Eine Zeitansage (#258)

Dreiviertler und weniger Normale …

To get a Google translation use this link. Achtung! Enthält Ironie!

«Wie schlägt es bei euch dreizehn?» Diese Frage stellte Clara Himmelhoch gestern. Also die Frage nach Dreiviertlern und Viertelvorlern/Viertelnachlern. Diese Grundsatzfrage, ihr wißt schon.

Und ich? Ich mußte mir endlich einmal klarwerden, warum ich Dreiviertler bin und wieso ich das als die richtigere Zeitangabe betrachte. Wo ist denn die Logik in den verschiednen Zeitangaben – oder wo kommt sie her?

Früher wurde doch die Zeit mit dem Stundenglas gemessen? Hm …

Es gibt für jede Stunde ein Glas, das zu Beginn der Stunde leer ist. Denken wir jetzt an das Glas für die neunte Stunde. Das läuft zum Messen der Zeit langsam voll (mit Sand zum Beispiel).

Seh ich nach 15 Minuten

  1. ein zu einem Viertel gefülltes Stundenglas nach dem vollen Stundenglas der achten Stunde
  2. ein zu einem Viertel gefülltes Stundenglas der neunten Stunde?

Ist es also

  1. Viertel nach Acht
  2. Viertel Neun?

Nach 30 Minuten gibt es kein Problem. Da sehe ich

  1. ein zur Hälfte vor der ganzen Füllung gefülltes Glas der neunten Stunde oder
  2. ein zur Hälfte gefülltes Stundenglas nach dem vollen Stundenglas der achten Stunde oder
  3. ein zur Hälfte gefülltes Glas der neunten Stunde?

Ist es also

  1. Halb vor Neun oder
  2. Halb nach Acht oder
  3. halb Neun?

Noch schöner ist es, wenn 45 Minuten vergangen sind. Sehe ich

  1. ein zu einem Viertel vor der ganzen Füllung gefülltes Glas der neunten Stunde oder
  2. ein zu drei Vierteln gefülltes Glas der neunten Stunde?

Ist es also

  1. Viertel vor Neun oder
  2. dreiviertel Neun?

So betrachtet ist es doch ganz logisch, oder? Und wenn ich von einer ganzen Torte drei Viertel gegessen habe: Habe ich dann eine dreiviertel Torte oder ein Viertel weniger als die ganze Torte gegessen?

Na?

Eine dreiviertel Torte?

Genau. Aber bei der Torte kann man – um Streit aus dem Wege zu gehen – auch zwölf Stückchen oder neun Stückchen Torte sagen – je nachdem, ob man das Viertel in drei oder in vier Stücken Torte teilt …

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 13. September 2012 war ein ausgiebiger Nachmittagsschlummer.

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu Eine Zeitansage (#258)

  1. Himmelhoch sagt:

    Mit dem ersten Ton des Zeitzeichens war es 00.20 und ich war hier. Gucke mal nochmals bei mir, bitte, ich habe ganz zuletzt noch eine Seite verlinkt, die ganz toll ist. Immerhin 39 % sagen dreiviertel acht und nur 7 Prozent mehr wählen die „Viertel.vor oder Viertel-nach-Version“.
    Wir sind stärker, als ich dachte!!!!!!!!!!!!

  2. Inch sagt:

    Ach Ach, die Zeit. Ich bin grad in Aachen auf einem Deutschland weiten Kongress und komme hier ständig durcheinander mit der Zeit, vor allem wenn es um die Viertel geht Sagt einer was von Viertel und Neun zB bin ich eine halbe Stunde zu früh…

  3. Follygirl sagt:

    Och.. ich war schon immer anders..bleibe bei viertel vor…
    LG, Petra

  4. Das ist ein Thema wo ich mich noch nach 8 Jahren wohnen im Osten immer noch schwer tue. Hab mein ganzes Leben gelernt, das es viertel vor 9 ist, oder auch viertel nach 9. Heißt dreiviertel 9 jetzt viertel nach 9 oder viertel vor 10???? Es gibt Tage da weiß selbst ich auf Anhieb was gemeint ist, aber meist, gucke ich mein Gegenüber nur Ratlos an.
    LG Gabi

  5. Herbstbaum sagt:

    Mein Neffe, auf beiden Seiten der Elbe (Sprachgrenze) aufwachsend, wird heute um 13 Uhr 15 abgeholt. Digital ist es einfacher 🙂

  6. Frau Momo sagt:

    Ich werde das nie kapieren… bei mir bleibt es auch bei viertel vor und viertel nach 🙂

  7. Frau Momo sagt:

    Wo ist er hin, mein Kommentar 😯 ? Na egal. Ich werde das jedenfalls nie kapieren und bleibe auch bei viertel vor und viertel nach…..

  8. piri ulbrich sagt:

    Ihr Nachteulen, hier ist es acht Uhr morgens

  9. sweetkoffie sagt:

    Was für eine interessante Abhandlung! Wenn ich es mit einem Dreiviertler zu tun habe, dann bin ich ständig am überlegen: was meint er jetzt?
    Das ist mir nicht geläufig. Ich denke, das ist auch sehr stark abhängig, in welcher Region man lebt.

    Herzliche Grüße und einen guten Freitag
    Viertelvorlerin Sweetkoffie

  10. Schön aus einandergenommen. Ich bleibe auch lieber bei der (für mich) intuitiv, erfassbaren Methode. ‚Viertel vor…‘ ist sowieso seltsam, nich? Wie soll man ein viertel vor (Phase) ’sein‘, die es noch nicht gibt und von der ich nur fest hoffe, dass es sein wird? Dreiviertel ist konkret. Keine Vergangenheit, keine Zukunft. Nur jetzt!

  11. Margot sagt:

    Im Osten war es üblich, viertel, halb, dreiviertel, um. Was für mich einleuchtend ist. Im Westen konnten sie nichts damit anfangen und haben nur süffisant gelächelt. Doch ich bleibe bei dieser Zeitansage, auch wenn ich es den Westdeutschen danach erklären muss … 😉

  12. Der Emil sagt:

    Meiner Erfahrung nach war es übrigens nicht nur im Osten üblich, das „dreiviertel Neun“ (ich kenn es aus Alsdorf bei Betzdorf im Landreis Altenkirchen)..

    Aber: Die Viertelvorler geben sich wenig Mühe, Dreiviertler zu verstehen – erwarten aber dieses Verständnis ganz selbstverständlich. Das ärgert mich.

    Bleibt einfach dabei, die Uhrzeit nach eurer Gewohnheit anzusagen. Und laßt mich bei meiner Gewohnheit beiben. Verständigung ist möglich 😉

  13. Gabi sagt:

    Bei uns in Österreich ist die Dreiviertel-Version üblich. Zumindest in Wien. Möglich, dass es in den Bundesländern andere Versionen gibt.
    LG Gabi

  14. Pingback: Nichts Neues. (Nº 298) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen

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