Typische Verläufe von Ehen und Beziehungen
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Wunderschön. So nennt er sie. Wunderschön und beispielhaft. Hat sie schon lange keiner mehr so genannt. Wenn sie drüber nachdenkt: Noch nie hat sie jemand so genannt. Dabei waren die Kerle fast immer darauf aus, sie in die Kiste zu bekommen. Meist täuschten sie Zärtlichkeit, Einfühlungsvermögen und all den Schmus vor, auf den auch sie als Frau hereinfallen wollte. Und prompt hereinfiel. All die Jahre lang und in beiden Ehen
“Aus Erfahrung wird man klug.” Daß sie nicht lachte! Erfahrungen hat sie oft genug gemacht. Mit Männern, zu vielen vielleicht. Weil sie eben nicht klug werden wollte, sondern nach jeder Entäuschng wieder von Neuem gehofft hat. Selbst als sie zum zweiten Mal verheiratet war, wurde sie von ihrem Mann betrogen, der nebenher mit der Kleinen aus dem Tabakladen herumturtelte. Daß soetwas passieren würde, war ihr doch schon vor der Hochzeit klar! Also hat sie sich von Anfang an auch nicht zurückgehalten und ihre Liebschaften weiterhin gepflegt.
Wobei … Nennt Frau das schon Liebschaften, wenn die Kerle für höchstens eine Stunde ins Haus kommen?
Von all diesen Männern hat sie nie einer wirklich wahrgenommen. Sie hat immer für heimelig stimulierende Umgebung gesorgt mit Kerzenschein und einem guten Duft. Sie hat sich bei jedem hingebungsvoll aufgeopfert und dafür gesorgt, daß sie standen wie eine Eins. Und die Männer? Kein Lob für ihr perfektes Make-up. Keiner bemerkte die neue Frisur, nicht mal der Trottel von Ehemann! Dem fiel immer nur einmal im Monat, immer am zwölften, auf, daß sie sich zwei Tage nicht epiliert hatte.
Da war dieser ungläubige Blick ihres “Mannes”, als der vorgestern zu früh von der Arbeit heimkam. Als der sah, wie kuschelig sie alles hergerichtet hatte und wie sie mit dem Mund … Sie mußte so heftig lachen über diesen Spießer, der sich als ihr Ehegatte in ihrem Haus breitgemacht hatte. Dieser Versager, dieser Ehebrecher! Wie der sich echauffierte und mit überschnappender Stimme die Hose und die Schuhe und den Mann hinauswarf. Sie konnte mit dem Lachen einfach nicht aufhören. Sie lachte ihn aus, diesen Schlappschwanz, diesen Weiberhelden.
Und nun? Nun liegt sie mit ihren 44 Jahren nackt hier in grellem Licht. Und der Pathologe geht um sie herum und murmelt beim Anblick der Strangulationsmarken immer wieder: “Wunderschön. Wunderschön, beispielhaft. Beinahe wie im Lehrbuch …”
Manche Komplimente sind doch etwas “Besonderes”.
Der Verfasser des Blogs schleicht davon und dankt für’s Lesen.
P.S.: Positiv am 12. November 2013 war der Lesenachmittag.
© 2013 – Der Emil. Text & Bilder stehten unter der Creative Commons 3.0 Unported Lizenz
(Namensnennung, keine kommerzielle Verwertung, keine Veränderung).
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Stimmt 😉 Danke für den Tip mit den releated Links.
Huch?
Ach – Der Dank hat mit dem „Srtimmt“ nichts zu tun …
Meinte es sarkastisch aus Sicht der „Frau Perspektive“ und dann der letzte Satz… Sie wollte, so denke ich nicht DIESES Kompliment an dieser Stelle hören.
Nicht in dieser Situation. Und es bleibt (hoffentlich) die Frage: Wieso hört sie das jezt noch?
[Ich war verwirrt und mußte erst die zwei Nachrichten (Stimmt und den Dank) voneinander trennen.]
😉 !!! naja…ich denke so leben wirklich einige…
Sicher …
fast ein kleiner krimi. es ist eben immer noch nicht das gleiche, ob männer oder frauen ES tun.
(kavaliersdelikte und „diese hure!“)
gut erzählt!
Hier aber grad umgedreht, auch die Begründung für das eigene Verhalten
autsch.
Ja, egal wer es tat …
Die Geschichte führte mich in die flachen, fiesen Gewässer meiner Vergangenheit. Heftig. Und ein wenig „Bääääh“…
Oh, die Wendung hatte ich nicht erwartet. Sie traf mich wie eine Breitseite und das Lächeln, welches sich beim Lesen deiner Geschichte auf meinem Gesicht breit gemacht hatte, gefror etwas ein. Kompliment, Emil. Eine wirklich gute Geschichte und ganz excellent geschrieben.
Vielen Dank, Gudrun, das geht grad runter wie Öl.
Und der, der die Strangulationsmarken gesetzt hat, bekommt sicher auch noch „mildernde Umstände“, da sie ihn ja so unendlich gereizt hat.
Überraschender Schluss!
Wieso der? Vielleicht war sie es auch selbst, in einem Anflug von was-weiß-ich-denn?
Warten wir doch die Ermittlungen und Laborergebnisse ab 😉
Ich hatte angenommen, sie wurde erwürgt, so verstand ich die bisherige Handlung.
Sie kann sich aber auch erhängt haben … Wer weiß, was in solchen Situationen in den Köpfen der Beteiligten vorgeht.
Starker Text. Das Ende hatte ich nicht erwartet.
Gibt es denn Ermittlungen zu diesem Fall? 🙂
LG Gabi
Immerin ist sie schonmal in der Pathologie angekommen. Wäre es denn interessant zu erfahren, wieso sie jetzt tot ist und Strangulationsmarken hat?
Im Prinzip darf jede(r) dran weiterschreiben …
Naja, mich als Krimi Fan schon. So unter dem Motto: was wirklich geschah – oder so. 🙂
Nein, zum weiterschreiben bin ich nicht geeignet. Aber vielleicht findet sich ja jemand.
Nein, in meinem Kopfkino hängt sie sich nicht auf. Sie ist lebens- und liebeshungrig und wird diesen Hunger stetig weiter stillen wollen. Stimmt nicht! Hätte ihn weiter stillen wollen, wenn nicht dieser Ehemann diesem Sehnen ein Ende bereitet hätte. Es wird ja leider anderen Kulturkreisen angekreidet, dass die Männer ihre Frauen als Eigentum betrachten würden. Den Frauen bei uns sieht man die Ketten so gut wie nie an. Erst der Blick hinter die stets gut gemalte Kulisse offenbart manche Beziehungshölle.
Das wird wohl in jedem Kopfkino ein wenig anders laufen. Ich kann wirklich nicht sagen, wie sie zu Tode kam (vielleicht arbeite ich irgendwann nochmal daran).
Auch Männer tragen hier – und zwar immer öfter – ziemlich schwere Ketten, die noch seltener gesehen werden (wollen). Ich überlege grad, ob das zu DDR-Zeiten auch so schlimm war …
Nein – ich will gar nicht wissen wie es weitergehen würde, das ändert auch nichts mehr daran dass es vermutlich ihr letztes Kompliment war!
Mich würde vielmehr interessieren, was war DAVOR!!! Warum hat sie sich genau diese Kerle geangelt, und warum hat sie so gelebt?
Genial geschrieben – mit dem Aha-Effekt am Ende – egal ob ihrs noch möglich war das selbst zu denken *gg*
Lieben Gruß
Kerstin
Puh! Danke erstmal für das Lob. Tja, und dann: Davor, davor wurde sie geboren, kam in Kindergatrten und Schule, lernte einen Beruf oder studierte, lernte Männer und Frauen kennen, hatte Frust und Lust und Sex und Streit und zwei Ehen und wahrscheinlich auch Kinder …
Dann kam der zweite Mann zur Unzeit heim … Und dann? Noch weiß niemand, was geschah. Jetzt ist sie tot. Und selbst dazu feht das „warum“.