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Leider habe ich das Wort “Denkicht” nicht als erster erfunden. Aber es kam mir so in den Sinn (als Analogon zum Dickicht), ohne daß ich es vorher irgendwo wahrgenommen hätte.
Ich versuche nicht, durch das sich vor mir ausbreitende Denkicht zu dringen. Dornenreich und blattlos liegt es da, wogt es vor mir auf und ab, hin und her, vor und zurück. Wie mit Lassos versucht es, mich mit seinen Ranken einzufangen.
Das Denkicht ist der Bodensatz meiner Phantasie, das, was mich hinabziehen kann in die Aplträume, in das schwarze Loch der Losigkeiten. Dort ist alles farblos, lichtlos, geräuschlos, schattenlos; ich bin dort atemlos, hoffnungslos, zukunftslos, antriebslos, einfallslos …
Aber das Denkicht ist auch der Bodensatz meiner Phantasie, der mich hinaufkatapultiert auf Wolke Sieben, in mein Wolkenkuckucksheim, in meine Überfliegerschwebe. Dort ist alles voll und reich: wundervoll, liebevoll, klangvoll, lichtreich, duftreich, geschmackvoll, einfallsreich …
Dort kann ich mich dann auch mitten in mein Bild von meinem Denkicht setzen. Ja, ich kann da sitzen, denn das Bild hat keine Dornen. Und dort warte ich auf die austreibenden Blätter, die ich mir als Ideen pflücke und dann weiterverarbeite.
Noch habe ich nicht entdeckt, wie ich den Weg, den mir das Denkicht bietet, selbst bestimmen kann: Hinauf oder hinab.
Eine kleine Idee, einen Hinweis habe ich aber schon. Denn wenn ich etwas – wie letztens in der Straßenbahn das Gezeter der zwei Frauen hinter mir über die viel zu kurzen Schaltzeiten der Treppenhausbeleuchtung – höre und mir das mitnehme, dann geht es aufwärts.
Und wenn nichts da ist, kein Funken einer Idee, dann zermartere ich mir das Hirn. Denn auch das automatische Schreiben geht nicht immer, wie hier zu lesen ist.
Jetzt geh ich mal nachsehen, was mir mein Denkicht heute noch so anbietet.
Spannung einer Feder
ein bekritzelter Fahrschein
weiße Weste
Buchverschenker
Stofftaschentücher
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 8. März 2012 waren der fast fertige Musikmix und ein handschriftlich verfaßter Brief.
© 2012 – Der Emil. Text & Bilder stehen unter der creative common license für Deutschland 3.0
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung):
069 / 366 – One post a day 2012 (WP-count: 362 words)


Lieber Emil,
das hast du so bildhaft beschrieben, wunderbar. Genau so ist es wohl.
Die Gedanken schlagen Purzelbäume, und ob sie weich auf fruchtbaren Boden oder auf hartem Untergrund landen, das zeigt sich erst ein klein wenig später.
Das ist ein guter Begriff, den ich noch nicht kannte. Danke sehr dafür.
Bleib geduldig mit Dir. Es dauert solange, solange es dauert …
Das „Denkicht“ katapultiert Dich nach oben, wenn Du es schöpferisch verwendest und täglich die Summe Deiner „Positiv heute war…“ nachliest und das Denkicht daran anknüpfen kann. In meiner damaligen -losigkeit halfen mir Spaziergänge, Rätsel lösen, lesen ein wenig weiter… Du moderierst bei Corax, bloggst ausgezeichnet, geistreich und täglich. Weiter so!!!!
Ich versuch es ja weiterzufüttern 😉 Morgen Straßenumfrage …
Oh, magst du etwa diese FlüsterMetalBand Dornenreich, oder ist das Zufall mit dem Wort ?
Wie auch immer:
das Denkicht denkt nicht nach deiner Facon,
es grübelt und übelt und schwirbelt davon.
(Hä?)
Dornenreich? Ja! Und Tiamat und NineInchNails und Erben der Schöpfung und Amber und und und (also alles{!} außer Dieter Bohlen) – und das mit dem Wort: Gibt es beim Versuch des Automatischen Schreibens Zufälle?
Ein guter Begriff – das “Denkicht”. Und du beschreibst es gut. Sicher hat jeder ein eigenes und die sind auch manchmal recht verschieden, aber jeder braucht es. Ich werde meines mal erkunden, damit der Kopf oben bleibt.
Lieber Emil, danke für deine Tipps gestern. Ich war heute in leipzig. Man wird meinen Antrag nochmal prüfen.
(Viel Erfolg weiterhin für deine Sendung!)
Ich hab das Denkicht leider nicht als erster erfunden. Aber es gefällt mir auch und hat mir heute einen Satz eingehaucht zum bekritzelten Fahrschein, den es am Sonntag zu lesen geben wird.
Das mit LE, das wird schon. Wenn nicht bis nächste Woche, dann beim nächsten Mal.
Pingback: Ein bekritzelter Fahrschein (#071) | Gedacht | Geschrieben | Erlebt | Gesehen
Ich musste leider, irgendwie vor mir selbst meine ich, an „Denkknecht“ denken. Bekanntlich heißt es ja, wer denkt, hat Schuld. Frage mich aber nicht, was das zu bedeuten hat. Ich weiß es nämlich nicht.
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