145–2024: Befinden

Heute wird gejammert.

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Die Welt Nein. Die Menschen und die Gesellschaft sorgen bei mir gerade für eine heftige Erschöpfung. Nicht die Menschen aus meinem direkten Umfeld, die nicht, nein, die sind in Ordnung, passen zu mir und meinem Leben, die hab ich mir ja auch aus- und zusammengesucht. Aber der Rest, von dem ich in den Nachrichten erfahre, über die ich im #Fediversum lese … Vor dem, was durch sie, den Rest also, verändert auf mich zukommen wird, vor dem habe ich Angst: Krieg, Klima, braune Scheiße, Über­wachung allüberall und jederzeit …

Ich klammere mich an Hoffnungen. Daran, daß die hierzulande und in Europa lebenden Menschen vielleicht doch noch nicht in der überwiegenden Anzahl denen auf den Leim gegangen sind. Daran, daß Wahlen vielleicht doch etwas ändern können (obwohl sie wohl tatsächlich schon längst verboten wären, wenn sie das grundlegend könnten). Daran, daß die Unzufriedenen ihre Vernunft wiederfinden und alles nicht mehr entweder nur Schwarz oder andernfalls nur Weiß, entweder Freund oder andernfalls mit Sicherheit Feind ist und daß Verbindende wieder mehr Gewicht erhalten kann; daß kleine Unterschiede nicht länger trennende Gräben bleiben.

Ich hab's so satt, ich bin es müde. Ich bin aufgewachsen in einer Welt, in der die Menschen zusammenhielten, sich halfen und unterstützten. Ich war dabei, als Menschen sich zusammenschlossen und für ein gemeinsames Ziel eintraten (auch wenn dann nur ein ganz anderes Ziel erreicht werden konnte durfte – ich weiß, daß das verschwörungsmystisch klingt). Ich habe erlebt, wie Vereinzelung und um ihrer soziale Komponente beraubte Marktwirtschaft wirken. Ich mag das alles nicht mehr.

Und wieder fällt mir der Mann ein, der Gefangene John Coffey (Michael Clarke Duncan) aus dem Film „The Green Mile”, der in der deutschen Synchronisation über sein Befinden sagt: „Ich bin müde, Boss. Müde immer unterwegs zu sein, einsam und verlassen. Müde niemals einen Freund zu haben, der mir sagt, wohin wir gehen, woher wir kommen und warum. Am meisten müde bin ich, Menschen zu sehen, die häßlich zueinander sind. Der Schmerz auf der Welt und das viele Leid, das macht mich sehr müde. Es gibt zuviel davon. Es ist als wären in meinem Kopf lauter Glasscherben.” (Zitat aus dem Film: The Green Mile, 1999) Und ich nicke bei fast jedem dieser Worte mit dem Kopf.

 

Heute weggegeben bzw. entsorgt:
Ich war heute nur zum Wegbringen von Büchern unterwegs: 17 stellte ich in einen Öffentli­chen Bücherschrank #publiclibrary.

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Zufrieden war ich am 24. Mai 2024 mit dem Weg durch die Stadt, mit einem Sandwich unterwegs, mit zwei Kannen Pfefferminztee.

© 2024 – Der Emil. Eigener Text (nicht aber das Zitat aus dem Film) unter der Creative Commons 4.0 Unported Lizenz
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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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6 Kommentare zu 145–2024: Befinden

  1. Nina sagt:

    @deremil oh ja.

    • Der Emil sagt:

      @Catmom35@mastodon.social

      Wie schön wär es, wenns anders wär.

      @deremil@deremil.blogda.ch

  2. Elvira sagt:

    Diese Müdigkeit, ja!

  3. Helmut sagt:

    Ich klammere mich auch an Hoffnungen. Die müssen endlich siegen!

    Liebe Grüße
    Helmut

  4. Gudrun sagt:

    Ich bin auch müde, Emil. Irgendwie bin ich dir sehr, sehr dankbar für diesen Beitrag. Und dann kamen mir auch wieder Tränen, die ich zu gerne verdrängt hätte. Und trotzdem ist da auch immer wieder Hoffnung.
    Liebe Grüße

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