2025 – 042: Denkbar

Gefühlt scheint dieser Satz weitgehend vergessen zu sein.

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Wißt ihr's noch, erinnert ihr euch daran: Nicht alles, was denkbar ist, muß gesagt oder getan oder verwirklicht werden.

Mir scheint, dieser Satz wird von immer mehr Menschen nicht mehr berücksichtigt; vielleicht kennen sie ihn auch einfach nicht (mehr). Dabei ist das doch ein Satz, der das Zusammenleben wesentlich einfacher machen kann? Meint ihr nicht? Denn wer ihn nicht beherzigt, wird egoistisch oder egomanisch handeln. Ich kann denken: „Oh, von [Person] möchte ich gerne mal [Körperteil] sehen oder fotografieren.” Aber das kann ich [Person] nicht sagen, weil es strafbar sein kann, und weitere Personen geht das ja gleich gar nichts an. Ich kann denken: „Dem [Politiker] will ich die Fresse polieren.” Aber den Teufel werde ich tun, denn das ist natürlich ebenfalls strafbar, selbst wenn viele so denken und der Täter die Sympathie der Mehrheit sicherhätte. Und wenn ich denke: „Bei dem Scheißwetter nehm ich besser das Auto vom Nach­barn.” Na? – Eben, das sollte auch nicht getan werden (es sei denn, es gibt eine entsprechende Abmachung mit ihm).

Das zoon politikon Mensch ist, ich bin auf die Beachtung durch andere Menschen angewiesen. Darauf, daß auch meine Bedürfnisse und Gefühle nicht als viel zu unbe­deutend abgetan werden, darauf, daß mir mein Menschsein nicht abgesprochen wird. Und wie halte ich's damit? Ich vermeide die Bezeichnung illegale Migranten: Das sind Menschen. Ich spreche nur selten von Knastis/Knackis: Das sind Menschen. Auch Egoisten und Verbrecher, sogar Politiker unwählbarer Parteien sind Menschen. Das ist immer denkbar, und das muß gesagt werden, vor allem denen, die das immer wieder vergessen, die die Entmenschlichung immer wieder nutzen und vorantreiben.

Ich vergesse nicht: Nicht alles was denkbar ist, muß gesagt oder getan oder verwirk­licht werden. Und beim Undenkbaren ist es mindestens genauso. Ich bin beileibe nie­mand, der für Denkverbote ist; aber ich bin beim Handeln und Sprechen immer für Anstand, Solidarität, Mit-Menschlichkeit.

 

Ja, paßt zum Haudrauf-Text von vorgestern, ist aber unabhängig davon entstanden

 

Erinnerung des Tages:
In Zwickau gab es in der Nähe des Bahnhofs einen kleinen, verwinkelten Intershop: Ach, der Geruch!

 

Mit einem Danke fürs Lesen schleiche ich mich davon.

Der Emil

 

P.S.: Am 11. Februar 2025 war ich zufrieden mit dem trotz Verschlafens pünktlichen Aufbruch, mit der reibungslosen Fahrt, mit etwas Vorbereitung für morgen.


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Über Der Emil

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2 Kommentare zu 2025 – 042: Denkbar

  1. Elvira sagt:

    Das hast du sehr gut geschrieben! Leider übernehmen viele Menschen die über einen langen Zeitraum in Nachrichten jedweder Art benutzten Begriffe, einfach, weil sie langsam aber sicher, ganz subtil in unsere Sprache eindringen und dann unser Denken bestimmen. Früher waren es DIE da oben, irgendwann DIE Flüchtlinge und jetzt DIE Migranten. Am Wochenende war unsere Familie zusammen und wir sprachen über dieses und jenes. Dabei kam das Gespräch auf die Ablehnung einer einwöchigen Reise an die Ostsee während der Krankschrift meines Mannes durch die Krankenkasse vor ungefähr 25 Jahren. Er war arbeitslos geworden, seine Mutter gerade gestorben und psychisch war er am Ende. Ich schrieb der Sachbearbeiterin einen netten Brief (er war wirklich nett, denn was hätte ein böser schon erreichen können?), erklärte ihr den Zustand meines Mannes und bekundete ihr mein Verständnis, dass sie ja nach Aktenlage entscheiden müsste und sie wahrscheinlich so viele Akten bearbeiten muss, dass leicht in Vergessenheit geraten kann, dass es eben nicht um Akten geht, sondern um Menschen. Diese Frau rief mich einige Tage später an und bedankte sich für den Brief. Sie hätte sehr mit den Tränen kämpfen müssen, denn ich hätte ja Recht. Die Reise wurde genehmigt.

    • Der Emil sagt:

      Mehr als die allgegenwärtigen „Wordings” bekomme ich in verschiedenen Diskussionen überhaupt nicht mehr zuhören. Aber ich bin ja auch der Meinung, daß Menschen- und Bürgerrechte vor vielen anderen zu berücksichtigen sind – und schon das verstehen nicht mehr sehr viele Menschen …

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