Confession (Nº 64 #oneaday)

Dünnhäutig?

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Dünnhäutig bin ich geworden.

Jeder kleine Schubs bringt mich zur Zeit vollständig vom Weg / von meinem Vorhaben / von begonnener Arbeit ab.

Besonders «Hilferufe» von Bekannten sind geeignet, mich von – naja: «unangenehmen» – Pflichtaufgaben abzulenken. Einen Vorwand "Das konnte ich nicht erledigen, weil ich ja helfen mußte!" zu haben, verringert das schlechte Gewissen.

Jedenfalls für eine kurze Zeit.

Denn auch mit dieser Ausrede wird nichts besser (und schon gleich garnichts gut).

Im Gegenteil.

Der Berg von Unerledigtem wächst und wächst.

Und egal wie vorsichtig ich weiter draufstapele – irgendwann kommt das alles ins Rutschen und begräbt irgendwas oder -wen unter sich.

Soweit war ich schonmal. Und ich war schonmal weiter, hatte mit der Trümmerbeseitigung begonnen.

Aber zur Zeit? Lustlos. Maulfaul. Ausweichend. Elanfrei. Verletzbar. Zu leicht und zu schnell verletzbar.

Jaja, ich weiß ja, was es ist.

Aber … ich muß mich wieder aufraffen.

Weil ich nicht wieder als Versager dastehen möchte

Nicht mehr als Versager dastehen kann.

Deshalb muß ich mich an die Arbeit machen.

Nachher.

Morgen.

Bald.

Nächste Woche.

Wenn das böse Wort nicht wäre: muß.

Zwang, Pflicht, Notwendigkeit.

Damit kann ich grad nicht umgehen.

Und Entscheidungen kann ich auch nicht treffen.

Manchmal frage ich mich wieder "Wozu?"

Und weiß darauf keine Antwort.

Diesmal greife ich nicht zum Tröster in der Not.

Vielleicht sind enttäuschte Erwartungen (auch an mich selbst) der Auslöser oder dieser Schrott von Karneval – hab ich schon gesagt, daß ich den hasse? Insbesondere wenn die Medien voll sind von diesem Unfug …

Vielleicht hab ich auch nur irgendetwas satt.

Das Warten.

Oder was auch immer.

Ab Montag, also übermorgen, werde ich hier berichten – wahrheitsgemäß. Und heute schon werde ich wieder anfangen.

Als erstes ist nämlich der Vogelkäfig wieder dran – einen Tag verspätet.

Der Verfasser des Blogs schleicht müde, aber stabil davon und dankt für’s Lesen.

© 2011 – Der Emil

104 / 365 – One post a day (WP-count: 319 words)

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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16 Kommentare zu Confession (Nº 64 #oneaday)

  1. Angie sagt:

    Hihihi, das könnte glatt von uns geschrieben sein!! Was für ein Glück, dass wir nicht allein sind *wink*! Na ja, Pferde müssen jeden Tag gemacht werden, das ist dann auch schon Anstrengung genug, wir sind ja Beide auch nicht gesund! Alles andere kommt Stück für Stück. Hörst du auch immer dieses Versager in deinem Kopf, ganz hinten, etwas weiter weg, von ganz bekannten Stimmen? Ich jedenfalls! Aber das macht mich auch inzwischen müde oder manchmal auch wütend.
    Danke für den Hinweis mit den Zitaten!
    Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende!
    Angie

  2. fudelchen sagt:

    Karneval mag ich auch nicht, nur manchmal in eine andere Person schlüpfen, das ist spannend 😉

  3. Follygirl sagt:

    Tja…schwierig, wer kennt nicht ähnliche Situationen.
    „MUSS“… nein… mag ich ich nicht … so darf man mir und ich mir selber nicht kommen, dann geht nix mehr.
    Vielleicht einfach versuchen den Druck, den Zwang und die hohen Ansprüche herunterzuschrauben?
    Mal das „Kleine“ mehr beachten, sich selbst mehr Freude machen? Ist sehr schwer etwas dazu zu schreiben…
    LG, Petra

  4. puzzle sagt:

    Bei mir wäre es Trotz gegen nicht eingesehene Planmäßigkeit, Karneval mit seiner verordneten und reglementierten „Lustigkeit“gehört dazu.

  5. Mieze sagt:

    Das kenne ich, das Gefühl. Da bleib ich lieber liegen und kriege dann gar nichts mehr hin, muss mich dafür aber auch nicht mit dem Gewissen herumschlagen, denn ich hab mich ja eh nicht bemüht.
    Vor zehn Jahren war es ganz schlimm, weil alle anderen besser waren. Heute hab ich mein Plätzchen gefunden. Liebe mich, werde geliebt und meine Klamotten räum ich Samstag weg. Huch, ist ja heute. Dann eben nicht.
    Gegen die eigenen Windmühlen anzurennen, ist so entsetzlich mühsam.

  6. der_emil sagt:

    Für Follygirl, puzzle, Mieze fudelchen – eigentlich für alle:

    Das Ding hat vor über einem Jahr einen Namen bekommen, aber sehr viel erfolgreicher bin ich in der „Bekämpfung“ meiner Depressionen nicht geworden (naja, doch, schon, irgendwie – denn es geht mir ja wirklich schon besser als im Herbst 2009).

    An manchen Abenden aber muß ich es noch herausplatzen lassen. Voe allem, wenn ich dann endlich(!) mal wieder feststelle, daß «andere» es auch überleben. Oder eben Drüberleben, wie in diesem Blog beschrieben (wurde).

    • puzzle sagt:

      Soweit ich es zumindest für mich sagen kann, ist ein großer Gewinn der, daß man es beschreiben kann und das auch tut; am schlimmsten ist der Zustand, wo man es nicht einmal mit Worten und Gedanken zu fassen bekommt, was da überhaupt passiert, wenn irgendwie nichts „Richtiges“ geschehen kann, denn eigentlich ist es eine seltsame Art von unsichtbarem Kraftaufwand, den man mit sich selbst gegen etwas anderes betreibt, das man noch suchen, finden und umfassen muss wie einen mächtigen Steinblock.

  7. frizztext sagt:

    der Vogel wird sich freuen, auf Karneval kann man verzichten und, klar, auf youtube auch – aufs Schreiben vielleicht nicht, weil es sinnvoll mit der inneren Planungs-Zentrale verbunden werden kann. Viel Glück beim Aufräumen!

  8. Astrid sagt:

    Du schreibst, du warst schon einmal weiter mit der Trümmerbeseitigung. Das ist normal. Alle haben doch Hochs und Tiefs in ihrem Leben. Das Wort Versager würde ich einfach mal aus meinem Wortschatz streichen. Man kann in einer Prüfung oder auch in einer Beziehung versagen, aber doch nicht in allen Bereichen gleichzeitig. Und das suggeriert das Wort, finde ich.
    Ich freue mich auf den Frühling. Gibt es dann auch eine Frühlingsansicht in deinem Blog?
    Liebe Grüße
    Astrid

    • der_emil sagt:

      Frühlingsansicht? Du meinst Hintergrundbild und Header? Ja, wird es geben.

      Und mit dem Verbannen des Wortes, das ist überhaupt nicht einfach. Hab es mir lange genug (also zu lange) anhören müssen …

  9. provinzler sagt:

    Ich glaube, wir leiden an derselben Krankheit. Früher nannte man sie einfach „Aufschieberitis“, heute heißt es modern „Prokrastination“. Es gibt sogar schon ein Buch darüber. In meiner provinzbibliothek habe ich darüber geschrieben. Viel Neues habe ich in dem Buch allerdings nicht erfahren 😮

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