Den Zeitenlauf umkehren (36/329)

Auch in Buchform für mich schwer verstehbar

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“Der Winter tut den Fischen gut”: Das ist derTitel des Buches von Anna Weidenholzer, an dem ich seit drei Wochen lese. Jutta Reichelt gab mir den Hinweis im Kommentar zu meinem Versuch, über das Verschwinden von Katharina zu schreiben. EIn Buch, das in der Zeit rückwärts, vom Kapitel 54 bis zum Kapitel 1 führt. In meiner Vorstellung war es eine reizvolle Idee, mir Juttas verschwundenen Christoph in eine solche Form zu denken.

Allein: Es kam wie so oft anders, als ich dachte. Und es ist noch anders, als ich es mir vorstellte. Denn ich lese ja seit drei Wochen an diesem Buch. Dabei ist Lesestoff dieses Umfangs sonst in höchstens drei Tagen geschafft. Und zwar unabhängig davon, ob der Stoff, die Story mich fesselt, mitnimmt, mir gefällt. Die ungewöhnliche Lesedauer ist der Tatsache geschuldet, daß ich mir die Fortführung einer Geschichte sehr leicht phantasieren kann (sogar in mehrere Richtungen), daß aber die Phantasie des Vorhergehenden mir ungewohnt ist und mir deshalb wesentlich schwerer fällt. Am Ende eines jeden Kapitels stehe ich verständnislos neben dem Buch und habe keine Ahnung, wie was zusammenhängt.

Und das hätte ich nicht erwartet.

Ich war schon mehrfach versucht, einfach von hinten her zu lesen, weil damit meinen Erwartungen wahrscheinlich eher entsprochen wird. Bisher habe ich der Versuchung erfolgreich widerstanden. Die Hälfte habe ich doch schon geschafft. Da werde ich doch wohl das Ende den Anfang der Ereignisse auch noch schaffen. Die Leihfrist in der Stadtbibliothek habe ich schon verlängert.

Doch ich wundere mich bei jedem Aufschlagen des Buches, wie sehr ich doch in meinen Lesegewohnheiten gefangen bin, eingefahrene Strecken verfolge, ausgetretne Wege gehe. Hm. Mittlerweile lese ich das zuletzt gelesene Kapitel, das neue Kapitel und ein weiteres Kapitel überfliege ich im Voraus. Beispielsweise las ich gestern 26, 25 und 24 – heute nehme ich mir 25, 24 und 23 vor. Jedes Kapitel dreimal lesen. Und trotzdem Schwierigkeiten beim Verfolgen der Geschichte, weil sie ja falschrum läuft. Aufgeben mag ich trotzdem nicht.

 

Verwunderlich, daß ich nach Jahren einmal wieder ein solches Buch in der Hand halte. Eines, das ich gerne beiseitelegen möchte und doch nicht beiseitelegen werde. Weil … weil mich der Ehrgeiz gepackt hat, es verstehen zu wollen.

 

Der Emil

Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.

P.S.: Positiv am 4. Februar 2015 war das Nichts.
 
Tageskarte 2015-02-05: Die Königin der Kelche.

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Über Der Emil

Not normal. Interested in nearly everything. Wearing black. Listening. Looking. Reading. Writing. Clochard / life artist / Lebenskünstler.
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0 Kommentare zu Den Zeitenlauf umkehren (36/329)

  1. finbarsgift sagt:

    Klingt sehr interessant, was du da über dieses Buch schreibst…

    kennst du Rayuela von Cortazar?

  2. Sofasophia sagt:

    Erzähl bitte dann nochmals, wenn du fertig bist!
    Spannende Buchidee!

  3. Lieber Emil, weil ich für ein paar Tage verreist war, kann ich erst heute mehr als nur ein kleines Häkchen unter deinen Beitrag machen, den ich sehr interessiert gelesen habe! Tatsächlich habe ich mich bei der Lektüre auch manchmal gefragt, ob es wirklich „aufgeht“, ob der Text, wenn man ihn von hinten nach vorne läse, tatsächlich so wäre, wie wir es gewohnt sind – als kontinuierlich in der Zeit voranschreitend. Es kam mir so vor, als wenn es kleine „Fehler“ in dieser Anordnung gäbe. aber in jedem Fall – und das ist ja viel wichtiger – hatte ich das eigentümliche Gefühl, dass sich da etwas auflöst, dass wir die Orientierung verlieren, sobald die vertraute Erzählrichtung einmal konsequent umgekehrt wird.
    Bin gespannt, wie es dir mit dem Buch weiter ergangen ist! Herzliche Grüße!

    • Der Emil sagt:

      Nun, es schreitet — voran stimmt ja nicht ganz, aber zurück ist auch nicht richtig — also noch geht es …

      Ich bin mit meinem Gefühl nicht ganz allein, schon das gibt Mut zum Lesen!

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