Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Weihnachtszeit – in Liebe und Licht.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 11. Dezember 2012 war wunderbar funktionierende Arbeit im Radio auch an der Sendung “La voix du Burkina Faso”.
© 2012 – Der Emil. Mein eigener Text steht unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Bleib’n mr noch a weng do.
Ach ja, gemütlich hat man es sich gemacht, damals, egal, wie schwer das Leben war. Ich bin mir nicht sicher, aber das scheint uns einwenig abhanden gekommen zu sein. Meine Oma (aus dem Altenburgschen) erzählte immer von den Abenden, an dem man beisammensaß, mit einander redete, und gemeinsam tätig war. Sie erzählte vom Schlachtfest, vom Federnschleißen und anderen. Meine Oma war wirklich arm, aber nie alleine, vergrähmt, zurückgezogen.
Dieser Satz oben wurde im Altenburschschen auch genau so gesagt. 😀
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Zusammensitzen, Zeit füreinander, das ist uns wohl leider ziemlich abhanden gekommen. Es wäre gut, wir würden uns öfter auf das Wesentliche besinnen, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Ich bin direkt ein bisserl stolz drauf, dass ich den Mundarttext als Wienerin auch ohne Übersetzung so gut verstehe. 🙂
LG Gabi
Ja, jetzt kommen doch wirklich Heimatgefühle auf. Den Anton lässt glaube ich jeder Ergebirgler in sein Herz und bis Weihnachten ist es nicht mehr lange. Danke 😉