6. Türchen: Barbara-Zweige

Noch so ein Brauch aus meiner Kindheit: Viele oder einige werden gestern oder vorgestern Zweige von Kirschbaum, Weichsel, Schlehe, Zaubernuß oder auch Forsythie geschnitten haben. Die liegen zunächst in lauwarmem Wasser und stehen dann in einem Wasserkrug oder in einer Vase an einem hellen, warmen Platz. Wenn nun zweimal pro Woche das Wasser gewechselt wird, sollten die Zweige am 24. Dezember in vollen Blättern und/oder Blüten stehen.

Heute heißen diese Zweige noch immer „Barbara-Zweige”, obwohl sie ursprünglich nicht an St. Barbara, dem 4. Dezember, sondern irgendwann zum Winterbeginn geschnitten wurden. Und sie sind sicher schon vor der Christianisierung und unabhängig vom christlichen Glauben in die Hütten geholt worden.

Wie so viele andere ältere Bräuche wurden allerdings auch diese Zweige ins christlich-kirchliche Brauchtum integriert. Denn es wurde und wird am 2. Advent in den Kirchen eine Stelle aus dem Evangelium des Lukas gelesen, die mit Zweigen und Blüten zu tun hat (Vom Feigenbaum, Lk21, 29-31). Was also lag näher, als die zur Wintersonnenwende blühenden (zumindest aber austreibenden) Zweige auch „in den Dienst der Kirche” zu stellen? Dazu mußte ja nur noch der Zweig in die Legende der Heiligen Barbara eingeflochten werden …

Aber das soll mich und euch nicht davon abhalten, einen schönen alten Brauch zu pflegen und sich die Feiertage durch frisches Grün oder frische Blüten verschönern zu lassen.

Heutzutage sollte es übrigens auch reichen, wenn die Zweige ab dem 6. oder 7. Dezember in unseren mollig warmen Häusern und Wohnungen stehen. Denn da es heute wärmer ist als früher in den Behausungen, treiben die meisten Zweige auch schneller.

Also ist es vielleicht auch heute noch nicht zu spät, sich ein paar Forsythienzweige zu besorgen. Bei guter Pflege sollten sie in 18 Tagen grünen und blühen und vom nahenden Frühling künden.

Danke fürs Lesen – und habt eine besinnliche Zeit.

Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu 6. Türchen: Barbara-Zweige

  1. Gisi sagt:

    Diesen Brauch kenne ich auch aus meiner Kindheit,
    heute freue ich mich umsomehr, wenn diese gelben Blüten treiben,
    ich bin nämlich eher ein Frühlings / Sommerkind.

    Meine Stiefel sind allerdings blitzeblank geputzt,
    mal schauen was oder ob überhaupt was darin zu finden ist….ich bezweifel es. :(*

  2. nextkabinett sagt:

    Ein schöner Brauch, den ich so noch nicht kannte. Zumindest im meinem verschlafenen Vogelsbergdorf ist das nicht üblich. Aber wir haben ohnehin etwas andere Weihnachtsbräuche. So gehen wir dort nicht an Heiligabend in den Gottesdienst, sondern in der Nacht auf den ersten Weihnachtstag frühmorgens um 5 Uhr. Niemand weiß, warum das so ist.

    Nun ja, sieben Nikoläuse bei 40 Wohnungen, das sind gut zwanzig Prozent. Das ist ein Fünftel, nicht so schlecht für Deinen heroischen Selbstversuch als Heinzelnikolaus.

    Noch einen schönen Abend,

    Reka as Social Secretary

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