Nº 252 (2019): Was es braucht

Nachhallendes und Ausgebliebenes und Gebliebenes.

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Nach dem Ende der #BirnBaumTour bin ich am heutigen Morgen in der Heimatstadt angekommen. Das ist das eine. Aber in meinem Alltag bin ich noch lange nicht angekommen. Weil sich die Stunden dort so von der Zeit hier unterschieden. Weil ich in den Stunden mehr geredet habe mit anderen Menschen als hier in mehreren Wochen. Zuhause mache ich recht häufig Selbstgespräche, denn außer mir antwortet mir ja sonst niemand. Aber dort. Und es war beileibe kein Smalltalk, der betrieben wurde. Nein, da waren Gespräche, die tiefer gingen als es vorher vorstellbar gewesen wäre. Ohne Maske, ohne Verschweigen, ohne Ausweichen.

Und nun hänge ich dem Erlebten, dem Gesprochenen, dem Gefühlten und dem Geschenkten nach. Das hallt noch nach in mir. Und bin noch immer erstaunt über mich selbst, denn der befürchtete Schmerz war ausgeblieben, stattdessen glühte da ein freundliches, mitfreuendes “Ach, wie schön!” in mir und wärmte mich, wie mich auch Offenheit und Großherzigkeit wärmten. Wie sorgsam und freundlich Menschen in völlig heterogenen Gruppe miteinander umzugehen wissen, das sollte gesellschafts-, sogar weltweit möglich, erwünscht und umgesetzt werden. Ich zehre sicher noch lang von Worten, die mich erreichten und die ich so nicht fand und finde. Und um nun wieder in meinen Alltag zu finden, brauche ich zwei Dinge: Zeit und Geduld. Und den Mut, immer wieder aus diesem Alltag herauszutreten, um ihn dann wieder ertragen, leben zu können.

 

Außerdem stellte ich fest, daß es heute ist wie vor zwei Jahren und drei Monaten. Damals schrieb ich: “Angefangene Briefe liegen unter dem daraufgeworfenen Füllfederhalter.” Das ist wieder und zum Teil noch immer so. Briefe voller schwieriger Worte. Ach, es ist ein Elend damit, macht mich trotz allen Schwebens mit mir unzufrieden, mit meinem Briefeschreiben.

 

Ich schleiche mich davon und sage Danke fürs Lesen.

Der Emil

P.S.: Am 09.09.2019 waren positiv viele wunderbare Worte, eine vertraute Stimme am Telefon, etwas in mir Erhaltengebliebenes.
 
Die Tageskarte für morgen ist VIII – Der Tod.

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Über Der Emil

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2 Kommentare zu Nº 252 (2019): Was es braucht

  1. Nati sagt:

    Es liest sich, wie gestern schon, richtig schön – dein Erlebnis.
    Ja, manchmal fragt man sich warum kann es nicht immer so sein.

  2. Sehr schöne Worte.

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