Vertrag (Nº 326 #oneaday)

Mit einem Augenzwinkern geschlossen

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Kennt ihr alle ihn schon, ihn, den Inkarnationsvertrag von Jo Conrad? Ich kenne ihn seit fast zehn Jahren, noch aus Usenet-Zeiten. Einige der Kernsätze erlaube ich mir zu zitieren:

 
Inkarnationsvertrag

[…]
2.  Sie erhalten ein Gehirn. Es kann nützlich sein, es zu benutzen.
[…]
4.  Sie erhalten Lektionen. Niemand bekommt exakt die selben Lektionen wie Sie oder kann sie Ihnen abnehmen.
[…]
6.  Eine Lektion wird so lange wiederholt, bis sie begriffen wurde. (Auch inkarnationsübergreifend.)
[…]
10. Der Inkarnationsvertrag läuft erst aus, wenn alle Lektionen zu einem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
11. Was befriedigend ist, bestimmen Sie!

Quelle für alle Zitate (grau hinterlegt): Inkarnationsvertrag von Jo Conrad
 
 

Wieso kommme ich denn jetzt damit an? Nun, mir sind genau diese Punkte schon öfter auf meine Füße gefallen. Denn ich habe mein Gehirn nicht benutzt, weil ich zu faul dazu war. Stattdessen hoffte ich, daß ein Anderer für mich denkt. Tat derjenige aber nicht. Und deshalb konnte derjenige auch nicht erledigen, was ich erledigt haben wollte und selbst hätte erledigen müssen.

Also: Es half bisher alles nichts, ich mußte selbst handeln. (Irgendwie ist das wie Aufs-Klo-Gehen, das kann auch niemand für mich übernehmen.) Sogar wiederholen mußte ich schon, was da zu tun war, denn das Ergebnis war nicht zufriedenstellend. Aber als mir auch die Wiederholung nicht perfekt (!) gelang, erinnerte ich mich: Ich muß damit nur (!) zufrieden sein. Und: Ich verlange von mir keine Perfektion!

Und damit komme ich auch zu den «Nützlichen Hinweisen und Tips», die uns der Herr Conrad zusätzlich zur Verfügung gestellt hat:

 
Es gibt keinen Bonus für Berühmtheit oder Beliebtheit.
 

Gut so. Manchmal mache ich mich nämlich auch unbeliebt. Nein, gestern tat ich das nicht. Aber es geschieht mir. Durchaus. Öfter. Und doch schade, daß es keinen Bonus gibt. Irgendwie. Oder?

 
Niemand kann Ihnen die Verantwortung abnehmen.
Gewalt führt niemals zu einer Lösung.
 

Auch das kenne ich. Für mein Leben bin ich selbst verantwortlich. Ich selbst muß für mich Entscheidungen treffen. Und Gewalt kann nicht nur körperlicher Natur sein: Schon erhöhte Lautstärke ist Agression und Gewalt. Auch Kindern gegenüber. Oder das Betteln und Bedrängen …

 
Es kann nützlich sein, darauf zu achten, welche Situationen sich wiederholen.
[…]
Nur, weil alle sich auf eine Weise verhalten, muß das nicht bedeuten, daß es richtig ist.
 

Ja. Wenn sich Situationen wiederholen und ich beim letzten Mal mich so verhalten habe, daß ich mit dem Ergebnis nicht zufrieden war: Siehe oben, Stichwort «perfekt». Oder ich versuche einmal, wenigstens einmal ein anderes Verhalten. Als vorher oder als all die Anderen, die mit dem Ergebnis auch nicht zufrieden sind.

 
Es geht nicht darum, Erster zu sein.
Es geht nicht darum, cool auszusehen.
Niemand macht in Ihrer Situation eine bessere Figur als Sie.
Sie sind nicht der Einzige, der am Sinn des Inkarnationsvertrages zweifelt.
 

Oh wie wahr diese Sätze doch sind! Erster? Immer Sieger? Immer zu schnell? Und was nützt mir cooles (oder gutes) Aussehen, wenn ich mich strunzdämlich verhalte?

Bleibt nur noch eine Bemerkung: Ich lebe. Bin also «inkarniert». Muß damit wohl oder übel diesen (oder einen ähnlichen) “Vertrag” angenommen haben. Wenn ich das aber tat: Wieso zweifle ich jetzt am Sinn des Vertrags, und wieso zweifelte ich nicht bei der Annahme?

(Dieser Text ist natürlich nicht völlig ernst gemeint. Nein, er kann ein Spaß, ein humorvoller Anreger zum Nachdenken sein – muß es aber auch nicht sein. Ich allerdings danke Herrn Jo Conrad für seine Anregungen, die er mir mit diesem Vertragstext gegeben hat.)

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 21. November 2011 waren die gewährte Verlängerung, die neue Anregung zum Nachdenken über den Spielbetrieb und eine ganz besondere Nachricht.

326 / 365 – One post a day (WP-count: 615 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Vertrag (Nº 326 #oneaday)

  1. Lieber Emil,

    danke Dir für diese anregenden Gedanken. Es klingt schon etwas vertrackt. Aber es erklärt einiges. Wäre neugierig zu erfahren was passiert, wenn man das konsequent durchzieht…

  2. kreadiv sagt:

    Tja, Wiedergeburt ist so ein Thema…
    Aber ansonsten hat der Autor schon Recht. Das deckt sich ja auch mit den „Geistigen bzw. Universellen Gesetzen“.
    „Ich wiederhole und übe also bin ich“ wäre doch ein passender Satz.

    Wenn man nachsichtiger mit sich selber und den anderen wäre, die ja wie wir selbst alle üben und wiederholen, und uns dessen immer bewusst wären oder gegenseitig daran erinnern würden, dass wir Wiederholer und Übende sind, wären wir viel verständnisvoller und mitfühlender und könnten Konflikte leichter lösen.

    • der_emil sagt:

      Naja. Man darf diese Aussage auch auf eine Geburt beschränken, in der Hoffnung, nur ein Leben für alle Lektionen zu benötigen. Glaube ich.

      Nachsichtig? Mit anderen: Gerne. Mit mir selbst: sehr problematisch, nicht wahr? (Da sprach grad wieder die Depression …)

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