13. Türchen (Nº 347 #oneaday): Verschenkt

Gutes tun und zufrieden sein

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Wie viele andere Menschen entdecke auch ich immer um die Weihnachtszeit herum einen Drang, etwas Gutes zu tun. Jemandem eine Freude bereiten. Na – ich kann es das ganze Jahr über, tu es auch, aber zu Weihnachten ist das immer etwas Besonderes.

Im vorigen Jahr beteiligte ich mich an der Aktion «Weihnachten im Schuhkarton», wie im 10. Türchen 2010 nachzulesen ist. Etwas anonym, das Ganze; und manche Regel dieses Vereins mutet schon seltsam an: Nichts verschenken, das mit Geistern und Hexen und Vampiren usw. zu tun hat. Für dieses Jahr wollte ich sowieso etwas Direkteres tun. So fiel mir vor einiger Zeit, am Mittwoch vor der Eröffnung des Weihnachtsmarktes hier in der Stadt, ein kleiner Zeitungsartikel im Anzeigenblatt auf. Ich erinnerte mich daran, daß ich davon auch im vorigen Jahr gelesen, aber den Schuhkarton schon fertig hatte.

An zwei Stellen im Zentrum der Stadt, auf dem Weihnachtsmarkt und im großen Kaufhaus am Markt, können Wunschzettel von Kindern abgeholt werden. Meist sogar selbstgeschriebene, selbstgemalte Wünsche, von Kindern hier aus der Stadt. Die Kinderschrift sehen, das Gewünschte einkaufen und dann dort abgeben, wo ich den Zettel geholt habe – das war der Plan.

Aber ich kam nicht bis zum Markt, denn in einem Supermarkt hier in Ha-Neu stand ein Weihnachtsbaum, an dem ebenfalls Wunschzettel hingen. Hier waren sie von den beziehungsweise für die in einer Betreuungseinrichtung lebenden, z.T. verwaisten und manchmal mehrfach behinderten Kinder. Und die Einrichtung kenne ich. Und ich kenne auch die Schwierigkeiten, die diese Einrichtung mit den Sparbemühungen der Sadt Halle (Saale) und des Landes hat. Es gibt nämlich kaum noch oder überhaupt keine Fördergelder, Zuwendungen und Personalkostenzuschüsse mehr.

In den Kostensätzen, die von den Krankenkassen und sonstigen Leistungsträgern bewilligt und bezahlt werden, um diesen Kindern ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, sind regelmäßig keine Beträge für Geschenke enthalten. So sammelt eben dieser Supermarkt im Rahmen der Konzernkampagne für dieses Wohnheim Weihnachtsgeschenke – und zu Weihnachten fährt der Marktleiter hin und gibt die Geschenke persönlich dort ab.

Einen dieser Wunschzettel hatte ich mir ausgesucht. Für einen Jungen, 7 Jahre alt. Es war kein großer Wunsch, auch ich hatte den in diesem Alter. Und hatte mich riesig gefreut, als er mir endlich erfüllt wurde. Zu der gewünschten Armbanduhr habe ich noch etwas Süßes dazugelegt. Direkt nach dem Abgeben begann eine der Damen an der Info mit dem Verpacken.

Weihnachtsüberraschung

Weihnachtsgeschenk für einen siebenjährigen Jungen, der sich eine Armbanduhr wünscht …
(Verzeiht mir, daß ich den Firmennamen nicht herausretuschierte.)

In elf Tagen wird der Junge erhalten, was ich kaufte, was ich ihm – unbekannterweise – schenke. Ist das aber nicht auch ein wenig traurig?

Es ist einfach, Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. Ich hoffe, daß es mir in diesem Jahr gelungen ist oder gelungen sein wird.
 
Habt eine besinnliche Zeit.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 12. Dezember 2011 war das abgegebene Geschenk – das mich traurig und froh zugleich machte …

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Über Der Emil

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0 Kommentare zu 13. Türchen (Nº 347 #oneaday): Verschenkt

  1. fudelchen sagt:

    So ganz anonym schenken finde ich auch ein wenig traurig, geht das denn nicht anders ??

    GLG Marianne ♥

    • der_emil sagt:

      Ich finde es schon nicht anonym, denn ich kenne den Namen des Empfängers und weiß, wo er wohnt (in diesem Fall: ein Heim). Traurig finde ich, daß diese Kinder darauf angewiesen sind, von einem ihnen unbekannten ALGII-Empfänger beschenkt zu werden …

      • sweetkoffie sagt:

        Emil, ich finde die Freude kommt doppelt, einmal für den kleinen Mann wenn er das Geschenk bekommt und auch für Dich, weil du Freude geben kannst.
        Mein Freund Klaus sagt immer:
        Niemand ist zu arm um zu geben und niemand ist zu reich um zu nehmen.

        🙂

  2. die luzie sagt:

    Das ist sooo schön!!! Und die Tränen hat es mir auch in die Augen getrieben …

  3. Inch sagt:

    Ach verdammt! Überall scheint es das zu geben, nur hier in Leipzig nicht. Ich werde zwar nächste Woche in ein Heim fahren und etwas Spielzeug und Sachen abgeben, aber das ist ja auch wieder so anonym. So einen Wunschbaum hätte ich auch gern

    • der_emil sagt:

      Hm – schau nochmal bei einem real,- oder bei Kaufhof (sorry für die Werbung) vorbei, bei denen sind das konzernweite Kampagnen. Und die Humalios-Stiftung (AWO) tut sowas auch, die Stadt- und Bahnhofsmission und andere „übliche Verdächtige“ wären ebenfalls geeignete Anlaufpunkte …

      • Inch sagt:

        Ja, ich habe jetzt ein bißchen rumgegoggelt. R. ist in L.E. nicht so, gibts nur zwei mal in Grünau. K. nur in Paunsdorf. Beides zu weit weg. Aber ich habe einen Optiker (!!!) gefunden, gleich hier um die Ecke. Der macht das schon seit 4 Jahren. Ist ein Familienunternehmen, wo der Chef dann persönlich als Weihnachtsmann zu den Kindern geht! DA suche ich mir einen Wunschzettel aus.

  4. sweetkoffie sagt:

    wie schöööön … das habe ich hier noch nicht gesehen, halte es aber für nachamenswert.
    LG
    SK

  5. sucherin sagt:

    Alle Achtung. Das finde ich eine wunderbare Aktion von Dir. Ich selber habe auch viel bei Weihnachten im Schuhkarton und anderen ähnlichen Aktionen mitgemacht. Dein Beitrag hat mich daran erinnert, dass es in diesem Jahr für mich hier auf der Insel auch dringend Zeit wird, in dieser Richtung tätig zu werden (denn auch auf der Insel lässt sich sicher Gutes tun). Vielen liebe Dank

    • der_emil sagt:

      Oh! Ich hatte aber nicht vor, jemandem ein „schlechtes Gewissen“ zu machen – ich hatte mich nur sehr gefreut darüber, daß ich es geschafft habe. 🙂

      • sucherin sagt:

        Nee, nee, hat nichts mit schlechtem Gewissen zu tun. Ich mache seit vielen Jahren – immer wo ich gerade gelebt habe – sehr gerne an solchen Aktionen mit. Ich habe nur durch die Wärme um mich herum, hier wahrscheinlich alles was so mit Weihnachten zusammenhängt im Kopf ein wenig nach hinten geschoben. Daher habe ich mich aufrichtig über den kleinen Anstoss gefreut.

  6. Elvira sagt:

    Meine Schuhkartonaktion hatte ich dieses Jahr zu spät gestartet, hatte nicht gedacht, dass der Abgabetermin schon Mitte November ist (was bei der notwendigen Logistik natürlich nachvollziehbar ist). Nun habe ich bei Frau Momo einen Hilferuf gelesen und werde dieser Familie helfen. Am Wochenende geht das Paket auf die Reise.

  7. Himmelhoch sagt:

    Vom Prinzip her finde ich die Aktion wunderbar, noch wunderbarer, dass du dran teilgenommen hast. Nur eine Frage habe ich: Ist es eine Bedingung, dass man die Sachen dort in dem Supermarkt kauft oder kann man den Zettel mit nach Haus nehmen, in Ruhe etwas einpacken und dann dort abgeben? – Wenn nur der erste Halbsatz richtig ist, dann hat der Markt eine tolle Umsatzsteigerung erreicht, indem er an das Mitleid der Menschen appelliert. Zugunsten der Kinder finde ich es zwar immer noch besser als gar nichts tun, aber freie Auswahl des Päckchensinhaltes fände ich besser.

  8. Gudrun sagt:

    Was sagte mir gestern ein Mitarbeiter einer wesentlichen Behörde: „Es wird immer wieder in Deutschland ein soziales Netz gesponnen werden, aber es wird immer löchriger“.
    Lieber Emil, es ist einfach schön, wenn man etwas geben kann.

  9. M. sagt:

    Ach Emil, es ist doch immer wieder so, dass die, welche selber zu wenig haben, auch noch geben und das gerne. Das bewundere ich immer wieder und ich freue mich unendlich, dass auch du ein Menschlein bist, was andere nicht vergisst. Die strahlenden Kinderaugen sind dir gewiß.

    Mit lieben Grüßen zu dir. Mandy

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