7. Türchen: Schnee!

 
„Ihr Leitle, freit eich alle!
Saaht naus, wie's draußen Graipele schneit!” 1)

Dieser Anfang eines erzgebirgischen Winter-/Weihnachtsliedes von Anton Günther kam mir gestern in den Sinn, als am Abend einige wenige winzige Flocken von oben herab schwebten.

Als Kind hab ich mich genauso über den Schnee gefreut, wie ich es heute tu. Schnee macht die Welt, die Landschaft ruhig. Er dämpft die Schritte. Und er läßt die Welt erglänzen, wenn Sonnenstrahlen seine Kristalle zum Glitzern bringen.

Und trotz so mancher Entbehrung, die der Winter auch früher mitbrachte, wurde der Schnee nicht so gehaßt, wie er heute manchmal gehaßt wird.

Nein, er wurde nicht mit allen verfügbaren Mitteln wie Salz oder Lauge von Straßen und Wegen beseitigt. Er wurde geschoben. Und auf den Rest, eine oft nach kurzer Zeit feste/festgefahrene Schneedecke, kam Streusand oder Streusplitt.

Schneematsch in den Städten gab es nur, wenn es Tauwetter gab. Meine Schuhe wurden nicht von Tausalz (das vielleicht doch nicht so umweltschädigend ist, wie viele denken) ruiniert.

Schneedecke im Gegensatz zum Schneematsch, das ist in meinen Augen ein wesentlicher Unterschied vom Winter früher zum Winter heute.

Dabei wirken Salz und Lauge bei zu tiefen Temperaturen nichteinmal mehr auftauend! Und dann gibt es die wunderbare überfrierende Nässe, die für die eine oder andere mehr oder weniger grandiose Rutschpartie sorgt.

Und wie der Matsch sorgen die Rutschpartien für Schimpferei, Unmut und Schlimmeres.

Aber wenn Mensch dann am Rande eines verschneiten Winterwaldes entlanggehen kann, ist dann nicht all diser Unmut vergessen? Erinnert man sich dann nicht eher an Theoror Storms „Allüberall auf den Tannenspitzen / Sah ich goldene Lichtlein sitzen”?

Ich jedenfalls denke bei Schnee nicht an Verkehrschaos. Sondern an Winter, an die Zeit, die vergehen muß, ehe der Frühling Einzug hält.

Und auch der Winter hat seine wundervollen Besonderheiten, seine Schönheit, und seine Stille.

Die wünsche ich mir auch in mir zu finden. Ein Innehalten in diesem mittlerweile kaum noch zu bremsenden Getöse. Dafür nutze ich den Advent und den Winter.

Und ihr, liebe Leser?

Danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.

1) „Ihr Leutchen, freut euch alle! / Seht hinaus, wie es draußen Gräuplein schneit!”

Der Emil

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 7. Türchen: Schnee!

  1. nextkabinett sagt:

    Ein Winter ohne Schnee ist wie ein Sommer ohne Sonne … meine Welt ist nicht rund, wenn die Sommer wie Winter sind und die Winter undefinierbares Grau und Schwarz. Schnee reinigt die Welt … Schnee macht die Welt leiser und langsamer … Schnee verzaubert die Welt … ein Winter ohne Schnee lässt den Frühling fahl erscheinen. Denn meine Jahreszeit ist der Frühling. Ein Frühling, der aus dem Schnee geboren ist.

    Lieber Emil,

    hab auch Du einen stillen und besinnlichen Tag,

    Renate

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