Man mag mich zu den Privilegierten zählen: Ich hatte Westverwandtschaft. (Das stammt noch aus der Zeit, da es neben der BRD einen anderen deutschen Staat gab, nämlich unsere kleine DDR.)
Die Westverwandtschaft machte sich mindestens einmal im Jahr deutlich bemerkbar. Mit einem Weihnachtspaket – also vom reichen Deutschen, dem Bundesbürger, für die “armen Brüder und Schwestern” in der SBZ, der ehemaligen Soffjettzone oder der sogenannten DDR.
Jedes Jahr wurde auf das Westpaket gewartet. Egal, ob groß oder klein, seine Ankunft war wie … wie … wie vorgezogenes Weihnachten. Vorm Paket kam meist ein Brief, in dem die Inhaltsangabe zum Paket war.
Wenn es da war, das Westpaket, wurde es nicht gleich geöffnet. Erst wenn Vater, Mutter, Bruder und ich anwesend waren, dann wurde zur Tat geschritten. Bis dahin gab es nur die Vorfreude laut Inhaltsangabe.
Vorsichtig wurde das Westpaket geöffnet. Auch, wenn es die Redensart “aureißen wie ein Wespaket” gibt, wurde bei uns zuhause vorsichtig geöffnet. Denn das Packpapier und der Bindfaden konnten ja wiederverwendet werden. Damals wurde nämlich noch nicht alles mit Klebeband verschlossen.
Und endlich rochen wir es. Das Westpaket. Der Geruch war der Beweis für seine Echtheit. (Entschuldigt bitte, daß ich immer wieder von Gerüchen schreibe. Aber an die erinnert man sich. Aussehen und Klang vergißt man leichter als Düfte!)
Wenn ich heute, im Rückblick mich an die Inhalte erinnere … Backzutaten, Dosenananas, Kakao, Kaffee, Seife, Kaugummi, Strumpfhosen und Parfüm für Muttern und Filzstifte und Modellautos für die Kinder, und für alle Süßigkeiten wie Marzipan. Und meist eine Packung Zigarren – obwohl es in unserer Familie keinen Raucher gab.
Und so stelle man sich eine Mischung aus Kaffee, Minzkaugummi, Seife und Orangen und Paranüsse, (preisgünstigem) Parfüm und allem anderen als Geruch vor. Düfte, die es in der DDR nicht gab. Geschmäcke, die wir so intensiv nicht kannten (klar, wir hatten ja auch keine Geschmacksverstärker).
Fragt einen Menschen, der in der DDR aufwuchs und selbst Wespakete bekam: Daran, an den Geruch, erinnert man sich. Und mit dem Geruch kommen die glitzernden Kinderaugen und die Erinnerung an die damals doch gemütlichere Zeit zurück …
Irgendwie vermiß ich es, ein Westpaket zu bekommen.
Aber danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.



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Na, lieber Emil,
ein Westpaket sollte doch drin sein. Ich bin gerade am Plätzchen backen. Ich schicke Dir gerne was. Adresse via Mail. Jetzt wird’s allerdings ein Neujahrspaket. Und die anderen Sachen kriegst Du ja mittlerweile auch in der Ex-DDR. Da werde ich mir in Sachen Westgerüche was einfallen lassen.
Hast Du nicht auch letztes Jahr von der Berliner Bäckerin Plätzchen geschickt bekommen? Du bist mir ein Cleverle. Stelle einfach einen Blog online, schon kriegst Du Päckchen. ;o)
In diesem Sinne,
ich glaube Du könntest ein guter Stollen-Bäcker sein.
Renate
Ich habe zumindest ein Familien-Geheimrezept für den Stollen. Und so richtig geht es mir ja nicht um das Paket/Päckchen – sondern eher noch um das Besinnen auf andere Zeiten.
Trotzdem Danke.
Weiß ich doch.
Das Päckchen würde ich Dir trotzdem schicken.
LG,
Renate
Liebster Emil,
ich wohne auch eher in der Mitte der Republik, bin aber im Westteil aufgewachsen. Wenn Du also magst, dann schick ich Dir auch ein Päckchen, wobei ich mich nicht als bessere, gehobenere Verwandtschaft ausgewiesen wissen möchte 😉
Meld Dich zwecks Daten, wenn Du magst.
Es grüßt
das Miezerl
Danke, liebe Mieze, für dieses Angebot. Aber es geht auch ohne das Päckchen, denn eigentlich – aber das hast Du selbst gemerkt 😉
Lieber Emil, hat mir sehr viel Freude gemacht, diesen Blog zu lesen 🙂
Dankeschön, ich hab‘ schon sämtliche Düfte in meiner Nase! *schnupper*… mmmhhh
Derlei Päckchen könnten schneller wieder in Mode kommen als dir lieb ist… Asylbewerber werden bei uns schon mit Fresspaketen abgespeist bzw. zwangsernährt, der Inhalt ist von zweifelhafter Qualität und nicht auf ihren Speiseplan zugeschnitten, was teilweise zu Verdauungsproblemen führt. Angeblich soll das den Alkoholmissbrauch eindämmen. Praktischer Nebeneffekt: Wenn sie kein Geld zum Einkaufen haben, tauchen sie nicht im Strassenbild auf und erregen nicht den Volkszorn bzw. -neid. Aus dem Auge, aus dem Sinn. Diese Sozialisolationshaft wäre doch auch was für Arbeitslose? DIE TAFEL wird zur Behörde und die Bundeswehr liefert 1 x pro Woche Rationen in die Ghettos. Die könnte man eigentlich auch gleich zumauern und die Luftwaffe setzt ihre Transporter als Rosinenbomber ein, sozusagen ein Friedenseinsatz im Inneren… nicht lachen! Die Erfahrung lehrt: Je blödsinniger meine Hirngespinste sind , desto eher setzt sie jemand um.
Du hast ja Recht. Ich schrieb dieser Tage schon im My(LEER):
Ich glaube, der Kollaps hat schon begonnen. Hier im Lande zB ist wieder die Zeit angebrochen, in der Millionen von Menschen entrechtet & enteignet werden. Die Kennzeichnungspflicht und die Einweisung in ALG-II-Wohnheime werden (u.a. wegen der ausufernden Kosten für Unterkünfte und Energieversorgung) sicher in Kürze folgen.
Aber das hat jetzt nicht direkt mit den Paketen und der gemütlicheren Zeit zu tun …
wenn ich deine Adresse wüßte,
ja, dann würde ich dir gerne Weihnachten erhellen!
eine Kerze für dich, sie leuchtet bis in die Seele!
Danke Emil, ich drück dich warm und jetzt
aus dem Wessiland, für mich gibt es da keine
Unterschiede…Mensch sein und Freund sein!
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