Ufergeschichte (Nº 91 #oneaday)

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Wenn nur das Gekreische der Kinder nicht so laut wäre … Dann könnte ich hier wirklich richtig gut ausspannen.

Ich liege im Freibad, habe mir ein schattiges Fleckchen bei den Nacktbadern gesucht. Aus meiner Vergangenheit blieb mir eben diese Bevorzugung der Freikörperkultur. Es ist 31 °C warm, es ist Juli, es ist Sonnabend kurz nach Mittag.

Hier mitten im Lande gibt es Gewässer voller Salzwasser. Das hat natürliche Ursachen und ist kein Überbleibsel vom Kalisalz-Abbau. Am Ufer dieses Teiches gröhlt und kreischt eine Bande Kinder.

Meine Versuche, das zu ignorieren, schlagen fehl. War wohl nichts mit Dösen. Also dreh ich mich auf den Bauch und schau mich durch die halbgeschlossenen Lider einmal um.

Ja, ich liege am FKK. Hier sind alle unbekleidet. Wir alle benehmen uns völlig normal, als wären wir irgendwo, wo jeder sein kann. Die FKKler sind noch immer ein "Kollektiv", ungezwungen und im besten Sinne schamlos.

Und dabei fallen SIE mir auf.

Gleich neben mir, von dem direkt vor meiner Nase stehenden Baum halb verborgen.

Zwei ältere Menschen, sicher beide Rentner, vielleicht sogar schon länger in Rente. Sie liegen einander zugewandt. Daß sie miteinander sprechen, kann ich hören. Bei mir kommt zwar nur ein unverständliches, allerdings sehr angenehmes und aufeinander eingestelltes Gemurmel an. Als ich das Kindergeschrei endlich in den Hintergrund zu drängen vermag, höre ich die beiden kichern.

Ein Turteltaubenkichern. Ihre Hand wandert wie die einer Halbstarken voller Zärtlichkeit über seine Schulter. Wahrscheinlich drohen ihm und ihr diverse Körperteile einzuschlafen, denn sie bewegen sich, legen sich etwas anders hin. Jetzt kann ich das Gesicht der Frau sehen.

Von weißem Haar umrandet strahlt es Glück, Zufriedenheit und Einssein mit ihrem grauhaarigen Partner aus. Sichtlich genießt sie ihren Aufenthalt am Badeteich in der Gesellschaft dieses (ihres?) Mannes.

Plötzlich lachen beide los. Sie springen auf, und er jagt der Frau den Hang hinab über den Strand ins nasse Element hinterher. In zwei riesigen Wolken aufspritzenden Wassers verschwinden sie für eine Weile. Dann ahne ich, daß die zwei Schwimmer in der Mitte der Wasserfläche wohl genau diese beiden sein müssen, denn zwei Köpfe strahlen silbrig in der Sonne.

Irgendjemand ruft die Kinder zum Essen, zur Pommes-Bude. Es wird endlich angenehm still.

Ich schließe die Augen wieder, entspanne mich vollends. Ich fühle mich gerade richtig wohl. Während ich in diesen Schwebezustand zwischen Schlaf und Wachen gleite, höre ich die Vögel, die Insekten, das Gemurmel von Menschen langsam entschwinden.

Vom Teich herauf dringt durch die sonnendurchflutete Luft das übermütige Lachen der beiden älteren Herrschaften in meinen Tagtraum.

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil CC by-nc-nd der_emil(at)arcor(dot)de

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Ufergeschichte (Nº 91 #oneaday)

  1. Follygirl sagt:

    SCHÖN geschrieben… ja, wenn wir doch endlich wieder Sommer hätten…
    Ach ja, Ihr da drüben seid ja immer nackelig im Rudel rumgelaufen… (irgendwie gibts da jetzt eine passende tv Werbung von einem Schuhversand)
    LG, Petra

  2. mayarosa sagt:

    Eine schöne Beobachtung. Und toll beschrieben. Da liege ich beinahe ebenfalls in der Sommersonne am Badesee und höre die Geräuschkulisse (nur haben die bei mir Badehosen an. FKK ist nicht so meine Welt, wohl auch kulturell bedingt ;-)). In meinem Moleskin schlummert eine ähnliche Beobachtung eines älteren Paares, im Winter in einer Kneipe, ausgesprochen liebevoll und zärtlich. Schön, dass es so etwas gibt.

  3. Ilona Form sagt:

    Tag Emil, ja Tagträume sind was feines. So ganz langsam schwebt man in eine
    andere Ebene. Es wird ruhig,der Atem wird gleichmässiger,sogar Schmerzen
    erbarmen sich. Es ist eine Erholung und dann……….kommt einer und knallt die
    Tür zu !!!!!! Ich wünsch Dir was Schönes Gruss Illo.***

  4. …. ja super geschrieben und wann wird es Sommer ?
    .. wegen mir können wir den Frühling überspringen ^^

    Ich esse grad ein großes Eis und liege am Strand am Meer , der Wind fegt sachte über meinen Körper ….. *träum* … so schöööööööön

    …… danke für den TräumBlog 😉

  5. fudelchen sagt:

    Träumend schließe ich die Augen….es ist Sommer, aber ich laufe nicht nackig, ich bin ginant 😉

  6. kreadiv sagt:

    Eine sehr schöne Geschichte 🙂

  7. das hat mich doch heute morgen sehr aufgemuntert, an diesem strahlenden Frühlingstag zwei älteren Herrschaften beim Herumalbern am Badesee zuzuhorchen.
    Es ist schön zu beobachten, dass Altsein nicht gleich Altsein bedeutet.
    @}-,-‚-,– eine Rose für dich von M.

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