365–2024: Althergebracht

Viele kennen es nicht aus eigener Erfahrung.

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An einem Tag wie heute – draußen ist es kalt geblieben und schneelos – gibt es kaum besseres, als in der guten Stube zu sitzen vorm brennenden Kaminofen. Die Schwib­bogen leuchten, zwei Kerzen spenden wie die Flammen vom Holzfeuer flackerndes, warmes Licht. Es ist und bleibt eine andere Wärme, an die die einer Fern- oder anderen Heizung nicht herankommt. Und dazu noch das Knistern vom Holz …

Ich weiß, mittlerweile gibt es mehr Menschen, die ohne Ofenheizung aufwuchsen, als solche, die Holz und Kohlen heranschaffen und Asche rausbringen mußten – oder, aus meiner Sicht, durften. Die haben das nie selbst erlebt, nie selbst einen Küchenherd angefeuert. Ja, ich weiß um den Feinstaub und die Abgase und all die unschönen Effekte von Feuer, von Öfen. Dennoch trauere ich dem nach, denn einfach so ohne Strom und Internet und all dem anderen Notwendigen etwas zu haben, an dem man sich wärmen und auch Essen kochen kann, finde ich wirklich gut. Nein, ich will werder zurück zur Natur noch zurück in die Sechziger oder ins „finstere” Mittelalter. Aber wenn ich mir die Weltlage ansehe …

Ich kann mich daran erinnern, daß mein Vater als Spinner bezeichnet wurde, als er 1993 beim Einbau einer modernen Gasheizung den anderen der beiden im Haus vorhandenen Schornsteine funktionsfähig beließ, auch die daran angeschlossenen Küchenherde, die mit Kohle und Holz gefeuert wurden, blieben betriebsfähig erhalten. Denn wenn einer Gasheizung der Strom fehlt, geht da nichts mehr (elektro­magnetische Ventile und elektrische Zündung). Doch mein Vater hat sich an der zumeist unsachlichen Kritik nicht gestört, auf seiner Meinung und seinem Plan beharrt. Noch vor der Pflicht dazu und weit vor seiner Erkrankung ließ er den Schorn­stein mit einem Feinstaubfilter ausrüsten. Hoffentlich darf das, was jetzt vorhanden ist, noch eine Weile so genutzt werden, wie es jetzt gerade genutzt wird: Holzfeuer im Kaminofen, Kartoffeln auf dem mit Holz befeuerten Küchenherd gekocht.

Althergebrachte Methode der Wärmeerzeugung in Häusern und Wohnungen. Ich mußte sie als Kind schon beherrschen, wenn ich im Winter nicht so sehr frieren wollte. Und eine Zeitlang war ich ja auch Heizer in einer Schule (und Hausmeister). Den Umgang mit Holz und Kohle und Asche beherrsche ich noch heute, und ich werde es hoffentlich noch ein paar Jahre immer wieder nutzen können. Denn so eine Ofenwärme ist doch etwas ganz anderes, etwas viel Gemütlicheres als ein Heizkörper, wie warm und unkompliziert der auch ist.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich mußte heute die Aschekästen zweier Öfen leeren – ach, das habe ich schon sehr lange nicht gemacht!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 30. Dezember 2024 mit den brennenden Öfen, mit dem erledigten Einkauf, mit dem Hackepeter am Abend.

© 2024 – Der Emil. Text unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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8 Kommentare zu 365–2024: Althergebracht

  1. Muldenkind sagt:

    Da hast du alle meine Gedanken, inklusive aller Ambivalenzen, dazu schön zusammen gefasst
    Danke dir

    • Der Emil sagt:

      Ich bin noch immer der Meinung, daß jeder Mensch in der Lage sein sollte, auf einfachste Art ein Feuer zu entzünden (Streichholz, Stahl und Feuerstein, Holzbohrer, Linse und Sonnenlicht …) und dieses Feuer sicher brennen zu lassen …

      Es wird in nicht allzuferner Zukunft notwendig sein.

  2. Nati sagt:

    Ach ja, das kenne ich auch noch. Als wir für ein paar Jahre in einer Wohnung mit Kohleöfen lebten. Da müssten wir fast Teenie Mädels die vollen Eimer Kohle in die erste Etage tragen.
    P.S. Ich hoffe du behältst Unrecht in deinem Kommentar.
    Liebe Grüße zu dir.

  3. Gisela sagt:

    Lieber Emil, vielen Dank für die vielen Geschichten und Beiträge in Deinem Blog. Auch heute hat mich die Erinnerung eingeholt. Ich bin in den 50er Jahren mit Kohleöfen aufgewachsen. Später wurden sie gegen asbesthaltige Nachtspeicheröfen ausgetauscht. In den 80er Jahren hatte ich einen Job bei Emmaus. Um dort Büroarbeiten machen zu können musste jeden Morgen ein Ofen angezündet werden. Es gab keine Zentralheizung in diesem alten Zechenhaus. Ich empfinde auch heute noch die Wärme als viel angenehmer, wenn die Wohnung mit Holz oder Kohle beheizt wird. Bedauernswert ist jeder, der das nicht kennt.
    Ich wünsche Dir einen angenehmen Rutsch ins neue Jahr und eine gute Zeit für 2025. Liebe Grüße, Gisela

  4. Ingwer sagt:

    Ich bin mit Ölöfen aufgewachsen. Der Öltank stand im Schuppen und im Winter sulzte das Öl ein; man bekam es zwar aus dem Tanz raus aber schwer in den Ölofen rein. Deshalb zankte man am Abend die Ölkannen voll und stellte sie zum Aufwärmen ins Haus. Trotzdem verschüttete man beim Einfüllen leicht etwas, und die Zimmer/das Haus roch nach Öl. Selbst war man aber daran gewöhnt und bemerkte es nicht mehr.
    Als mein Mann nach der Heirat eine Zentralheizung einbauen ließ, hatte ich auch den Eindruck, etwas zu verlieren, nämlich Wissen und Fähigkeiten.
    Aber, na ja.
    Heutzutage kann ich auch in selten genutzten Räumen gelegentlich den Heizkörper aufdrehen und habe den Luxus eines ganzen Hauses für mich.

  5. annette sagt:

    Hach ja, das Neue nutzen, aber das Alte zumindest funktionsfähig erhalten – das haben meine Eltern auch trotz abfälliger Bemerkungen der Nachbarn gemacht. Kohleöfen raus, Ölöfen rein, aber in der Waschküche Kohleherd gelassen, der wurde dann noch lange zum Einkochen genutzt und kam erst weg, als der Platz für die neue Gasheizung gebraucht wurde. Genauso bestanden sie darauf, das Plumpsklo im Stall zu belassen, obwohl in den Wohnungen längst WCs und Badezimmer eingebaut waren. War für uns ganz praktisch, wenn man im Garten war, und als einmal (oder mehrmals?) das Wasser abgestellt war (oder neue Abflüsse verlegt wurden, ich weiß es nicht mehr), kamen alle Nachbarn zum „müssen“ zu uns – die hatten besagte Örtchen samt Sickergruben an ihren Häusern entfernt.
    Und ich brauchte die Kenntnis, einen Küchenherd und einen Badeofen anzuheizen, als ich zum Studium eine entsprechende Wohnung hatte… ja, vom Zugucken als Kind genug gelernt!
    Komm gut ins neue Jahr und Danke für Deinen täglichen Text – ich freue mich schon auf die nächsten!

  6. Flusskiesel sagt:

    Meine Großeltern hatten noch einen Kohleofen in der Küche, auf dem auch gekocht wurde. Ich erinnere mich noch an meine Faszination, wenn meine Oma oder mein Opa die Herdplatte mit einem Haken anhob und man die Glut darunter sehen konnte.

    Immerhin blieb der Kamin in meinem Elternhaus ,,holz-fähig“ und seit meinen Kindertagen steht im Wohnzimmer ein Kachelofen, vor dem man wunderbar sitzen kann.

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